München - Die Bundesliga und der deutsche Fußball sind in aller Munde. 72 Spieler aus der Bundesliga und fünf aus der 2. Bundesliga (Spielerkarussell) sind oder waren bei der Weltmeisterschaft in Brasilien im Einsatz. Dabei sticht ein Club besonders heraus: Der Deutsche Meister FC Bayern München. Kein anderer Club setzt bei der WM - auch im internationalen Vergleich - derartige Maßstäbe.

Acht Spieler des Rekordmeisters kamen bei dem WM-Halbfinalspielen zum Einsatz. Mit Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jerome Boateng, Toni Kroos, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger sechs in der deutschen Mannschaft, die durch Dante (Brasilien) und Arjen Robben (Niederlande) komplettiert wurden. Zudem stand beim DFB-Team noch Mario Götze im Kader.

Keiner lässt sich auf die Schultern klopfen

Ein häufiges Bild: Bayern-Spieler jubeln

Mit bisher insgesamt 17 Treffern schossen sie mehr Tore als alle anderen Club-Vertreter – die Treffer von Mario Mandzukic (Kroatien/2), Xherdan Shaqiri Schweiz/3) und Julian Green (USA/1) eingerechnet.

bundesliga.de hat mit Bayerns Clublegende Paul Breitner (62) über die Gründe der Dominanz gesprochen. "Es geht darum, zu verinnerlichen, möglichst oft einen optimalen Job zu machen", sagt der Weltmeister von 1974 und Europameister von 1972. "Die deutsche Mannschaft sticht wohltuend aus allen 32 WM-Teams heraus, indem sie sich auch nicht nach Siegen wie dem über Brasilien auf die Schultern klopfen lässt und sich zurücklehnt“, meint der 48-malige deutsche Nationalspieler.

Die Bundesliga setzt Zeichen

"Der Bayern-Block tut der Nationalmannschaft gut", so der "Markenbotschafter" Breitner. "Beim FC Bayern dominiert die Einstellung, jedes Spiel und jeden Titel gewinnen zu wollen. Auch die deutsche Mannschaft hat gezeigt, dass sie weiß, worauf es ankommt, auch an schlechteren Tagen", betont Breitner.

Zum bisherigen deutschen Auftreten trug auch der gestiegene Stellenwert der Bundesliga insgesamt bei. Der deutsche Fußball setze Zeichen. Breitner sieht dabei die "Mia san mia"-Mentalität im deutschen WM-Team durchschimmern.

Als Individualist Teil einer überdurchschnittlichen Mannschaft

"Es geht nicht nur um Teamgeist. Sondern darum, auf seiner Position der Beste sein zu wollen - und die individuelle Stärke ins Team einzubringen." Das zeige auch das Beispiel des Bayern-Spielers Arjen Robben bei den Niederlanden oder das des Schweizers Xherdan Shaqiri.

"Du musst den Willen haben, aus Dir selbst etwas machen zu wollen, dann kannst du Teil einer überdurchschnittlichen Mannschaft werden", sagt der fünfmalige Deutsche Meister Paul Breitner. Zum Kreis der deutschen Führungsspieler zählt auch der Dortmunder Mats Hummels als Schüsselspieler der deutschen Abwehr. 

Im Finale: Egal wie, nur gewinnen

"Nennen wir das Führungsstärke oder Entscheidungs-Intelligenz. Es geht im entscheidenden Moment darum, die Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen", sagt Breitner. Für das Finale, das die deutsche Nationalmannschaft am kommenden Sonntag gegen Argentinien spielt, hat Breitner übrigens einen sehr pragmatischen Wunsch.

"Egal wie, auch knapp und weniger schön als gegen Brasilien, ich will gewinnen“, sagt der Europapokalsieger der Landesmeister von 1974. Wenn das deutsche Team seine Konzentration behalte, stünden die Chancen gut, am Sonntag den vierten WM-Titel zu feiern. Spätestens dann wären die Bundesliga und der deutsche Fußball wieder in aller Munde.

Oliver Trust