Köln - Die ersten 16 Spieltage sind absolviert, die Bundesligisten gehen nun in die wohlverdiente Winterpause. Für bundesliga.de hat Reiner Calmund exklusiv ein Fazit gezogen. Die Managerlegende hat seine persönliche Top 3 in fünf verschiedenen Kategorien benannt und begründet. Die eine oder andere Überraschung ist sicherlich dabei.

bundesliga.de: Herr Calmund, welche drei Vereine haben in den letzten sechs Monaten für Sie die besten Teamleistungen erbracht, also aus ihren Möglichkeiten am meisten gemacht?

Reiner Calmund: An erster Stelle steht für mich Eintracht Frankfurt: Im letzten Jahr waren die Hessen Drittletzter und sind im letzten Moment dem Teufel von der Schippe gesprungen. Sie haben Spieler für 10 Millionen Euro verkauft und nur 2,5 Millionen investiert. Trotzdem spielen sie vorne mit. Hinter der Eintracht sehe ich die TSG 1899 Hoffenheim. Auch die Hoffenheimer hatten in der letzten Saison große Probleme und waren Viertletzter. Auch sie haben ein Transferplus erwirtschaftet. Und danach kommt für mich Hertha BSC. Die Mannschaft ist wieder oben mit dabei und funktioniert als Team hervorragend.

bundesliga.de: Bei welchen drei Partien haben Sie sich am besten unterhalten gefühlt?

Calmund: Für mich ragten drei Spiele heraus. Zu nennen wären das letzte Freitagsspiel zwischen Hoffenheim und Borussia Dortmund (2:2). Begeistert war ich auch vom 4:4-Unentschieden zwischen dem FSV Mainz 05 und Hoffenheim gleich am 2. Spieltag. Und schließlich möchte ich die Partie zwischen Bayer Leverkusen und RB Leipzig (2:3) nennen, in der die Werkself 2:1 führte, kurz davor war, auf 3:1 zu erhöhen und doch noch verlor. Für den neutralen Zuschauer waren das alles sehr gute Spiele.

Video: Nagelsmann, der Unbezwingbare

bundesliga.de: Wer sind für Sie die drei größten Überraschungsmannschaften des letzten Halbjahres in der Bundesliga?

Calmund: Da würde ich mich in der Reihenfolge auf RB Leipzig, die TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt festlegen. Bei RB Leipzig stecken ein Konzept und eine Struktur dahinter. Sie haben einen klaren Plan und sicherlich auch Kapital, um die Mannschaft sehr klug aufzubauen. Es ist eine große Leistung diese Mannschaft mit den vielen jungen Spielern so weit vorne in der Tabelle zu platzieren. Damit hätte ich nicht gerechnet, das ist überraschend. Ich war mir zwar sicher, dass sie als Neuling nichts mit dem Abstieg zu tun haben würden. Aber dass sie so weit oben stehen und mit diesem Tempo und so viel Selbstvertrauen Fußball spielen, macht sie für mich zur ersten Überraschungsmannschaft. Ähnlich ist es bei Hoffenheim. Im Gesamtjahr 2016 ist Hoffenheim die viertbeste Mannschaft hinter Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Genau vor einem Jahr hielten sie noch die rote Laterne in der Hand. Frankfurt hat sich nach der Relegation berappelt und überwintert nun auf einem internationalen Platz. Das hätte man sicherlich beim besten Willen und als größer Eintracht-Fan nicht erwartet. A la Bonheur. Alle drei Vereine haben große Leistungen vollbracht.

bundesliga.de: Welche drei Spieler haben in den letzten Monaten besonders herausragende Leistungen gebracht?

Calmund: Da entscheide ich mich für Naby Keita, Emil Forsberg und Pierre-Emerick Aubameyang. Keita ist mit seinen 21 Jahren bereits der Dreh- und Angelpunkt von Leipzig. Was er spielt, ist der Wahnsinn. Er kommt aus der österreichischen Liga und kam sofort in der Bundesliga zurecht. Er sorgt für höchstes Tempo und steht bei Leipzig immer auf dem Platz. Forsberg ist eine ideale Ergänzung zu ihm. Beide sind eine große Bereicherung für die Bundesliga. Und bei Aubameyang sind seine Schnelligkeit und seine Torjägerqualitäten ja bestens bekannt. Die hat er wieder beeindruckend abgerufen. Das war große Klasse. Ich hoffe, dass Dortmund ihn noch lange halten kann und wir noch viel Freude an ihm haben werden.

bundesliga.de: Welche drei Trainer haben Sie im bisherigen Saisonverlauf am meisten beeindruckt?

Calmund: Meine Nummer 1 ist ganz klar Julian Nagelsmann. Wenn er diese Leistung mit Hoffenheim weiter bringt und die Erfolge bestätigt, stehen bei ihm bald die großen Vereine vor der Tür. Ralph Hasenhüttl hat schon in Aalen und Ingolstadt sehr erfolgreich gearbeitet. Ingolstadt hat er als Abstiegskandidat in der 2. Bundesliga übernommen, in die Bundesliga geführt und dort souverän den Klassenerhalt geschafft. Und nun hat er mit Leipzig eine überragende Hinrunde gespielt. Bei ihm sehe ich sehr viel Potenzial. Und den dritten Platz in meinem Trainer-Ranking muss ich dreimal vergeben: Die Erfolge von Peter Stöger vom 1. FC Köln, Frankfurts Niko Kovac und Herthas Pal Dardai lassen sich ja gut an der Tabelle ablesen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski