Köln - Die Bundesliga-Hinrunde ist nun gelaufen - Zeit für eine Bilanz (die Bundesliga-Clubs im großen Hinrunden-Check). Im Interview mit bundesliga.de erklärt Ottmar Hitzfeld, welche Teams ihn bisher begeistert haben. Er analysiert außerdem die Entwicklung des FC Bayern sowie die Auferstehung von Borussia Dortmund und spricht über das Rennen um den Klassenerhalt.

bundesliga.de: Herr Hitzfeld, von welchen Mannschaften sind Sie bei diesen ersten 17 Spieltagen vor allem positiv überrascht worden?

Ottmar Hitzfeld: An erster Stelle von beiden Aufsteigern, die sich sehr gut verkauft haben. Sowohl der FC Ingolstadt als auch Darmstadt 98 sind für mich eine Bereicherung für die Bundesliga. Als Außenseiter haben sie sich sehr gut und sehr schnell an die Bundesliga gewöhnt. Es ist bestimmt eine Art Motivation für die anderen Zweitligisten, die ja merken, dass was in der obersten Etage möglich ist. Das ist auch wichtig, dort ein Zeichen zu setzen. Sie haben sich tapfer verkauft.

"Bayern hat die stärkste Ersatzbank in Europa"

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Fazit über die Hinrunde des Herbstmeisters FC Bayern München?

Hitzfeld: Bayern ist genauso so stark wie in der vergangenen Saison. Klar hat Pep Guardiola sehr viele verletzte Spieler gehabt, aber die Substanz im Kader ist unglaublich groß. Insofern kann er problemlos mit verletzten Spielern umgehen. Auch wenn vier oder fünf wichtige Spieler fehlen, hat man das Gefühl, dass die Mannschaft komplett ist, sobald man die Elf liest. Der FC Bayern hat meiner Meinung nach die stärkste Ersatzbank nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.

bundesliga.de: Was halten Sie von den Neuzugängen Douglas Costa und Kingsley Coman?

Hitzfeld:Mit Douglas Costa und Kingsley Coman haben die Münchner fantastische Möglichkeiten auf den Flügeln. Sie haben die lange Ausfallzeit von Franck Ribéry und Arjen Robben toll kompensiert. Beide sind Senkrechtstarter. Sie haben eindeutig die Erwartungen übertroffen. Vor dieser Saison kannte beide Spieler kein Mensch in Deutschland. Jetzt kennt sie jeder. Technisch sind sie hervorragend. Sie sind ebenfalls schnell und trickreich. Unter Guardiola lernen sie auch noch zu kombinieren und mannschaftsdienlicher zu sein.

"Die Borussia ist unberechenbarer"

bundesliga.de: Sind Sie überrascht, dass Borussia Dortmund nach einer schweren Spielzeit 2014/15 wieder Bayerns ärgster Verfolger ist?

Hitzfeld: Nein, denn das hatte ich bereits vor der Saison erwartet. Wenn Bayern einen Konkurrenten hat, dann ist es Borussia Dortmund! Thomas Tuchel hat der Mannschaft eine neue Spiel-Philosophie gegeben. Sein System besteht nicht nur aus vollem Angriff. Er legt Wert auf Ballbesitz, die Mannschaft lauert auf Chancen und geht nicht immer hohes Tempo. Unter seiner Regie spielt der BVB ökonomischer und intelligenter als in den letzten Jahren. Mit Tuchel ist die Borussia flexibler und dementsprechend unberechenbarer.

"Die Angst spielt mit"

bundesliga.de: Ist der VfL Wolfsburg die große Enttäuschung in dieser Hinrunde?

Hitzfeld: Kann man so sehen, vor allem weil die Wolfsburger viele unnötige Punkte liegen lassen haben und besonders auf fremden Boden keine gute Figur abgegeben haben. Diese Mannschaft scheint noch nicht so stabil zu sein wie sie sein könnte, denn es steckt zweifelsohne viel Potenzial im Kader.

bundesliga.de: Was sagen Sie zum Abstiegskampf?

Hitzfeld:Es ist wie bereits in den letzten Jahren sehr eng. Bei vielen Teams spielt die Angst mit. Der VfB Stuttgart, Werder Bremen, sowie Hannover 96 oder die TSG Hoffenheim kommen schwer mit dieser Situation klar. Es ist noch vieles offen. Es ist mehr Spannung unten in der Tabelle als an der Spitze.

Das Interview führte Alexis Menuge