Dortmund - Es war Mitte der zweiten Halbzeit, als gleich drei Dortmunder Innenverteidiger versuchten, Robert Lewandowski zu stoppen. Hummels, Subotic und Sokratis mühten sich, dem Stürmer der Bayern auf Höhe der Mittellinie den Ball abzunehmen. Der schirmte ihn perfekt ab und spielte den Pass – wieder einmal.

Die Szene war Beleg für den Respekt des Gegners und die Stärke von Bayerns Nummer neun gleichermaßen. In einer grundlegend defensiver ausgerichteten Bayern-Elf war Robert Lewandowski beim 1:0-Sieg in Dortmund nicht nur aufgrund seines Treffers der Mann des Tages. „Lewa“ machte bei seiner ersten Rückkehr nach Dortmund, wo er von den Fans mit viel Respekt empfangen wurde, einfach den Unterschied aus.

Stark gegen Dortmund

  • Robert Lewandowski bestritt die meisten Zweikämpfe (63) und stellte damit einen neuen ligaweiten Saisonrekord auf.

  • Nur Xabi Alonso (12,2 Kilometer) und Juan Bernat (11,2 Kilometer) waren noch laufstärker als Robert Lewandowski (11 Kilometer).

  • Der Pole war an drei der sieben Münchner Torschüsse beteiligt (zwei Torschüsse, eine Torschussvorlage) – nur Thomas Müller an mehr.

  • Zum 44. Mal erzielte Robert Lewandowski im Signal Iduna Park ein Bundesliga-Tor, 43 für Dortmund, jetzt eins für Bayern.

Ribery verletzt, Robben verletzt – wohl dem, der da einen solchen Stürmer wie Lewandowski in seinen Reihen weiß. Beim Klassiker gegen den BVB übernahm der polnische Nationalspieler den zweiten Part in der Spitze neben Thomas Müller. Dahinter hatte Pep Guardiola angesichts seines dezimierten Kaders auf geballte Defensivstärke und ein Mittelfeld gesetzt, in dem mit Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso gleich drei nominelle Sechser erstmals zusammen in der Startelf standen. Für Mario Götze blieb in diesem Konstrukt nur der Platz auf der Bank

Sammer: "Robert trainiert seit Wochen unglaublich beweglich"

Im neuen System verlagert sich das Spiel der Bayern von den Außen mehr in die Mitte. Und Lewandowski wird zum prägenden Faktor in der Offensive. Seine starke Leistung war dabei auch für Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer alles andere als eine Überraschung: "Er hat super gespielt – das war aber auch im Training schon erkennbar. Robert trainiert seit Wochen unglaublich beweglich, aggressiv, schnell und gibt die notwendigen zwei, drei Prozent mehr."

Den Dortmundern führte Robert Lewandowski schmerzlich vor Augen, welche Qualitäten ihnen abgehen, seit er zu Saisonbeginn zu den Bayern gewechselt ist. Und bei den Münchnern bringt er seine Stärken inzwischen voll ein. Man hat den Eindruck, der 26-Jährige kann quasi jeden Ball verarbeiten. Er pflückt die Bälle auch unter Bedrängnis herunter und macht sie fest, hält sie gegen zwei, drei Gegner und verteilt sie zumeist mit sicherem Auge.

In Dortmund bestritt Lewandowski 63 Zweikämpfe und stellte damit in der Bundesliga einen neuen Saisonrekord auf. Dass er davon 30 Duelle gewann, spricht für sich. Ganz nebenbei spulte der Stürmer elf Kilometer ab und bereitete seinen 14. Saisontreffer auch gleich noch selbst vor. (Topdaten zum Spiel) Im Mittelfeld gewann er den Zweikampf gegen Hummels, schickte Müller steil, setzte selbst nach, brachte sich in Position und verwandelte den Abpraller per Kopf – ein Musterbeispiel für Torriecher, Willen und Schnelligkeit auch im Kopf.

Kein großer Jubel vor der Südtribüne

Dass er nach diesem Tor vor der Südtribüne auf ausgelassenen Jubel verzichtete, spricht für den Charakter des Polen. "Ich habe Respekt vor dem ganzen BVB und seinen Fans", stellte Lewandowski nach der Partie klar und schickte beste Wünsche an seinen alten Verein, für den er vier Jahre lang gespielt hatte: "Ich hoffe sehr, dass die Borussia auf jeden Fall noch die Europa League schafft."

Seine eigene Leistung und sein Tor des Tages hingegen  kommentierte Robert Lewandowski gewohnt nüchtern, sachlich und zurückhaltend. Ganz locker und ruhig, aber eben auch konzentriert sei er bei seiner Rückkehr an alter Wirkungsstätte in die Partie gegangen, "um vielleicht in einer Situation das entscheidende Tor zu schießen. Es ist klar, dass man mehr Chancen bekommt, wenn drei, vier offensive Spieler auf dem Platz stehen. So müssen wir unsere Chancen eben effektiv nutzen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte