Mönchengladbach - Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews widmet sich Fohlen-Verteidiger Oscar Wendt gemeinsam mit bundesliga.de  seiner nach Fußball und Familie dritten Leidenschaft: herausragende TV-Serien. Er beweist, dass er davon beinahe ebenso viel versteht wie vom Fußball.

bundesliga.de: Neben der Familie und dem Fußball haben Sie eine dritte große Leidenschaft, TV-Serien...

Wendt: Das stimmt. Allerdings komme ich zuhause wegen meiner Tochter nur noch selten dazu Serien zu schauen, weil es mir wichtiger mit ihr zu spielen. 99 Prozent meiner Zeit sind für meine Tochter reserviert, ein Prozent für meine Frau (lacht). Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf unser Sommer-Trainingslager am Tegernsee. Dort kann meiner Serien-Leidenschaft frönen.

" 'Game of Thrones' ist ein Massenphänomen"

bundesliga.de: Welche Serie steht aktuell auf Ihrer To Do-Liste?

Wendt: Zuletzt habe ich mich mit der dritten Staffel von "House of Cards" beschäftigt, der US-Polit-Serie mit Kevin Spacey und Robin Wright. Spacey ist ein fantastischer Schauspieler, und dasselbe gilt auch für Wright, deren Gesicht beinahe aussieht wie das einer antiken Götterstatue. Leider bin ich mit dieser Staffel bereits durch. Im Trainingslager werde ich mich daher der fünften Staffel von "Game of Thrones" widmen.

bundesliga.de: Ebenfalls eine Top-Serie...

Wendt: Absolut. Und fast schon ein Massenphänomen. Das stört mich aber nicht, und auch von negativen Kritiken lasse ich mich nicht beeinflussen. Lieber bilde ich mir meine eigene Meinung. Meine einzige Sorge bei "Game of Thrones" ist, dass es sehr viele Handlungsstränge und Hauptcharaktere gibt, die irgendwie wieder zusammengeführt werden müssen. Das könnte für die Macher ein großes Problem werden.

"McConaughey spielt, als ginge es um sein Leben"

bundesliga.de: Wenn Sie eine Serie auf eine einsame Insel mitnehmen dürften, welche wäre das?

Wendt: Nur eine?! Das wird schwierig! Die besten Serien kommen in der Regel von HBO (Anm.d.Red.: amerikanischer Pay-TV-Sender, der selbst Serien wie "Game of Thrones" entwickelt). Wahrscheinlich würde ich mich am Ende für die Mafia-Serie "Die Sopranos" entscheiden. Halt, vielleicht doch eher für "Band of Brothers", eine Serie, die das Schicksal einer US-Einheit im 2. Weltkrieg in Europa erzählt. Und auch "The Wire" ist hervorragend. Die Autoren haben anhand der Stadt Baltimore beinahe dokumentationsartig unsere Gesellschaft gleichsam seziert und analysiert. Jede Staffel widmet sich einem anderen Teilaspekt der Gesellschaft, wie Schule, Medien oder Justiz. Aber okay, wenn ich wirklich nur eine Serie nehmen dürfte, dann wäre das wohl "Die Sopranos". Oder doch "Band of Brothers" (lacht)?

bundesliga.de: Ein absolutes Highlight des vergangenen Jahres haben Sie nicht genannt, "True Detective"...

Wendt: "True Detective"! Oh là là, das ist wirklich ein schweres Versäumnis. "True Detective" ist eine der besten Serien in langer Zeit. Die Dialoge sind fantastisch, stellenweise grenzt das an Existenzphilosophie. Es wird spannend sein zu beobachten, ob die Macher es schaffen, mit der zweiten Staffel, die nichts mit der ersten abgeschlossenen zu tun hat und eine völlig unabhängige Handlung erzählt, daran anzuknüpfen. Und für die beiden Hauptfiguren der zweiten Staffel, Colin Farrell und Vince Vaughn, dürfte es sehr schwer werden, die oscarreifen Performances von Matthew McConaughey und Woody Harrelson auch nur annähernd zu erreichen. Matthew McConaughey spielt so intensiv, als ginge es um sein Leben. Wahnsinn!

"Keine Längen, dafür aber Tiefe"

bundesliga.de: Was macht aus einer guten eine fantastische TV-Serie?

Wendt: Die Geschichte muss bis ins kleinste Detail durchkomponiert sein, es darf keine Längen, muss aber Tiefe geben. "True Detective" ist dafür das herausragende Beispiel: nur eine Staffel mit acht Folgen à einer Stunde. Das macht acht Stunden allerbeste Unterhaltung, die beinahe ohne Action auskommt. Der Action werden gerade einmal ein paar Minuten eingeräumt. Eine Serie wie "True Detective" braucht für die Suspense, die Spannung keine Action. Vielmehr entsteht die Spannung auch durch die beeindruckende, intensive Atmosphäre, die aufgebaut wird. Die speist sich aus dem Miteinander der schwül-heißen, bisweilen verrottet und verfault anmutenden Landschaft von Louisiana, des Titelsongs und der hervorragenden Leistungen der Schauspieler noch in den kleineren und kleinsten Rollen. So entsteht ein Meisterwerk. All das macht den Unterschied aus zu einer Serie wie etwa "Breaking Bad", die von vielen als die beste Serie aller Zeiten bezeichnet wird. Mir hat "Breaking Bad" zwar auch gefallen. Aber bis zu "Die Sopranos", "Band of Brothers" oder eben "True Detective" ist es doch noch einmal ein Riesenschritt.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Hier geht's zu Teil 1 des Interviews: Wendt über M'gladbachs Chancen auf Platz 3...