Gelsenkirchen - Da stand er nach Spielende in den Katakomben jenes Stadions, das bis vor knapp vier Wochen noch seine Heimstätte war, und lächelte leicht gequält. Dabei beschäftigte Felix Magath die 0:1-Niederlage gegen seinen Ex-Club wohl weniger als die Zukunft seines aktuellen Arbeitgebers.

"Natürlich wird der VfL Wolfsburg auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen", diktierte der Trainer den Journalisten trotzig in die Blöcke, "und zwar eine bessere Rolle."

"Jetzt zählen keine Schönheitspreise mehr"

Dass dies nach den bisherigen Saisonleistungen nicht allzu schwierig würde, ist auch dem neutralen Beobachter klar. Dass der Club indes erst einmal den Abstieg vermeiden muss und dies noch ein hartes Stück Arbeit wird, weiß auch der Trainer. Und so ließ Magath wenig später auch die Fassade des Daueroptimisten fallen und redete nach dem fünften Spiel ohne Sieg in Serie und der ersten Niederlage unter seiner Regie Klartext.

"Jetzt zählen keine Schönheitspreise mehr, sondern nur Effektivität. Entweder ist die Mannschaft den Abstiegskampf nicht gewohnt und hat dadurch Hemmungen. Oder der ein oder andere Spieler hat nicht begriffen, was es heißt: Abstiegskampf oder absteigen!"

In der Offensive harmlos

Zu lethargisch, zu statisch, zu leidenschaftslos und zu mutlos war der VfL Wolfsburg gegen Schalke aufgetreten. Die Offensivbemühungen blieben insgesamt ebenso blass wie Spielmacher Diego wirkungslos. Magaths Abkehr von der Mittelfeldraute hin zu einem "Tannenbaumsystem" mit Grafite als einziger Spitze erzielte nicht die erhoffte Effizienz. "Wir waren zu harmlos und haben nicht genug Druck ausgeübt", gestand auch Magath ein.

Wolfsburgs Spiel blieb zu oft berechenbar, was auch Schalkes Benedikt Höwedes bei bundesliga.de bestätigte: "Wir haben sehr viele Bälle schon im Ansatz gelesen, entsprechend reagiert und damit gefährliche Angriffe der Wolfsburger im Ansatz vereitelt."

Die Meinung, der VfL habe "ein ordentliches Spiel" gemacht, hatte Diego relativ exklusiv für sich. Seine Mitspieler fanden klarere Worte. "Uns fehlte die Durchschlagskraft", monierte Sascha Riether. Marcel Schäfer vermisste am Ende die letzte Konsequenz, "um uns gegen die Niederlage zu stemmen".

"Situation immer dramatischer"

Der Mannschaftskapitän wird in den nächsten Tagen ebenso wie der Trainer Überzeugungsarbeit leisten müssen, um jedem aus dem "Wölfe-Rudel" den Ernst der Lage vor Augen zu führen. "Die Situation wird immer dramatischer", mahnte Schäfer, "wir müssen jetzt im Endspurt noch eine Schippe drauf legen".

Noch verharrt die zweitschlechteste Mannschaft der Rückrunde auf dem Relegationsplatz - punktgleich mit dem Vorletzten FC St. Pauli. Und genau jener Club kommt am Samstag nach Wolfsburg. Für dieses echte Abstiegsendspiel braucht es all das, was Magath einfordert: Kampf, Effektivität und Mut. Spielerisches Können und individuelle Klasse allein werden künftig nicht mehr weiterhelfen, weiß auch Marcel Schäfer: "Qualität ist, wenn wir endlich unser Potenzial abrufen!"


Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte