Köln - Mit vier Punkten aus den letzten beiden Spielen hat sich der SV Werder Bremen nach dem Fehlstart wieder gefangen und die Abstiegsplätze verlassen. Der vom FC Ingolstadt gekommene Neuzugang Robert Bauer konnte sich an der Weser auf Anhieb durchsetzen und einen Stammplatz erkämpfen. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 21-Jährige exklusiv über seinen Start in Bremen, den neuen Trainer und das Erlebnis Olympia.

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bundesliga.de: Robert Bauer, Sie sind kurz vor dem Saisonbeginn von Ingolstadt nach Bremen gewechselt und haben dann ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Sind Sie sich nach dem Fehlstart mit vier Niederlagen manchmal vorgekommen, als wären Sie im falschen Film?

Robert Bauer: Nein, das habe ich nicht gedacht. Aber natürlich hatte ich mir den Anfang etwas anders vorgestellt. Ich habe mich eingelebt und bin jetzt schon eine längere Zeit in Bremen. Ich schaue nicht zurück. Ich fühle mich nicht mehr als der Neue. Man hat in den letzten Spielen gesehen, dass wir nach dem Trainerwechsel eine Reaktion gezeigt haben.

bundesliga.de: Sie haben sich auch in Bremen direkt durchgesetzt und in allen Partien in der Startelf gestanden. Waren es intensive erste Wochen an der Weser?

Bauer: Auf jeden Fall. Es war anders als in Ingolstadt, wo das Umfeld und der mediale Druck nicht so groß waren. Für mich war es eine Umstellung. Aber man spielt ja dafür Fußball, dass man vor den Fans gegen die Kugel tritt und die Anhänger einem zujubeln. Das gibt einem Spieler Kraft. Deswegen bereue ich den Wechsel auf keinen Fall und bin sehr froh, in Bremen zu sein.

bundesliga.de: Was hat Sie an Werder Bremen am meisten gereizt?

Bauer: In den Gesprächen habe ich gemerkt, dass die Verantwortlichen einen Plan mit mir haben und auch in der Zukunft auf mich setzen. Das Umfeld und die Fans haben mich beeindruckt, nach unserem Spiel gegen den VfL Wolfsburg hat man wieder gesehen, welche Atmosphäre hier herrscht. Als ich vom Interesse Bremens erfahren habe, war für mich schnell klar, dass ich zu Werder möchte.

"Wollen nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben"

bundesliga.de: Sie haben den Trainerwechsel bereits angesprochen. Freuen Sie sich darüber, dass Alexander Nouri zum Cheftrainer befördert wurde?

Bauer: Wir als Mannschaft freuen uns, dass wir längerfristig mit Alexander Nouri arbeiten dürfen. Man merkt, dass er mit ganzem Herzen dabei ist und das auf die Spieler überträgt. Gerade in der Situation, in der wir uns befunden haben, als es nicht gelaufen ist, hat er uns vermittelt, über die Einstellung und den Kampf in die Saison hineinzufinden.

bundesliga.de: Werder steht jetzt auf Platz 15 und damit über dem Strich (zur Tabelle). Wie kann sich Bremen dauerhaft weiter oben etablieren? Was ist drin in der Saison?

Bauer: Wir müssen erst einmal schauen, dass wir auch in den nächsten Spielen konstant unsere Leistung bringen. Dann werden wir sehen. Unser erstes Ziel ist, da unten herauszukommen und nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben.

bundesliga.de: Sie haben in diesem Jahr schon einiges erlebt und waren auch bei Olympia dabei. Wie groß war das Ereignis für Sie im Rückblick? Wie sehen Sie Ihre Perspektive in der deutschen U21?

Bauer: Das Erlebnis war einzigartig. Man hat als Fußballer maximal einmal im Leben die Chance, an Olympia teilzunehmen. Ich bereue es auf keinen Fall, dass ich zugesagt habe, auch wenn ich nicht die größte Spielzeit hatte. Aber ich wusste, dass ich es später bereut hätte, wenn ich nicht nach Brasilien gefahren und beim Verein geblieben wäre. Es war toll, das alles mitzuerleben, das olympische Dorf, die Atmosphäre und den Spirit. Das war wirklich super. Und was meine Perspektive betrifft: Ich muss mich in der Bundesliga zeigen. Bei den ersten Länderspielen unter dem neuen Trainer (Stefan Kuntz, die Red.) wäre ich nominiert gewesen, habe dann aber nach Rücksprache mit dem DFB-Sportdirektor Hansi Flick und und Werder-Sportdirektor Frank Baumann abgesagt, weil ich mich als Neuzugang bei Werder erst einleben wollte. Jetzt wurde ich nicht nominiert. Das ist für mich ein Zeichen, dass ich noch mehr arbeiten muss, um wieder in den Kader zu rutschen.

Video: Nouri und Gisdol - Neue Trainer-Hoffnungen

bundesliga.de: Wie intensiv verfolgen Sie die Entwicklung in Ingolstadt nach Ihrem Weggang?

Bauer: Sehr intensiv. Ich stehe in Kontakt mit den alten Mannschaftskollegen und versuche, sie an freien Tagen manchmal zu besuchen. Natürlich tut es mir ein bisschen weh, wenn ich sehe, wie es dort derzeit läuft. Aber die Jungs sind da ganz optimistisch. Ich hatte in den zwei Jahren, die ich beim FCI gespielt habe, durchweg positive Erlebnisse.

bundesliga.de: In zehn Tagen trifft Werder in der Bundesliga auf Bayer 04 Leverkusen. Wie muss Bremen auftreten, um zu verhindern, wieder viele Gegentore schlucken zu müssen?

Bauer: Man hat in den letzten Spielen gesehen, dass wir defensiv besser stehen und nicht mehr so viel zulassen. Jetzt gilt es unser Spiel, das wir in diesen letzten Partien gezeigt haben, auch gegen einen vermeintlich viel stärkeren Gegner auf den Platz zu bringen. Wir können jetzt in der Länderspielpause diszipliniert weiterarbeiten und viele Dinge einstudieren. Dann bin ich zuversichtlich, dass die Automatismen über das Training und Testspiele besser greifen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski