Köln - Im exklusiven Interview mit bundesliga.de wirft Trainerlegende Ottmar Hitzfeld bereits einen Blick auf die Rückrunde. Der ehemalige Coach des FC Bayern München und von Borussia Dortmund spricht über den Titelkampf und seine Akteure. Er verrät, was er vom Rekordmeister erwartet, warum er dem BVB noch den direkten Einzug in die Champions League zutraut und aus welchen Gründen RB Leipzig nicht einbrechen wird.

bundesliga.de: Herr Hitzfeld, glauben Sie, dass der FC Bayern vorne wegmarschieren wird? Oder wird es eher eng an der Tabellenspitze bleiben?

Ottmar Hitzfeld: Von den ersten fünf Spieltagen im neuen Jahr bestreiten die Bayern vier auf fremdem Boden und die Leipziger drei von vier Spielen vor heimischem Publikum. Dementsprechend denke ich, dass es noch ein paar Wochen eng bleiben wird. Dennoch werden die Bayern an der Spitze bleiben, weil die gesamte Qualität einfach größer ist als in Leipzig. Nun startet der FC Bayern als klarer Favorit. Carlo Ancelotti hat seine Wunschformation im Hinterkopf. In der Hinrunde hat er viel experimentiert und rotiert. Deswegen bin ich überzeugt, dass seine Mannschaft nun souveräner und dominanter auftreten wird.

bundesliga.de: Wird RB Leipzig trotzdem weiter für Furore sorgen?

Hitzfeld: Leipzig sehe ich in dieser Saison als einzigen Konkurrenten für den FC Bayern. Die anderen Mannschaften sind einfach zu weit weg. Und ich gehe davon aus, dass Leipzig kein zweites Hoffenheim wird. Dafür scheint mir dieses Team zu stabil zu sein und zu viel Substanz zu haben. Ralph Hasenhüttl hat viele Perspektivspieler zur Verfügung. Die Erfahrung spielt auch eine große Rolle und es wird interessant, zu beobachten, wie Leipzig nach zwei oder drei Niederlagen reagiert. Das ist eine Unbekannte. Aber mit den drei Heimspielen haben sie gute Voraussetzungen, um wieder sofort in Tritt zu kommen.

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bundesliga.de: Kann Borussia Dortmund zumindest noch Leipzig von Platz zwei verdrängen?

Hitzfeld: Ich traue dem BVB ganz klar zu, die direkte Qualifikation für die Champions League zu schaffen, also einen Platz auf dem Podium. Das muss auch das Ziel sein. Die Borussia hat die Erwartungen in der Bundesliga bisher nicht erfüllt. Zwar gab es viele Verletzte zu beklagen, aber trotzdem ist der Kader breit genug aufgestellt, um diese Verletzungen zu kompensieren. Mehrere Spiele wurden einfach unnötig verloren. Dortmund sehe ich als einzigen Konkurrenten für Leipzig.

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bundesliga.de: Die bisherigen Überraschungsteams sind Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und die TSG 1899 Hoffenheim. Wem trauen Sie am meisten zu, am Saisonende den vierten Platz zu erreichen?

Hitzfeld: Erst einmal haben diese Mannschaften seit Anfang dieser Saison am oberen Limit gespielt. Es ist nicht zu erwarten, dass sie erneut eine überragende Runde spielen. Aber ich sehe die Eintracht am stärksten - durch das Umfeld, die Mannschaft und die Optionen im Angriff. Auch Niko Kovac leistet eine tolle Arbeit.

bundesliga.de: Können Vereine wie Bayer 04 Leverkusen, FC Schalke 04, VfL Wolfsburg oder Borussia Mönchengladbach nochmal voll angreifen und am Ende unter den ersten Vier landen?

Hitzfeld: All diese Mannschaften stehen nach einer schwachen Hinrunde enorm unter Druck. Falls sie erneut einen Rückschlag erleiden, wird es schwer, um die europäischen Plätze mitzuspielen. Sie haben keinen großen Kredit. Sie können es sich nicht mehr erlauben, zu verlieren. Es wird insofern unglaublich schwierig, Top-Leistungen abzurufen. Wenn ich aber einer Elf zutraue, wieder aufzustehen, dann würde ich auf Leverkusen tippen. Denn das Umfeld ist dort ruhiger und das ist bei Schalke nicht unbedingt der Fall. Wolfsburg und Mönchengladbach sind dagegen zu weit weg.

Das Gespräch führte Alexis Menuge