München - Turbulente Wochen beim FC Bayern: Nach zwei Niederlagen in der Bundesliga und dem Ausscheiden im DFB-Pokal gab der Rekordmeister die Vertragsauflösung von Trainer Louis van Gaal am Saisonende bekannt. Vizekapitän Bastian Schweinsteiger äußerte sich über die Trennung und zeigt Bedauern, dass der Niederländer vor dem Abschied steht, sieht aber weiterhin Chancen, die Spielzeit erfolgreich zu Ende zu bringen. Das Spiel am Wochenende gegen den HSV ist für ihn der erste Schritt dazu.

Vor allem für seine Versetzung ins defensive Mittelfeld und die enorme positive Entwicklung, die er in dieser Rolle genommen hat, ist Schweinsteiger van Gaal dankbar. "Der Trainer ist zwar ein spezieller Typ, aber insgesamt ist es schade, dass er geht, weil ich ja auch von ihm profitiert habe und er eigentlich sehr gut zu Bayern passt. Aber die Entscheidung ist getroffen, man muss sie jetzt so respektieren und das Beste daraus machen."

"Positiver Abschied" für Van Gaal

Das Ziel der Mannschaft sei es jetzt, "ihm einen positiven Abschied verschaffen". Vor allem, weil das Verhältnis des Teams zum Trainer nach wie vor gut sei und beide Seiten ein gemeinsames Ziel haben: Die letzten Wochen der Saison erfolgreich zu bestreiten.

Unabhängig vom Trainerwechsel weiß Schweinsteiger, dass die Ansprüche der Münchner hoch gesteckt sind. "Das Wichtigste ist, noch in die Champions-League-Ränge kommen. Keiner in der Mannschaft hat Lust, nächstes Jahr in der Europa League zu spielen", ist sich Schweinsteiger sicher.

Die Möglichkeit, eine verkorkste Spielzeit doch noch mit einem Titel zu retten, hat der Nationalspieler noch nicht abgeschrieben. "In der Champions League spielen wir eine sehr gute Sais:n und vielleicht gelingt uns ja dort noch der große Wurf."

"Gewinnen - egal wie!"

Ganz Fußballdeutschland wundert sich derzeit, wie es die Gegner der Bayern immer häufiger schaffen, sich perfekt auf die dominante Spielweise des Rekordmeisters einzustellen. Dortmund machte eindrucksvoll den Anfang, der FC Schalke machte es dem Nachbarn aus dem Revier nach und auch Hannover 96 wusste ganz genau, wo der FCB seine Schwachstellen hat. Die sonst so gefährliche Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribery wurde in allen drei Spielen praktisch neutralisiert.

Für Schweinsteiger kann dies nicht als Ausrede dienen, warum derzeit beim FCB die Resultate fehlen. "Der Gegner stellt sich nun mal in der Regel auf uns ein, selbst in der Champions League. Natürlich ist es nicht immer leicht, das ganze Spiel in einer Hälfte zu spielen, dann hat der Gegner unsere ganze Hälfte frei, um zu kontern. Wir müssen vor allem zuhause aber einfach so viel Druck erzeugen, dass wir mal in Führung gehen, das würde uns gut tun."

Der Erfolg steht nun mal über allem, auch für den 26-jährigen Bayern-Star. Deswegen schreckt er auch nicht davor zurück, "es vielleicht manchmal sogar mit langen Bällen zu probieren. Denn wir müssen gewinnen - egal wie!". Dies sollte aber nur ein letzter Ausweg sein soll, weil eigentlich genug Qualität in der Mannschaft steckt, weiß auch Schweinsteiger. "Wenn ich sehe, wie wir in Mailand gespielt haben, weiß ich, dass wir vieles besser können, als wir es zuletzt gezeigt haben."

Volle Konzentration auf den HSV

Dennoch sprechen die Resultate der letzten Wochen eine deutliche Sprache. Borussia Dortmund ist uneinholbar und auch Bayer Leverkusen hat mittlerweile sieben Punkte Vorsprung auf den Titelverteidiger. Durch die Misserfolge des FCB konnten die Konkurrenten davonziehen und der Rekordmeister könnte erstmals seit 2007/08 nicht in die Champions League einziehen. "Jetzt haben wir in den letzten zwei Wochen aber nicht die Ergebnisse eingefahren, die wir brauchten, das ist etwas traurig. Es hilft jetzt aber nicht, groß darauf zurückzuschauen - der Blick muss nach vorne gehen", fordert Schweinsteiger.

Der nächste Gegner heißt Hamburger SV, ebenfalls ein Verein, der derzeit mit großen Problemen hat und vor einer ungeklärten Trainerfrage steht. Im ewig jungen Nord-Süd-Klassiker geht es für beide Vereine darum, die Saison mit einem guten Schlussspurt zu retten. Schweinsteiger will den Sieg in der Partie mit absolutem Willen erzwingen.

"Wir müssen rein gehen und allein mit unserer Körpersprache zeigen, dass wir das Spiel gewinnen wollen", meint der 85-fache Nationalspieler. Erst wenn diese Aufgabe erfolgreich bestritten wurde, dürfe man wieder an das Rückspiel gegen Inter denken: "Erst danach kommt Inter Mailand, jetzt gilt unsere ganze Konzentration erst mal dem HSV."


Vom FC Bayern berichtet Christoph Gschoßmann