München - Diamanten werden unter höchstem Druck geschliffen. Als Marc-Andre ter Stegen am 10. April ausgerechnet im Derby gegen den 1. FC Köln sein Bundesliga-Debüt im Kasten von Borussia Mönchengladbach gab, hätte der Druck wohl kaum größer sein können: Man schrieb immerhin schon den 29. Spieltag - und der VfL war als abgeschlagenes Schlusslicht zum Siegen verdammt.

Trotzdem schenkte Trainer Lucien Favre seinem "Rohdiamanten" das Vertrauen, machte den erst 19-Jährigen zur neuen Nummer eins der "Fohlen" - und wurde nicht enttäuscht: Im Duell mit den Domstädtern siegte man mit 5:1! In den verbleibenden sechs Saisonspielen wehrte ter Stegen mehr als 86 Prozent der Torschüsse ab und avancierte damit tendenziell zum stärksten Torhüter der Liga.

Von der "Schießbude" zum Bollwerk

Im Ergebnis mauserte sich die Borussia von der einstigen "Schießbude", die sich bereits bis zum 28. Spieltag 62 Gegentore eingefangen hatte, zu einem echten Bollwerk und spielte in den besagten sechs Begegnungen drei Mal zu Null - der Grundstein für das "Wunder vom Niederrhein". Denn in einem fulminanten Schlussspurt ergriff Mönchengladbach doch noch den finalen Strohhalm zur Rettung über die Relegation.

Auch in den beiden knappen Duellen mit dem VfL Bochum (1:0, 1:1) konnte sich der Schlussmann des U-19-DFB-Teams mehrfach auszeichnen und bestach mit - für sein Alter - bemerkenswerter Abgeklärtheit. Mit einem Schnitt von lediglich 0,5 Gegentoren pro Spiel scheint der Youngster seinen Vorgängern Christopher Heimeroth und Logan Bailly (jeweils 2,2) längst enteilt zu sein.

Neue Rolle für den "Rohdiamanten"

Dennoch muss der 1,89-Meter-Mann seine sensationelle Bilanz - die Borussia hat mit ihm nur ein einziges Spiel verloren (fünf Siege, zwei Remis) - nun natürlich erst einmal über eine volle Spielzeit als Stammkeeper untermauern, der Druck wird also nicht weniger.

"Ich freue mich darauf", sagte ter Stegen der "Rheinischen Post" - und gab sich angesichts seiner neuen Rolle ganz gelassen: "Es ist eine neue Situation, aber es fühlt sich nicht anders an als sonst."

Stefan Missy

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