Der Hamburger SV ist wieder oben dran! Nach der Galavorstellung in Nürnberg und dem emotionalen Sieg im Nordderby gegen Bremen überwintern die Hanseaten auf Platz 4 - nur vier Punkte von der Tabellenspitze entfernt.

Trotz einer schier endlos erscheinenden Liste von verletzten Leistungsträgern ist es Bruno Labbadia gelungen, seine Mannschaft in den rauen Bundesliga-Gewässern auf Kurs zu halten. Entsprechend gelöst und entspannt gibt sich der HSV-Trainer im Interview mit bundesliga.de.

Labbadia spricht über den versöhnlichen Jahresausklang und den wichtigen Derby-Sieg. Er schaut zurück auf seine ersten sechs Monate als Trainer der Elbstädter und wagt bereits einen Ausblick auf eine straff durchgezogene Rückrunde.

bundesliga.de: Herr Labbadia, der HSV hat die Hinrunde mit zwei Siegen beendet und ist wieder dran an der Spitze. Mit wie viel Selbstvertrauen gehen Sie und die Mannschaft in die Pause?

Bruno Labbadia: Natürlich ist so ein Abschluss sehr wichtig für das Selbstvertrauen. Es ist super, dass wir uns mit einem Sieg von unseren Fans verabschieden konnten. Zudem auch noch gegen Werder Bremen. Ein Sieg in so einem emotionsgeladenen Derby ist einfach klasse. Ich persönlich habe es sogar geschafft, nach dem Sieg gegen Bremen die Seele baumeln zu lassen. Auch die Fahrt am nächsten Tag zum Stadion war schöner als sonst.

bundesliga.de: Dieses turbulente Nordderby konnte der HSV trotz Unterzahl für sich entscheiden. Worauf waren Sie in diesem Spiel besonders stolz?

Labbadia: Die Mannschaft hat sich grundsätzlich ein Kompliment verdient. Sie hat einfach einen erstklassigen Charakter. Das hat auch die Partie gegen Werder gezeigt. Und ich denke, man hat gesehen, dass von Anfang an der Wille zu sehen war, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Natürlich war es durch die Unterzahl nicht einfach, doch wir hatten dennoch unsere Möglichkeiten. Das war einfach klasse.

bundesliga.de: Sie sind jetzt seit rund einem halben Jahr Trainer in Hamburg. Wie würden Sie Ihre Arbeit und die der Mannschaft bewerten?

Labbadia: Zunächst ist es sicher so, dass es ein sehr intensives halbes Jahr war. Es hat aber unheimlich viel Spaß gemacht, mit allen Beteiligten gemeinsam zu arbeiten. Ich denke, wir haben eine sehr gute Hinrunde gespielt. Ein Makel ist sicher das Aus im DFB-Pokal, da waren wir nicht verantwortungsvoll genug. Doch wir stehen in der Tabelle auf dem 4. Platz, haben Tuchfühlung nach ganz oben und sind auch in der Europa League noch mit im Rennen. Positiv überrascht war ich zudem, wie schnell die Mannschaft unsere neue Spielart angenommen und umgesetzt hat. Unser Ziel ist, dass wir uns nicht nach dem Gegner richten. Ich denke, wir können behaupten, dass wir es geschafft haben, unser Spiel durchzuziehen.

bundesliga.de: Der HSV glich zeitweise einem Lazarett. Und doch zeichnete sich die Mannschaft durch Ruhe und Geschlossenheit aus. Ist Ihr Team an und in dieser schwierigen Zeit gewachsen?

Labbadia: Es war und ist wahrlich keine einfache Situation. Doch wir können sie nicht ändern, deshalb haben wir auch niemals lamentiert. Durch die vielen Ausfälle haben andere Spieler ihre Chance bekommen und sie genutzt. Da ist sicher Tomas Rincon zu nennen, der sich nie aufgegeben hat und jetzt dafür belohnt wird. Aber auch ein junger Spieler wie Tunay Torun, der in den letzten Wochen nochmal einen richtigen Schritt nach vorne gemacht hat.

bundesliga.de: Nur vier Punkte trennen den HSV von Platz 1. Ist der Platz an der Sonne in der Rückrunde ein Thema für Sie?

Labbadia: Wir müssen sehr sorgsam mit unserer Situation umgehen. Viele glauben, dass unsere Verletzten alle sofort zum Rückrundenstart wieder dabei sind. Das ist jedoch nicht so. Zudem sind mit Guy Demel und Jonathan Pitroipa zwei Spieler beim Afrika-Cup im Einsatz. Normalerweise hätte ich kein Problem damit, hohe Ziele auszugeben. Der Anspruch des HSV muss es sein, permanent unter die ersten drei Mannschaften zu kommen.

bundesliga.de: Vor einem Jahr hatten Sie als Trainer von Leverkusen sogar einen Punkt mehr zum "Bergfest" auf dem Konto und sogar einen Punkt weniger Rückstand auf die Spitze. Wie hilfreich sind Ihnen heute die Erfahrungen, die Sie dann in der durchwachsenen Rückrunde gemacht haben?

Labbadia: Natürlich macht man seine Erfahrungen und ich versuche stets, neue Dinge in meine Arbeit mit meinem Trainerteam mitzunehmen. Klar ist aber auch, dass man solche Dinge und Situationen nicht miteinander vergleichen kann. Leverkusen war Leverkusen, jetzt bin ich Trainer beim HSV.

bundesliga.de: Die Winterpause fällt in diesem Jahr sehr kurz aus. Zudem wird die Rückrunde an 17 aufeinander folgenden Wochenenden ausgetragen. Das wird sicher kräfteraubend. Werden Sie die Vorbereitung entsprechend ausrichten?

Labbadia: Natürlich saßen wir zusammen und haben uns Gedanken gemacht, wie die Vorbereitung aussehen soll. Auch für die Winterpause haben die Spieler Trainingspläne erhalten, damit sie am 2. Januar erholt und fit wieder loslegen können. Dann werden wir für ein paar Tage nach Belek in die Türkei ins Trainingslager reisen und uns dort bestens vorbereiten. Ich bin absolut davon überzeugt, dass die Mannschaft trotz der vielen Spiele kräftemäßig keine Probleme bekommen wird.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz