Berlin - "König Otto" regiert ab sofort in Berlin: Otto Rehhagel wird Trainer von Hertha BSC und kehrt damit zwölf Jahre nach seinem Abschied in die Bundesliga zurück. Berlins Manager Michael Preetz bestätigte am Rande des 1000. Bundesligaspiels des Clubs gegen Meister Borussia Dortmund bei "Sky" die spektakuläre Verpflichtung des inzwischen 73 Jahre alten Trainers.

"Wir befinden uns in einer aktuell schwierigen Situation und sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir einen erfahrenen Trainer wie Otto Rehhagel brauchen, um unser Ziel am Ende der Saison zu erreichen. Wir haben ihn gefragt, ob er bereit wäre, uns zu helfen. Die Gespräche waren sehr angenehm", sagte Preetz vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen Meister Borussia Dortmund und ergänzte: "Er hilft gerne. Jeder der Otto Rehhagel kennt, weiß, dass er Fußball lebt, noch immer brennt und eine große Ausstrahlung besitzt."

Hertha als Herzensangelegenheit

Rehhagel soll laut Preetz am Sonntag nach Berlin kommen. Rene Tretschok und Ante Covic, Herthas Interims-Trainerduo für das Spiel gegen den BVB, wird Rehhagel bei der "alten Dame" bis zum Saisonende assistieren.

Dass er nach wie vor Lust an seinem Job verspürt, hat Rehhagel nie verheimlicht. "Ich höre nicht auf! Ich habe keine Sekunde daran gedacht, aufzuhören. Ich fühle mich fit. Ich kann mich aufregen", hatte Rehhagel nach dem WM-Vorrundenaus mit Griechenland und seinem anschließenden Rücktritt im Sommer 2010 gesagt: "Ich will meine immense Erfahrung weitergeben. Wenn die einer braucht, stehe ich zur Verfügung."

Die abstiegsbedrohten Berliner brauchen sie dringend. Hertha dürfte für Rehhagel aber vor allem eine Herzensangelegenheit sein. Nach seinem Wechsel von Rot-Weiß Essen bestritt der frühere Verteidiger vom Bundesliga-Gründungsjahr 1963 bis 1966 insgesamt 78 Spiele für den Hauptstadtclub. "Bis dahin habe ich mit meiner Mutter in kleinen Verhältnissen in Essen gelebt. Jetzt ging es hinaus in die große Welt", hatte Rehhagel einmal gesagt.

Dritter Trainer in dieser Saison

Rehhagel folgt auf Michael Skibbe, der am vergangenen Sonntag nach fünf Pleiten in fünf Pflichtspielen und nur 41 Tage nach seinem ersten Training in der Hauptstadt entlassen worden war. Im Dezember hatte sich der Hauptstadtclub bereits von Aufstiegstrainer Markus Babbel getrennt.

Rehhagel war zuletzt Nationaltrainer Griechenlands, ehe er nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 zurücktrat. Ein offizielles Karriereende gab es allerdings nie. Mit den Hellenen gewann er 2004 sensationell den EM-Titel. In der Bundesliga bringt es Rehhagel als Rekordtrainer bisher auf 820 Spiele.

Mit Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern holte Rehhagel als Trainer insgesamt drei Meisterschaften. Unvergessen sein Titel mit den Pfälzern, die er 1998 als Aufsteiger bis an die Spitze führte, ein bis heute einmaliger Durchmarsch. Zudem gewann Rehhagel mit Fortuna Düsseldorf und Bremen dreimal den DFB-Pokal. Die Hanseaten führte er 1992 zum Europapokal der Pokalsieger, dem bis heute größten Triumph in der Vereinsgeschichte.

"Das größte Comeback seit Elvis 1968"

In der Fußballbranche wird Rehhagels Rückkehr heiß diskutiert. "Das ist grandios", sagte Hoffenheims Trainer Markus Babbel, der erst am 18. Dezember vergangenen Jahres bei Hertha entlassen wurde: "Ich halte ihn für einen fantastischen Trainer. Ich habe das große Vergnügen gehabt, unter ihm trainieren zu dürfen. Ich freue mich darauf, ihn bald zu sehen."

Der ehemalige Bundesligaprofi Jan-Aage Fjörtoft twitterte aufgeregt: "Das größte Comeback seit Elvis 1968." Ohne Zweifel: Der Essener wird mit seiner charismatischen und oft eigenwilligen Art die Bundesliga bereichern.

Für die Zeit nach Rehhagel könnte die Personalie Ralf Rangnick wieder aktuell werden. Der ehemalige Schalke-Coach hatte dem Vernehmen nach den Berlinern für jetzt abgesagt, jedoch gleichzeitig seine Bereitschaft für ein Engagement ab Sommer signalisiert.