Mainz - Es war ein klassisches BVB-Tor: Nach einem Fehlpass des Mainzer Innenverteidigers Niko Bungert landete der Ball über Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang blitzschnell bei Marco Reus, der die Kugel eiskalt aus acht Metern schon nach 18 Minuten zur 1:0-Führung ins Tor bugsiert. Ein "Türöffner", wie BVB-Coach Thomas Tuchel findet. Nicht nur für den BVB - sondern auch für Marco Reus.

Dieses frühe Tor war der Grundstein für den verdienten 2:0 (1:0) Auswärtssieg von Borussia Dortmund bei Mainz 05, Henrikh Mkhitaryan gelang in der 82. Minute erneut auf Vorarbeit von Aubameyang die Entscheidung. Für den BVB bedeute dieser Sieg nach zuletzt zwei Unentschieden, einer 1:5-Niederlage im Klassiker bei Bayern München und der langen Länderspielpause „einen ganz wichtigen Schritt“, wie Dortmunds Trainer Thomas Tuchel nach seiner erstmaligen Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte erleichtert feststellte. „Ich denke, dieser Erfolg gibt uns viel Vertrauen zurück“, erklärte Tuchel.

"Marco öffnet die Tür zum Sieg"

Und einem im Kader werden der Sieg und das persönliche Erfolgserlebnis besonders gut tun: Marco Reus. Der Nationalspieler vergab im Länderspiel für Deutschland gegen Georgien noch zwei hundertprozentige Chancen in ähnlichen Situationen frei vor dem gegnerischen Torwart wie Freitagnacht in Mainz. Dass Reus in Mainz eine frühe Entscheidung verpasste, weil er kurz nach der Pause mit einem Elfmeter am Mainzer Torwart Loris Karius scheiterte, fand sein Trainer Thomas Tuchel angesichts des weiteren Spielverlaufs nicht tragisch. Ganz im Gegenteil, Tuchel findet: "Dass sein Tor zum 1:0 für den Sieg gereicht hätte am Ende, gibt dem verschossenen Elfmeter eine ganz andere Wertigkeit." Tuchel weiß: Wenn das Spiel noch Remis ausgegangen wäre, hätten die Dortmunder und Reus ein Thema "dass wir nicht hätten brauchen können". So aber "öffnete Marco die Tür zum Sieg" (Tuchel, Stimmen zum Spiel) und kann sich nach all der Kritik zuletzt über ein Erfolgserlebnis freuen, das "kein Training und kein Trainergespräch ersetzen kann".  Reus war bis Freitag seit seinen drei Treffern beim 7:2 im Europa-League-Spiel gegen Odds BK am 27.August ohne Tor geblieben. Ein angebrochener Zeh zwang ihn zu einer dreiwöchigen Pause, danach hatte der 26-Jährige Probleme, seinen Rhythmus zu finden. Im Spitzenspiel bei Tabellenführer Bayern war Reus erst beim Stand von 1:3 eingewechselt worden.

Hochzufrieden auch Manager Michael Zorc: "Jeder hat sich für Marco gefreut, weil bei einem Spieler wie ihm die Kritik oft überzogen ist, wenn es nicht so läuft. Er ist deutlich auf dem aufsteigenden Ast. Ein verschossener Elfmeter kann immer passieren."

Mainz als Lieblingsgegner

Der FSV Mainz 05 ist so etwas wie der Lieblingsgegner von Reus in der Liga, gegen keinen anderen Klub feierte er so viele Tore und Siege (jeweils neun). Nun hoffen alle, dass Reus seine Leistung stabilisieren kann und der BVB nach einer guten Leistung in diesem harten Kampfspiel von Mainz wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden hat.

 

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter