Hamburg - In Badelatschen schlenderte Keeper Rene Adler vom Hamburger SV knapp 20 Minuten nach dem torlosen Unentschieden gegen Bayer Leverkusen durch die Mixed-Zone des Volksparkstadions. Nach einigen TV-Interviews lief der 30-Jährige zunächst an den wartenden Journalisten vorbei, bevor er doch noch gewillt war ein paar Sätze über seine starke Leistung zu erzählen.

"Ich habe mich einfach gefreut, dass ich spielen durfte. Der Trainer hat sich für mich entschieden und ich bin froh, dass ich das in mir gesetzte Vertrauen mit einer guten Leistung zurückzahlen konnte", so Adler. Erst am Freitagabend hatte er erfahren, dass er die Nummer eins für das Spiel gegen seine alte Mannschaft aus Leverkusen sein wird.

Adler nach Verletzung auf die Bank verbannt

Zu Beginn der Saison war der in Leipzig geborene Adler die unumstrittene Nummer eins im Tor der Rothosen. Mit starken Vorstellungen am Ende der vergangenen Saison und vor allem in den beiden Relegationsspielen gegen den Karlsruher SC hatte er sich den Stammplatz einfach verdient. Konkurrent Jaroslav Drobny verletzte sich am Ende der letzten Saison, so dass es zum Saisonstart zu keinem richtigen Torwartduell kam.

Die ersten drei Partien in München (0:5), gegen Stuttgart (3:2) und in Köln (1:2) bestritt also Adler, bevor er sich gegen die Domstädter an der Schulter verletzte und ausfiel. Bei der Auswärtsniederlage gegen die Geißböcke sprang Hamburgs dritter Torwart Andreas Hirzel in die Bresche.

Drobny nutzt Chance und zeigt gute Leistungen

Beim darauffolgenden Auswärtssieg bei den schwächelnden Fohlen aus Mönchengladbach (3:0) stand dann der wiedergenesene Tscheche Drobny im Kasten. Fortan an war der 36-Jährige fünf Spiele lang im Tor der Rothosen gesetzt. "Dropo" wie er beim HSV genannt wird, zeigte grundsolide Leistungen. Trainer Labbadia sah keine Veranlassung Adler wieder ins Tor zu beordern. Bis gestern.

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Wenn der HSV auf einer Position gar keine Probleme, wenn nicht sogar ein Luxusproblem hat, dann auf der Torhüterposition. Mit Drobny und Adler hat Labbadia zwei erfahrene (Ex)-Nationaltorhüter in seinen Reihen. Kurios: Beide Spieler sind sogar Mitglied im Hamburger Mannschaftsrat, das dürfte auch nicht alltäglich sein.

Adler zahlt Vertrauen zurück

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Gegen sein ehemaliges Team, für das Adler 138 Bundesliga-Spiele bestritt, zeigte Adler, warum er 13 Mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft überstreifen dürfte. In der 24. Minute hielt er stark einen Kopfball aus kurzer Distanz von Kyriakos Papadopoulos, wenig später machte er eine gute Chance von Ömer Toprak zunichte und lenkte reflexartig einen Distanzschuss von Julian Brandt kurz vor der Halbzeit über die Latte. Adler hielt sein Team im Spiel und war am Samstag bester Mann beim HSV. "Für die Mannschaft war es wichtig, dass wir gegen eine Champions-League-Mannschaft kämpferisch dagegen gehalten haben, dass ich mit einem gutes Spiel dazu beitragen konnte, freut mich natürlich", so Adler gewohnt nüchtern.

Sein Trainer freute sich auf der anschließenden Pressekonferenz über die Leistung von Adler: "Er hat super gehalten. Beide Torhüter haben im Training ordentlich Gas gegeben und sich gegenseitig gepusht. Die Entscheidung war nicht einfach für mich, aber es ist als Trainer ein angenehmes Problem, wenn man zwei solch gute Torhüter in seinen Reihen hat. Letztlich haben wir uns für Rene entschieden, weil wir uns vor Beginn der Saison für ihn als Nummer eins entschieden haben und er diesen Platz nur durch eine Verletzung verloren hatte."

Labbadia begründet Entscheidung

Nachdem Adler den Interview-Marathon in der Hamburger Mixed-Zone hinter sich gebracht hatte, schlenderte er mit seinen Badelatschen Richtung Bayer-Kabine und quatschte mit seinen alten Weggefährten aus Leverkusen. Schon am Freitagabend in der Partie gegen die TSG Hoffenheim (ab 20:00 Uhr im Liveticker) wird der 30-Jährige wieder im Kasten der Rothosen stehen.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage