Emotionaler Moment: Nuri Sahin kehrt mit Werder Bremen zurück nach Dortmund - Getty Images / Jörg Schüler
Emotionaler Moment: Nuri Sahin kehrt mit Werder Bremen zurück nach Dortmund - Getty Images / Jörg Schüler
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Werder Bremens Nuri Sahin im Interview: "Ein ganz großer Moment für mich"

Dortmund - Als Nuri Sahin nach dem Abpfiff vor der Südtribüne minutenlag gefeiert wurde, da schimmerten die Augen des 30-Jährigen dann doch feucht. Seine ehemaligen Mitspieler warteten fast geschlossen am Mittelkreis und herzten ihren alten Kumpel noch einmal kräftig. Die Rückkehr zu seiner großen Liebe war für Sahin ein emotionaler Tag, der trotz der Bremer 1:2-Niederlage beim BVB am Ende ein glückliches Lächeln auf sein Gesicht zauberte.

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Vor dem Anpfiff gab es für Nuri Sahin Blumen von seinem Ex-Verein, beim Abpfiff tauschte er mit Kumpel Marco Reus das Trikot und nach der Feierrunde mit den Fans musste der Mittelfeldspieler im Kabinentrakt noch sehr lange ganz viele Hände schütteln. Im Interview gewährte er anschließend einen Einblick in sein schwarz-gelbes Seelenleben und ordnete die Bremer Niederlage ein.

Nach dem Spiel lässt sich Sahin vor der Südtribüne feiern - Getty Images / Jörg Schüler

"Ein sehr spezieller Moment"

Frage: Nuri Sahin, nach diesen emotionalen Momenten eine ganz einfache Frage: Wie war’s?

Nuri Sahin: Ich habe mich vor allem gefreut, dass ich spielen durfte. Ich habe mich gefreut, dass unser Trainer mir das Vertrauen und die Chance gegeben hat, nachdem die Jungs letzte Woche auch ohne mich in Düsseldorf gewonnen haben. Ich habe mich natürlich sehr gefreut auf dieses Spiel und noch einmal auf diese Atmosphäre – und es war ein toller Moment für mich. Ein toller, abschließender Moment mit Borussia.

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Frage: Sie standen nach Abpfiff noch einmal vor der Gelben Wand und wurden gefeiert.

Sahin: Das war ein sehr spezieller Moment für mich, ein sehr toller Moment. Ich hatte immer den Traum, hier zu spielen. Und ich kann sagen, dass ich jeden Tag alles für diesen Verein gegeben habe. Ich glaube, die Leute wissen das. Es war einfach schön, wieder hier zu sein, die Jungs zu sehen, das Stadion, die Fans – es war ein ganz großer Moment für mich. Ich habe versucht, es zu genießen, auch wenn wir das Spiel leider verloren haben.

Nach dem Spiel tauscht Sahin mit seinem Kumpel Marco Reus das Trikot - Bongarts/Getty Images

"Ich fühle mich in Bremen sehr wohl"

Frage: Hatten Sie schon vor dem Spiel bei Ihrer offiziellen Verabschiedung Tränen in den Augen?

Sahin: Das Problem war, dass ich vor dem Spiel dann schnell rein musste in die Kabine. Da konnte ich das alles noch nicht so richtig genießen. Mein Kopf war in diesem Moment schon beim Spiel. Aber nach dem Abpfiff war es toll, wirklich toll. Von ganzem Herzen kann ich mich nur bei jedem Einzelnen bedanken. Es war schwer, aber es war auch schön.

Frage: Waren Sie nervös?

Sahin: Während des Spiels war ich gar nicht nervös. Da habe ich mich ganz gut gefühlt. Aber im Vorfeld war es schon speziell. Ich war zwar nicht nervös, aber es war irgendwie anders als bei anderen Spielen. Aber es war schön, gegen die Jungs zu spielen.

Frage: Sind Sie traurig, Dortmund jetzt wieder verlassen zu müssen?

Sahin: Ich fühle mich in Bremen sehr wohl. Es war ja eine sportlich bewusste Entscheidung von mir, zu Werder zu wechseln. Insofern – alles gut! (lacht) Außerdem darf ich ja auch noch ein bisschen in Dortmund bleiben. Mein Sohn ist ein bisschen krank, den kann ich dann gleich noch sehen.

"Müssen aus solchen Spielen unsere Erfahrungen sammeln"

Frage: Wie ordnen Sie die Bremer Niederlage ein?

Sahin: Ich denke, es war ein verdienter Sieg für den BVB. Aber mit ein bisschen Glück hätten wir auch etwas mitnehmen können nach Bremen. Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht und gut dagegengehalten. Gegen Ende hatten wir auch nochmal die Möglichkeit. Machen wir da das Tor, dann spielst du in Dortmund unentschieden und alle sind glücklich. Schade, dass es nicht geklappt hat mit einem Punktgewinn. Aber wir müssen durch genau solche Spiele weiter unsere Erfahrungen sammeln, damit wir uns weiter stabilisieren.

Frage: Die Zielsetzung von Werder bleibt also ambitioniert?

Sahin: Ich denke nicht, dass unser Ziel gefährdet ist. Wir sind ja in Schlagdistanz zu den Plätzen, auf die wir wollen. Wir wissen, wo wir Punkte liegen gelassen haben, die müssen wir in der Rückrunde zurückholen. Wir haben viele junge Spieler, die ständig dazu lernen. Ich bin da sehr optimistisch.

Frage: Und was trauen Sie der Borussia zu?

Sahin: Mir gefällt vor allem, dass die Jungs so stabil sind. Die Highlight-Spiele gefallen jedem. Ob und wann du die anderen Partien gewonnen hast, da fragt keiner nach. Aber die Punkte sind bei der Borussia trotzdem da. Sie gewinnen auch die Spiele, in denen es mal nicht so gut läuft. Mir war vom ersten Tag an unter Lucien Favre klar, dass es in die richtige Richtung geht. Dass es so schnell geht, hat wohl niemand erwartet. Aber die Jungs sind absolut verdient Tabellenführer. Und nach diesem Spiel drücke ich natürlich auch wieder die Daumen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte