Gelsenkirchen - Nach einem schwachen Saisonstart hat sich der FC Schalke 04 mit harter Arbeit aus der Krise manövriert. Ganze fünf Pflichtspiele in Folge sind die Königsblauen nun schon ohne Niederlage - das soll auch am Mittwoch im DFB-Pokal so bleiben, bevor am Wochenende das Derby gegen Borussia Dortmund auf dem Programm steht.

Am Ende feierte sich das ganze Stadion schon mal warm fürs Derby und skandierte lautstark: „Der S04 ist wieder da!“ Rechtzeitig vor dem Duell mit dem BVB hat sich der FC Schalke 04 mit dem 3:0-Erfolg über Mainz aus dem Tabellenkeller geschossen. Den Fans gefällt, wie die Mannschaft sich präsentiert. Ehrliche und harte Arbeit wird im Ruhrpott hoch geschätzt.

Heidel: "Es ist immer mehr System zu erkennen"

Christian Heidel sah noch einen Tick entspannter aus als sonst, als er nach dem zweiten Heimsieg in Folge über seine Mannschaft sprach. "Es ist immer mehr das System zu erkennen, wie wir spielen wollen", stellte der Sportvorstand mit einem feinen Lächeln fest. "Die Mannschaft versteht immer besser, welche Art Fußball wir spielen wollen. Und ich habe den Eindruck, die Zuschauer mögen diese Art auch."

Gegen Mainz waren die Schalker fast über die gesamte Spielzeit dominant. Die anfängliche Nervosität, nach nur vier Zählern aus den ersten sieben Spielen nicht zu verbergen, war spätestens nach dem Führungstor zunehmend einem selbstbewussten Auftritt gewichen. Die Knappen hatten sich im wahrsten Sinne des Wortes in die Partie hinein gekämpft, und genau das ist es, was Heidel und Trainer Markus Weinzierl erwarten. "Wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten", schrieb der Manager seinen Profis auch nach dem Sieg noch einmal ins Stammbuch. Malochen eben, wie man es im Ruhrgebiet nennt - und zu schätzen weiß.

Di Santo als erster Verteidiger

Eine echte Malochertruppe will Heidel aus dem königsblauen Kader machen, und das scheint zunehmend besser zu funktionieren. Gegen Mainz zeigten die Schalker endlich einmal über 90 Minute die richtige Einstellung, überzeugten mit hoher Lauf- und Zweikampfbereitschaft. Die Arbeit gegen den Ball begann dabei ganz vorne, wo Markus Weinzierl dieses Mal Franco di Santo in die Spitze beordert und ihm Max Meyer an die Seite gestellt hatte. Beide verteidigten so offensiv, wie der Trainer es einfordert. "Die Vorgabe war, stark zu pressen und schon die Innenverteidiger anzulaufen. Das hat gut geklappt", befand Meyer nach der Partie.

Ganz nebenher verbuchte der engagierte Di Santo zwei Torvorlagen – das war dem Argentinier in 78 Bundesligaspielen zuvor noch nicht gelungen. Ein Sonderlob des Managers gab es obendrein: "Franco hat sich aufgerieben ohne Ende." Und noch ein anderer feierte einen Doppelpack: Nabil Bentaleb avancierte mit zwei Treffern zum Mann des Tages und wird neben Leon Goretzka immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt des Schalker Spiels. Hatte der Algerier in den ersten Spielen noch gepatzt, wächst er zunehmend in die Rolle des defensiven Leaders mit Torjägerqualitäten hinein. "Nabil ist ein begnadeter Fußballer, aber er ist auch erst 21 Jahre alt, was gerne mal vergessen wird. Er lernt noch – und das sehr gut", freute sich Heidel über seine Neuerwerbung.

Klasse gepaart mit Malochertum

Individuelle Klasse gepaart mit kollektivem Malochertum, dazu eine maßgeschneiderte Taktik, die sich dieses Mal in einer 3-1-4-2-Formation widerspiegelte – so erkämpfte Schalke den zweiten Saisonsieg und beförderte sich selbst zurück in die Erfolgsspur. Spiel und auch Ergebnis waren gegen Mainz schon früh so eindeutig, dass sich auf den Rängen Zeit und Raum bot für die wichtigen Dinge des Lebens – die stimmgewaltige Einstimmung auf die Mutter aller Derbys.

Am Samstag geht es zum Reviernachbarn nach Dortmund, der zurzeit noch exakt doppelt so viele Punkte auf dem Konto hat wie die Schalker selbst und gegen den die Knappen seit gut zwei Jahren auf einen Sieg warten. Auch ein Spieler wie Bentaleb, der noch nicht lange die königsblauen Farben trägt, weiß um die Bedeutung dieses Spiels: "Das Derby ist ein ganz großes Ding für Schalke und für die ganze Stadt. Und das ist die Art von Spiel, auf die du dich als Fußballer besonders freust."

DFB-Pokal zunächst im Fokus

Vor dem Derby allerdings wartet noch eine Pokalpartie auf den FC Schalke 04, der am Mittwoch in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Nürnberg antreten muss. "Darauf wird erstmal ganz klar unser Fokus liegen", betont Max Meyer. "Im Pokal weit zu kommen, ist der schnellste Weg ins internationale Geschäft. Und in der Liga hinken wir schließlich noch ein bisschen hinterher."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

Video: Das letzte Revierderby