Bundesliga

Stöger: "Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie es jedem Gegner schwer machen kann"

bundesliga.de: Für Yannick Gehrhardt gab es ein Angebot vom VfL Wolfsburg...

Stöger: ...und er wollte sich verändern. Also haben wir uns seriös damit auseinandergesetzt und schließlich zugestimmt. Andere, wie Hector, Bittencourt und Modeste, wollten aber bleiben. Dass Jörg Schmadtke sogar mit ihnen verlängern konnte, zeigt die Stabilität im Club. Man muss sehen, dass es sich um ganz verschiedene Spieler-Profile handelt. Bittencourt ist noch ein sehr junger, Modeste ein schon erfahrener Spieler. Und Hector ist ein Spieler im besten Fußballer-Alter, der nach der EM in Frankreich viele Möglichkeiten hatte. Dass alle drei sich für eine Vertragsverlängerung entschieden haben, zeigt, dass sie offensichtlich glauben, dass der Weg des Clubs richtig ist. Sie fühlen sich hier beim FC und in der Stadt sehr wohl und gut aufgehoben. Und das beruhigt uns sehr.

bundesliga.de: Man hat nie das Gefühl, als könnte Sie in diesem Geschäft überhaupt etwas aus der Ruhe bringen. Stimmt dieser Eindruck?

Stöger: Wir haben knapp 40 Spiele im Jahr, an denen die Spieler, aber auch der Trainer gemessen werden. Und wir haben ungefähr 300 Tage, an denen wir trainieren. Diese 300 Tage sind für mich besonders wichtig. Ich komme jeden Tag gerne in mein Büro und arbeite gerne mit den Spielern auf dem Platz. Und im Idealfall spüren die Spieler, dass sie die gemeinsame Arbeit ein Stück weiterbringt. Zumindest aber sollte niemand das Gefühl haben, dass die gemeinsame Zeit eine verlorene Zeit ist. Die Arbeit soll Spaß machen. Wem das im Fußball-Geschäft nicht gelingt, der macht irgendetwas falsch. So verstehe ich meine Arbeit.

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bundesliga.de: Ein sehr zurückgenommenes Selbstverständnis...

Stöger: Ich versuche, mich nicht wichtiger zu nehmen, als ich bin. Ich denke auch nicht negativ. Aber wenn man 50 ist, hat man gesehen, welche Situationen sich für Trainer und Spieler ergeben können. Man weiß, dass man zu einem etwaigen Erfolg etwas beigetragen hat, dass man aber gewiss nicht sagen kann, dieser Erfolg sei zu einhundert Prozent Trainerarbeit. Andererseits ist auch klar, dass ein Misserfolg nicht alleine der Trainerarbeit zuzuschreiben ist. Ich versuche einfach, jeden einzelnen Tag zu genießen und wir wollen mit unserem Trainerteam den Jungs das Beste vermitteln, das wir geben können. Irgendwann wird auch wieder einmal eine schwierige Situation kommen. Dann muss man schauen, ob man das gemeinsam aushält. Was mich sehr beruhigt ist, dass hier sehr strategisch und in einem größeren Zeitrahmen gedacht wird. Ich kann mich auf die tägliche Arbeit konzentrieren und denke nicht daran, was vielleicht in ein, zwei Jahren sein mag. Das mag entspannt wirken, ändert aber nichts daran, dass der Fußball und die Arbeit im Fußball immer eine sehr große Wertigkeit für mich haben werden. Und ich bin sehr glücklich, dass ich dieser Arbeit nun schon länger auch in Deutschland, in einer großartigen Liga mit fantastischen Stadien, nachgehen darf.

Das Gespräch führte Andreas Kötter