München - Beim letzten Sieg Österreichs gegen Deutschland war Toni Polster einer der gefeierten Helden. Beim 4:1-Sieg vom Oktober 1986 verwandelte der heute 49-Jährige zwei Elfmeter. Danach holte Austria noch ein Unentschieden bevor es die letzten acht Partien allesamt verlor.

Auch am Freitag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) traut der ehemalige Bundesliga-Torjäger Toni Polster (90 Tore in 181 Spielen für Köln und Mönchengladbach) seinen Landsleuten nicht so viel zu, wie er bundesliga.de im Interview verriet.

bundesliga.de: Herr Polster, am Freitag treffen Deutschland und Österreich in München in der WM-Qualifikation aufeinander. Wie schätzen Sie die Chancen der Alpenrepublik ein?

Toni Polster: Österreich ist natürlich krasser Außenseiter. Wir rechnen eigentlich nicht mit Punkten. Aber wenn wir etwas mitnehmen würden, würde es doppelt zählen. Die Mannschaft muss zeigen, ob sie gegen eine Weltklassemannschaft, die zurzeit in der Welt auf Platz 2 steht, bestehen kann. Das ist sicherlich eine Reifeprüfung, die ich mir gerne im Stadion ansehen werde.

bundesliga.de: Wie ist die Stimmung in Österreich? In der Tabelle steht Österreich auf Platz 2, Schweden wurde geschlagen. Spüren Sie etwas wie eine Aufbruchstimmung?

Polster: Die Entscheidung ist ja noch offen. Das Restprogramm ist für Österreich noch schwer. Wir müssen noch nach Deutschland und Schweden. Es wird ganz knapp und ganz eng. Ich bin nach wie vor skeptisch, aber ich würde es mir natürlich wünschen, dass wir es schaffen.

bundesliga.de: Ist Ihrer nach das Ansehen von Marcel Koller, der anfangs sehr umstritten war, gewachsen? Wird seine Arbeit respektiert oder wird er immer noch kritisch gesehen?

Polster: Ich denke, dass er ohne jeden Zweifel gute Arbeit leistet. Aber unterm Strich sollte auch wieder einmal eine Qualifikation für ein Turnier stehen. 1998, als Österreich das letzte Mal bei einer WM dabei war, ist schon lange her.

bundesliga.de: Koller setzt vor allem auf österreichische Profis aus der deutschen Bundesliga. Ist es ein Vorteil, dass die Spieler den Gegner so gut kennen?

Polster: Das ist sicherlich kein Nachteil. Es ist positiv, dass so viele Österreicher in der Bundesliga spielen.

bundesliga.de: Bei Deutschland fehlen mit Schweinsteiger, Götze, Gündogan, Podolski und anderen eine ganze Reihe wichtiger Spieler. Erhöht das die Chancen Österreichs oder spielt das eher keine Rolle?

Polster: Es könnte schon für Österreich ein kleiner Vorteil sein. Aber man muss ihn dann auch ausnutzen. Österreich hat in den letzten beiden Heimspielen nur knapp gegen Deutschland verloren, vielleicht hat uns Deutschland unterschätzt. Wir haben es aber nicht nutzen können.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt, dass sich Austria Wien für die Champions League qualifiziert hat? Wird dadurch der österreichische Fußball aufgewertet?

Polster: Ich denke schon. Das war für den österreichischen Fußball ungemein wichtig, wieder einmal nach so langer Zeit eine Mannschaft in der Champions League zu haben.

bundesliga.de: Wie intensiv verfolgen Sie noch die Bundesliga?

Polster: Natürlich sehr. Mein Ziel bleibt es, irgendwann einmal als Trainer in die Bundesliga zurückzukehren.

bundesliga.de: Wie spannend wird das Rennen um die Meisterschaft?

Polster: Ich denke, dass es ohne jeden Zweifel auf einen Zweikampf zwischen Bayern München und Borussia Dortmund hinausläuft.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski