Dortmund - Kann der BVB auch ohne Nuri Sahin eine herausragende Saison spielen? Für Trainer Jürgen Klopp stellt sich diese Frage gar nicht: "Wir sind personell sogar stärker aufgestellt als in der letzten Saison!"

Es sind einige Spieler, die den Deutschen Meister in diesem Sommer verlassen haben. Mit Dede ging ein Stück schwarz-gelbes Herzblut, mit Markus Feulner ein Spieler, "dem ich leider nicht immer gerecht werden konnte", wie Jürgen Klopp jetzt noch einmal bemerkte. Beide aber waren eher Ergänzungsspieler. Sportlich richtig schwer wiegt hingegen der Wechsel von Nuri Sahin, dem Gehirn und Motor der Meisterelf, der nun für Real Madrid kickt.

"Drucksituation ist größer geworden"

Geht der Deutsche Meister also schweren Zeiten entgegen? Jürgen Klopp zuckt bei dieser Frage fast gelangweilt mit den Schultern und gibt sich ausgesprochen optimistisch. "Ich habe trotzdem das Gefühl, dass wir personell stärker aufgestellt sind, weil die Drucksituation im Kader größer geworden ist. Wer beim BVB künftig spielen will, muss außergewöhnlichen Einsatz und Leistungsbereitschaft zeigen", machte der Meister-Trainer klar.

Für den Druck auf die erprobte Meistermannschaft sollen die fünf Neuzugänge sorgen, die Borussia Dortmund zum Trainingsauftakt präsentierte. Fünf Spieler, "mit denen es uns wieder einmal nicht gelungen ist, den Altersdurchschnitt anzuheben", wie Sportdirektor Michael Zorc schmunzelnd bemerkte. Moritz Leitner, zuletzt an den FC Augsburg ausgeliehen, ist zarte 18 Jahre jung, Chris Löwe (Chemnitzer FC) 22 Jahre und Marvin Bakalorz 21 Jahre alt.

Gündogan hat Gänsehaut

Allen voran aber ruhen die Hoffnungen auf Ivan Perisic (22, FC Brügge) und Ilkay Gündogan (20, 1. FC Nürnberg). Letzterer machte bei sich mit Blick auf die imposante Heimkulisse in Dortmund schon jetzt "Gänsehaut" aus und hat auch vor dem Vergleich mit Nuri Sahin keine Angst: "Das darf mich nicht interessieren. Ich werde versuchen, mein Spiel durchzusetzen und meinen Charakter in die Mannschaft einzubringen."

Einen guten Eindruck hinterließ auch Ivan Perisic - und das, ohne einmal vor den Ball getreten zu haben. Denn der Kroate präsentierte sich ebenfalls schon am ersten Trainingstag in Dortmund, obwohl ihm als Nationalspieler eigentlich noch bis zum Sonntag Urlaub zugestanden hätte. "So kann ich mich besser einleben und meine Mitspieler schneller kennenlernen", ließ der Mittelfeldspieler Tatendrang sprechen - sehr zur Freude seines Trainers.

Klopp setzt auf taktische Flexibilität

Ob Borussia Dortmund auch nach Sahins Wechsel am "meisterlichen" 4-2-3-1-System festhält, wollte Jürgen Klopp so noch nicht bestätigen. "Wir haben vorher schon mit einer flachen Viererkette im Mittelfeld und auch mit einer Raute gespielt, so festgelegt sind wir da nicht. Und personell haben wir jetzt viele Möglichkeiten, auch systematische Dinge zu verändern."

Trainieren, hart arbeiten und testen, heißt die Devise beim BVB in den nächsten Wochen bis zum Saisonstart. "Dann gucken wir, was für uns möglich ist. Und das ziehen wir am Limit durch", kündigte Klopp an.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

Hier geht's zum großen Saisonrückblick 2010/11