
SC Freiburgs nicht normale Saison – das Beste kommt noch!
Der SC Freiburg geht unbeirrt seinen Weg nach oben weiter. Also alles wie immer? Keinesfalls, denn einige Highlights gab es in der Clubgeschichte noch nie.
Man könnte an dieser Stelle die übliche Erzählung über den Sport-Club Freiburg bemühen: Der Zwerg aus der Universitätsstadt lehrt den Großen das Fürchten, und das alles mit dem bescheidenen Etat eines Zweitligisten, viel Herz und noch mehr Leidenschaft.
Fakt ist aber auch: Der Club ist schon lange kein Außenseiter mehr im Geschäft. Im Ranking der ausgeschütteten Fernsehgelder stehen die Breisgauer auf dem sechsten Platz. Zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren spielen sie in einem europäischen Wettbewerb, ebenfalls zum dritten Mal erreichten sie das Halbfinale des DFB-Pokals.

Noch in drei Wettbewerben
Und auch außerhalb des Platzes läuft es im Schwarzwald. Der SC baute sich ein neues Stadion, ist wirtschaftlich kerngesund und hat seine Mitgliederzahl innerhalb von acht Jahren verdoppelt – 80.000 Mitglieder zählt der Verein inzwischen. Ist der derzeitige achte Platz in der Bundesliga also keine Sensation, sondern vielmehr folgerichtig angesichts der Entwicklung der letzten Jahre?
Jein. Denn einerseits stimmt es, dass in Freiburg die Ansprüche in den letzten Jahren gewachsen sind und mindestens ein Platz im Tabellen-Mittelfeld drin sein sollte. Andererseits hat der Club ein Highlight vor der Brust, das er in seiner Geschichte noch nie erreichte. Dank des 5:1-Erfolgs im Rückspiel gegen Genk steht der Club zum ersten Mal im Viertelfinale der Europa League. Damit ist der Sport-Club als einziges deutsches Team neben dem FC Bayern noch in drei Wettbewerben vertreten.
Kritik am Spielstil
Wichtig für die Freiburger Gemütslage war jedoch vor allem die Art und Weise, wie man die nächste Runde erreichte. Das Spiel war eine spektakuläre Antwort auf das 0:1 im Hinspiel, bei dem das Team von Julian Schuster – wie so oft in der Saison – eine eher biedere Vorstellung lieferte. Gerade gegen Gegner, die konsequent im Mann-gegen-Mann verteidigen, reagiert der SC häufig mit langen Bällen, damit körperliche Spieler wie Matanović oder Höler zweite Bälle gewinnen können.
Dieser pragmatische Ansatz trifft nicht in ganz Freiburg auf Wohlwollen, identifiziert man sich doch noch immer mit der Ära der "Breisgau-Brasilianer", die einst die Bundesliga mit technischem Kombinationsfußball aufmischten. Seitdem lautet das Credo im sonnigen Südbaden: Lieber schön als dreckig, lieber Avantgarde als Erfolg.

Gemeinschaft statt Stars
Insofern war das torreiche Rückspiel wahrer Balsam auf die Freiburger Seelen, die an jenem Abend endlich die richtige Balance zwischen spielerischer Identität und sportlichem Erfolg gefunden hatten. Und so stand, obwohl Vincenzo Grifo mit seinem Treffer zum alleinigen Rekordtorschützen des Clubs wurde, an diesem Abend auch kein Einzelner im Vordergrund.
Stattdessen wurde die gesamte Freiburger Mannschaft mitsamt ihres Betreuerstabs nach dem Spiel zum Feiern auf die Tribüne gebeten. Physiotherapeut Uwe Vetter, seit den 1990er-Jahren Teil des Vereins und bei über 1000 Spielen im Einsatz, erlebte das zum ersten Mal – selbst für Freiburger Verhältnisse war dieser Moment ein ganz besonderer.
Die dicken Dinger kommen noch
In der Bundesliga wartet mit dem Duell gegen Tabellenführer Bayern nun die nächste große Herausforderung, dann steht schon das Viertelfinale der Europa League gegen Celta Vigo an.
Nicht weniger emotional dürfte jedoch das DFB-Pokal-Halbfinale werden, für das es zum Derby beim VfB Stuttgart geht. Da werden Erinnerungen wach. Vor fünf Jahren stand Freiburg im Pokalfinale und verlor trotz Führung sowie Überzahl am Ende gegen RB Leipzig. Das Trauma, das im Verein und bei den Fans noch immer nachhallt, könnte endgültig verarbeitet werden.
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