Stuttgart - Auf dem Papier sieht ein DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den VfL Bochum eher nach einer Pflichtaufgabe aus. Für den VfB Stuttgart ist es mehr, denn ein Sieg am Mittwoch gegen den Zweitligisten (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker) könnte die Schwaben emotional mitreißen und Signalwirkung für den Rest der Saison haben. "Wir haben eine Riesenchance", sagte Sportdirektor Fredi Bobic, "die Spieler wissen, dass es nicht mehr weit ist bis zum Finale".

Dieses Finale in Berlin, das immer eine besondere Faszination ausübt und in dieser Saison wohl eine lukrative Begleiterscheinung bereithält: Der Platz im Endspiel garantiert aller Wahrscheinlichkeit nach einen Start in der Europa League, denn kaum jemand zweifelt daran, dass der Viertelfinal-Schlager zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund zugleich einen der beiden Finalisten hervorbringt. Und die beiden Clubs werden in der Champions League spielen.

VfB-Kapitän Serdar Tasci sprach vielleicht auch darum davon, dass die Schwaben schon im Sommer das DFB-Pokal-Finale als Ziel ausgegeben hätten. Schließlich ist der Cup-Wettbewerb der kürzeste Weg nach Europa, und aktuell für Stuttgart angesichts der Tabellenposition in der Bundesliga auch der leichtere. Trainer Bruno Labbadia unterstrich am Dienstag nochmals: "Das Ziel hatten wir von Anfang an". Gleichwohl solle man sich jetzt nicht von den Endspielträumen ablenken lassen, auch das verdeutlichte Tasci. "Wir dürfen noch nicht ans Finale denken".

VfB nimmt Favoritenrolle an



Ein emotionaler Aufwind würde beim VfB zweifellos neue Kräfte freisetzen, da der eng gestrickte Kader unter der Dreifachbelastung Bundesliga, Europa League und Pokal ziemlich leidet. Im Heimspiel am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg (1:1) waren die Nachwirkungen des 2:0-Erfolges vom Donnerstag beim KRC Genk deutlich zu erkennen.

Labbadia möchte dies dennoch nicht groß thematisieren. Vor dem "super wichtigen" Spiel gegen Bochum interessiert den 47-Jährigen eher die Chance, die aus einem Weiterkommen erwächst: "Das ist für uns die Möglichkeit, über den März hinaus noch in allen drei Wettbewerben vertreten zu sein. Wir wollen weiter alles versuchen." Die Rollenverteilung ist dabei unumstößlich. "Wir sind der klare Favorit", sagte Labbadia.

VfL will "kein Schlachtopfer sein"



Wichtig wäre für die Schwaben auch, dass Torjäger Vedad Ibisevic endlich seine Ladehemmung ablegt. Der Bosnier hat in der Rückrunde noch nicht einmal getroffen, in der Bundesliga wartet er seit 569 Minuten auf ein Tor. Womöglich ist es da ein gutes Omen, dass Ibisevic sein letztes Tor kurz vor Weihnachten im Pokal gegen den 1. FC Köln gelungen war. Er behalte dennoch "einen kühlen Kopf" und lasse sich nicht verunsichern, sagte der 28-Jährige zuletzt.

Der VfL kann hingegen nur überraschen. Das Ausscheiden wäre das normalste der Welt. Logisch aber, dass Trainer Karsten Neitzel, der einst beim VfB-Lokalrivalen Stuttgarter Kickers zusammen mit Bobic spielte, nicht schon vorher die Flinte ins Korn schmeißt: "Wir werden sicherlich kein Schlachtopfer sein, müssen aber als Zweitligist schon über uns hinauswachsen, und der VfB darf keinen optimalen Tag erwischen."

Voraussichtliche Mannschaftsaufstellungen:

VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Boka - Kvist, Gentner - Harnik, Okazaki, Traore - Ibisevic

VfL Bochum: Luthe - Rothenbach, Maltritz, Eyjolfsson, Lumb - Sinkiewicz, Kramer - Rzatkowski, Toski, Goretzka - Scheidhauer

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)