Paderborn - Die Schmunzette zum Spiel des SC Paderborn gegen FC Bayern München gelang zwei jungen Fans des SCP auf der Fahrt zum Stadion in einem Linienbus. "Was tippst Du heute?", sagte der eine. "4:1", antwortete der andere, woraufhin der erste entgegnete: "Für wen?"

Zweifel über den Sieger im Duell David gegen Goliath waren dann auch in der Tat so unrealistisch wie die Entdeckung eines Pinguins am Nordpol. Dennoch fiel das 0:6 (Spielbericht) des Neulings zu hoch aus und war am Ende sicher zu großen Teilen dem umstrittenen Platzverweis für Florian Hartherz in der 62. Minute geschuldet.

"Der Elfmeter war ein Knacks"

"Bis dahin haben wir sehr diszipliniert verteidigt und sogar durch Elias Kachunga die Chance zum 1:2 gehabt. Der Elfmeter zum 0:3 war dann ein Knacks. Natürlich war er nicht spielentscheidend, denn dafür ist der FC Bayern einfach zu dominant. Aber wir konnten so das Ergebnis nicht mehr im Rahmen halten. In Unterzahl haben die Münchener mit ihrer Kombinationssicherheit, der Ballzirkulation und der Spielöffnung demonstriert, dass sie derzeit die beste Mannschaft der Welt sind. Dieser Zug war von uns nach der roten Karte einfach nicht mehr aufzuhalten", sagte Trainer André Breitenreiter (weitere Stimmen).

Einer, der dabei mit unter die Räder geriet, ist Patrick Ziegler. Der 25-jährige Defensivspieler, der in Gräfelfing am westlichen Stadtrand von München geboren wurde, stand für ein paar Fragen zur Verfügung.

Frage: Herr Ziegler, wie tief sitzt der Stachel des 0:6?

Patrick Ziegler: Klar bin ich im Moment sauer und enttäuscht. Aber warum soll ich mich lange grämen. Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft verloren.

"Die Bayern haben oft nicht weiter gewusst"

Frage: Gab es dafür eine Hauptursache?

Patrick Ziegler: Für die Höhe sicherlich der Platzverweis gegen Florian. Den Elfmeter kann man geben, aber die rote Karte war ein Witz. Damit wurde es für uns unheimlich schwer. Gefühlt waren wir ja schon vorher einer weniger, nun also quasi zwei. Wir hatten keine Chance mehr, die Gegenspieler zu doppeln. Zuvor ist uns das eigentlich ganz gut gelungen und da haben die Bayern auch oft nicht mehr weiter gewusst.

Frage: Da hatten die Münchener in der Tat nur zwei Chancen, diese allerdings auch beide verwertet. Machen Sie sich beim 0:1 einen Vorwurf?

Patrick Ziegler: Da ist mir leider ein leichter Fehler unterlaufen. Dies wird von solchen Superstars natürlich sofort bestraft. Der Lupfer von Robben auf Lewandowski war wirklich große klasse. Da erkennt man den Unterschied zu anderen Bundesliga-Spielern.

"Das war so etwas wie ein Bonus-Spiel"

Frage:War das 0:6 ein Rückschlag im Kampf gegen den Abstieg?

Patrick Ziegler:Nein, denn die Begegnung mit dem FC Bayern ist ja so etwas wie ein Bonus-Spiel. Gegen die werden die anderen da unten auch verlieren.

Frage:Die beiden nächsten Aufgaben werden für den SCP aber auch nicht viel leichter...

Patrick Ziegler: Sicher, mit Mönchengladbach und Leverkusen warten noch zwei Top-Teams auf uns. Aber wir werden alles reinhauen und wir wissen, dass wir gegen jeden außer dem FC Bayern bestehen können. In der Hinrunde hat Leverkusen gegen uns erst in der letzten Minute das 2:2 geschafft und die Gladbacher mussten auch bis zum Abpfiff um ihren 2:1-Erfolg bei uns bangen.

Münchens Trainer Pep Guardiola meinte am Ende der Pressekonferenz dann auch, er sei sich durch die Eindrücke des Spiels ganz sicher, dass der SC Paderborn den Klassenerhalt schafft. "Kann ich das bitte sofort unterschreiben?", reagierte Kollege Breitenreiter spontan. Er weiß, dass dieser Weg beschwerlich bleibt.

Aus Paderborn berichtet Thomas Schulz