Köln - "Die Macht des Sports - was macht der Sport mit uns?", ist der Titel einer Veranstaltungsreihe im Eintracht Frankfurt Museum. Mit Blick auf den Profisport sollen am Beispiel von prominenten Fällen auch die Schattenseiten des Leistungssports aufgezeigt, negative Lebenserfahrungen dargestellt, Lösungswege aufgezeigt und Suchtprävention geleistet werden. Die Deutsche Fußball Liga DFL unterstützt dieses Vorhaben im Rahmen ihres "Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur" (PFiFF) mit 22.260 Euro.

Im Vorfeld der vierten Diskussionsrunde des Präventionsprojekts überreichte Andreas Rettig am 14. Januar den Scheck an das Team des Eintracht Frankfurt Museum. "Fußball hat eine gesellschaftliche Vorbildfunktion. Dieser Verantwortung müssen sich alle Beteiligten bewusst sein. Deshalb sind diese Veranstaltungen so wichtig", betonte Rettig die Bedeutung des Projekts.

Teresa Enke und Ronald Reng zu Gast

"Depressionen: Wenn Sport auf die Seele drückt", war das Thema der Gesprächsrunde. Zu Gast waren Dr. Thomas Götz, Leiter der Abteilung Psychiatrie des Gesundheitsamtes Frankfurt, Teresa Enke, Witwe des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke und Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung sowie Ronald Reng, Sportjournalist, enger Freund von Robert Enke und Autor der Enke-Biographie "Ein allzu kurzes Leben". Jan Christian Müller von der Frankfurter Rundschau führte als Moderator durch den Abend.

Zunächst informierte Dr. Thomas Götz die Zuhörer mit einer wissenschaftliche Einführung zum Thema Depressionen, bevor Teresa Enke und Ronald Reng sehr persönlich über das Leben von Robert Enke sprachen: Wie Jupp Heynckes Enke bei Benfica Lissabon unter seine Fittiche nahm und damit mithalf, die Zeit in Portugal zur schönsten seiner Karriere zu machen. Wie sein sportliches Scheitern beim FC Barcelona eine klinische Depression auslöste und wie er sich aus diesem Tal dank psychiatrischer Behandlung wieder herauskämpfte. Und die wohl für immer ungeklärte Frage, was Enkes Rückfall in die Depression und damit seinen Suizid am 10. November 2009 ausgelöst haben könnte.

"Ich will, dass so etwas nicht noch einmal passiert"

Man merkt Teresa Enke an, dass es ihr immer noch schwer fällt, über den Tod ihres Mannes zu sprechen. "Ich will, dass so etwas nicht noch einmal passiert", fasste sie ihre Motivation zusammen. Teil ihrer Arbeit mit der Robert-Enke-Stiftung ist die Aufklärung über Depressionen.

Thomas Schneider, Leiter Fanangelegenheiten der DFL, freute sich über den Erfolg der Veranstaltung. "Es ist toll, wie viele Leute heute zu diesem Thema hier sind", sagte er mit Blick auf die prall gefüllten Zuschauerreihen im Eintracht Frankfurt Museum. "PFiFF ist dafür da, eine Kultur des Hinschauens, des Mitfühlens, des Mitverantwortlichseins zu fördern", erklärte Schneider die Unterstützung der DFL. Ziele, die Teresa Enke und Ronald Reng durch ihren einfühlsamen Vortrag ohne jeden Zweifel erreichten.

Florian Reinecke

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