Leverkusen - Fußball paradox in der BayArena. Trotz eines respektablen Punktgewinns beim 0:0-Unentschieden bei Bayer 04 Leverkusen rutscht Borussia Dortmund auf den letzten Platz der Tabelle. Doch die Westfalen sehen sich im Abstiegskampf auf dem richtigen Weg.

"Das 0:0 geht komplett in Ordnung, es war ein guter Schritt in die richtige Richtung", zog BVB-Trainer Jürgen Klopp ein positives Fazit. (Stimmen zum Spiel Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund) "Ich bin total zufrieden mit dem Punkt." Nach der verheerenden Bilanz mit nur einem Zähler aus den acht Auswärtsspielen zuvor ist die Sicht des Trainers durchaus nachvollziehbar. Im Abstiegskampf verordnete der Meistertrainer der Jahre 2011 und 2012 seiner Mannschaft eine Rückkehr zu den Grundlagen des Fußballs. Sicher stehen, Fehler vermeiden, kein Risiko gehen, irgendwie punkten. Das gelang beim Tabellen-Dritten. Immerhin.

"Ums schöne Spiel müssen sich andere kümmern"

Zum ersten Mal in dieser Saison blieb Dortmund in einem Auswärtsspiel ohne Gegentor (Topdaten zum Spiel Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund). Vorher hatte der BVB in acht der neun Auswärtspartien je zwei Treffer geschluckt, einmal eins. Sieben Mal war die Mannschaft in Rückstand geraten, nie hatte sie das Blatt noch drehen können. Diesmal galt die Devise: Safety first. Dass diese Spielart fürs Publikum unansehnlich war, nahmen die Schwarz-Gelben gerne in Kauf.

"Um das schöne Spiel müssen sich in diesem Jahr andere Mannschaften kümmern", sagte Nuri Sahin. "Uns ist es im Moment egal, wie unser Fußball aussieht", pflichtete ihm Marcel Schmelzer bei. "Wir haben in der Hinrunde oft genug versucht, schönen Fußball zu spielen und wurden dann ausgekontert." Deshalb gilt: Um aus dem Tabellenkeller zu kommen, muss erst einmal Stabilität ins Dortmunder Spiel.

"Ich kann nicht Abstiegskampf predigen und Champagner-Fußball fordern", rechtfertigte auch Jürgen Klopp die ausgegebene Marschroute. Der Zweck heiligte die Mittel. Das ist legitim im sportlichen Überlebenskampf, denn trotz der intensiven, mehrwöchigen Vorbereitung auf den Rückrundenstart und der Rückkehr von Leistungsträgern wie Marco Reus waren spielerische Fortschritte bei 152 Fehlpässen gegen Leverkusen nur schwer auszumachen.

Weitermachen und das Tor treffen

Die Dortmunder hoffen nun, dass mit den ersten Erfolgserlebnissen - und so wurde der Auftritt in Leverkusen unisono aufgefasst - das Selbstvertrauen wieder wächst und die Struktur ins Spiel zurückkommt. Dabei soll auch Kevin Kampl helfen, der ein durchaus ansprechendes Debüt im Dortmunder Dress hinlegte und von Klopp als "das fehlende Puzzlestück in unserem Spiel" bezeichnet wurde (Kevin Kampl im Interview).

Doch trotz des Punktgewinns verheißt der Blick auf die Tabelle nur wenig Gutes. Die Borussia steht auf Platz 18 ganz am Ende des Klassements. "Ob jetzt aber Siebzehnter oder Letzter ist kein großer Unterschied", findet Matthias Ginter. "Beides fühlt sich nicht gut an. Auf der Defensivleistung in Leverkusen können wir aber aufbauen. Offensiv müssen wir jetzt noch ruhiger und abgezockter werden."

Am kommenden Mittwoch wartet nun mit dem FC Augsburg eine weitere anspruchsvolle Aufgabe auf den BVB, bevor es dann am Wochenende zum Mitkonkurrenten SC Freiburg geht. "Gegen Augsburg müssen wir wie gegen Leverkusen auftreten plus ein Tor schießen", fordert Marcel Schmelzer. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht. In den bisherigen sieben Duellen mit den Schwaben ist die Borussia bei fünf Siegen und zwei Unentschieden noch ungeschlagen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski