Der Prince aus Wedding auf dem Weg zum König von Ghana: Rüpel Kevin Boateng ist bei der WM in Südafrika vor dem "Endspiel" gegen Deutschland (Mi., ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) zum großen Hoffnungsträger der ghanaischen Nationalmannschaft aufgestiegen.

Der gebürtige Berliner versteht auf dem Platz zwar kein Wort, spielen und tanzen kann er jedoch schon wie ein echter Ghanaer.

"Kevin ist ein herausragender Spieler. Ghana hat viel Freude an ihm. Gegen Serbien und Australien war er fantastisch", sagte Ghanas Coach Milovan Rajevac.

Trainer nimmt Boateng in Schutz

Vor dem direkten Duell mit seinem Halbbruder Jerome am Mittwoch vor 90.000 Zuschauern im Soccer-City-Stadion von Johannesburg muss der unzähmbare und auf dem Platz stets äußerst provokante Boateng bei Rajevac aber nochmal auf die Couch.

"Wir werden ihn psychologisch auf dieses Spiel vorbereiten. Es gibt aber ohnehin keinen Grund für Deutschland, wütend auf ihn zu sein. Er hat das Foul gegen Michael Ballack ohne Absicht begangen. Das war eine große Geschichte, aber ihm gegenüber war es nicht korrekt", sagte der Serbe Rajevac. Er verteidigte damit seinen Mittelfeldspieler, der nach dem bösen Tritt gegen den DFB-Kapitän im FA-Cup-Finale zwischen Portsmouth und dem FC Chelsea in Deutschland verteufelt worden war.

Maulkorb für Boateng

Boateng hatte mit einem üblen Foul für Ballacks WM-Aus gesorgt. Damit er vor dem Finale um den Achtelfinal-Einzug bei der WM gegen den Vize-Europameister durch unbedachte Aussagen nicht noch mehr Öl ins noch lodernde Feuer gießt, hat sich Boateng drei Tage vor dem auf dem ganzen Schwarzen Kontinent mit Spannung erwarteten Showdown einen Maulkorb verpasst.

"Ich habe kein Interview-Verbot auferlegt bekommen. Ich habe einfach nichts zu sagen", sagte der 23-Jährige. Boateng war sowohl beim Sieg gegen die Serben (1:0) als auch beim Duell mit Australien (1:1) neben dem starken und bislang zwei Mal erfolgreichen Angreifer Asamoah Gyan bester Spieler der "Black Stars". Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zeigte er vor allem gegen die Aussies seine Klasse.

Mittelpunkt der "Black Stars"

Derweil warnte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff die deutschen Nationalspieler ausdrücklich vor Racheaktionen gegen Boateng. "Wir dürfen uns nicht locken lassen. Es darf auf dem Spielfeld keine Kurzschlussreaktion geben. Wir spielen nicht gegen Kevin-Prince Boateng, sondern gegen Ghana. Es wäre Energieraub, sich nur auf ihn zu konzentrieren", sagte Bierhoff.

Die Auftritte von Boateng im zentralen Mittelfeld der Ghanaer bei der WM in Südafrika waren bislang geprägt von Dominanz und Durchschlagskraft, wie sie in seiner Bundesliga-Zeit bei Hertha BSC Berlin und Borussia Dortmund nur selten zu sehen waren. Nach nur zwei WM-Spielen für Ghana ist Boateng bereits Dreh- und Angelpunkt im Team von Rajevac. "Wir sind froh, dass wir ihn in der Mannschaft haben. Er ist ganz schnell ein wichtiger Teil des Teams geworden", sagte Stoßstürmer Gyan.

"Wir gewinnen 2:0 gegen Deutschland"

Gemeinsam mit Isaac Vorsah und Prince Tagoe (beide Hoffenheim) sowie Hans Sarpei (Bayer Leverkusen) bildet der Neu-Ghanaer Boateng beim WM-Achtelfinalisten von 2006 die deutsche Achse. "Natürlich werde ich mit ihnen vor dem Spiel gegen Deutschland sprechen, denn sie haben ja schon oft gegen sie gespielt", sagte Rajevac, der gegen die DFB-Auswahl in der Innenverteidigung vor allem auf die Rückkehr Vorsahs (Knieprobleme) hofft: "Es wäre wichtig, wenn er gegen Deutschland spielen kann."

Das sieht auch der ehemalige Bundesliga-Star Anthony Yeboah so. Der ehemalige Frankfurter Profi glaubt, dass die WM-Endrunde in Südafrika für die deutsche Nationalmannschaft nach dem Duell mit seinen ghanaischen Landsleuten beendet sein wird. "Wir haben die deutsche Mentalität in unserem Team. Das wird uns sehr helfen. Wir gewinnen 2:0 gegen Deutschland. Und dann wird es sicher ein großes Fest in Ghana geben. Die Regierung würde jedem Ghanaer zwei Tage Urlaub geben", sagte Yeboah dem SID.