München - Selbst 75 Minuten nach dem Schlusspfiff war der Ärger über den verpassten Sieg längst noch nicht verflogen. "Vielleicht muss man am Ende zufrieden sein, aber ich finde es ärgerlich. Wenn man 1:0 in Führung geht, muss man den Sack zumachen", sagte Arjen Robben nach dem 1:1 gegen den FC Schalke 04.

Trotz seines Treffers wartet der FC Bayern München in der Rückrunde weiter auf den ersten Dreier - aber bei all dem Frust darüber sieht Robben dennoch keinen Grund zur Panik.

"Müssen aufpassen und kritisch sein"

"Wir dürfen es auch nicht übertreiben", beschwichtige der 31-Jährige. Die Bayern blieben erstmals in dieser Saison zwei Spiele in Folge sieglos. Aber weil auch der VfL Wolfsburg beim 1:1 bei Eintracht Frankfurt Federn ließ, hat der Rekordmeister weiterhin komfortable acht Punkte Vorsprung auf Platz 2.

Dennoch nahm Robben seine Teamkollegen in die Pflicht. "Wir müssen aufpassen und kritisch sein", warnte der Niederländer. Die 1:4-Niederlage in Wolfsburg am vergangenen Freitag bezeichnete er als "guten Weckruf" und fügte an: "In Wolfsburg war es ein Fehlstart, wir sind bestraft worden für unsere Fehler."

Platzverweis durchkreuzt Pläne

Gegen die kompakte Defensive der Schalker hatten sich die Bayern einiges vorgenommen, doch Robben und Co. verzettelten sich in der Anfangsphase immer wieder in ihrem Spiel gegen die dichte Fünferkette der Gäste. Ungenauigkeiten beim letzten Pass taten ihr Übriges, sodass die Hausherren zunächst keine klare Torchance zu verzeichnen hatten. Dominanz hin oder her.

Und in der 17. Minute durchkreuzten die Bayern selbst ihre eigenen Pläne. Nach dem Platzverweis gegen Jerome Boateng mussten die Münchner für den Rest der Partie in Unterzahl agieren. "Wir haben trotzdem in der Halbzeit alle das Gefühl gehabt, dass wir gewinnen können", sagte Robben. "Schalke hat nicht viel gemacht."

Offenbarung neuer Qualitäten

Robben tat nach Wiederbeginn dafür umso mehr, wenngleich es insgesamt nicht sein bester Saisonauftritt war. Er war dennoch an der Hälfte aller Torschüsse seiner Mannschaft beteiligt (fünf) und schoss von allen Bayern-Spielern am häufigsten aufs Tor (dreimal). Mit seinem elften Saisontor krönte er seine Leistung und offenbarte dabei neue Qualitäten: Zwei seiner letzten drei Tore erzielte er per Kopf.

Aber weil auf der anderen Seite Benedikt Höwedes seine bekannte Kopfballstärke unter Beweis stellte, gab der Tabellenführer erstmals in dieser Spielzeit zuhause Punkte ab. "Auch während unserer überzeugenden Siegesserie haben wir immer gesagt, du kriegst nichts geschenkt", unterstrich Robben. "Du musst immer wieder von der ersten Minute an kämpfen."

Volle Konzentration auf Stuttgart

Das wird vom FC Bayern am Samstag beim VfB Stuttgart (ab 15 Uhr im Liveticker) wohl auch bis zur letzten Minute verlangt werden. In der Vorsaison entschied der FCB beide Duelle gegen die Schwaben jeweils erst in der Nachspielzeit zu seinen Gunsten. Robben hat für Samstag jedenfalls klare Wünsche: "Hoffentlich werden wir in Stuttgart mit elf Mann einen guten Sieg feiern."

Aus München berichtet Maximilian Lotz