Die Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) bietet neben dem Sport jede Menge Randgeschichten. bundesliga.de präsentiert diese täglich in den WM-Splittern:

++++ Ein Fan der Niederlande ist in Malawi bei seiner Anreise zur WM verstorben. Der 60-Jährige, der mit einer 100-köpfigen Reisegruppe nach Südafrika unterwegs war, ertrank im Malawisee. Er hatte offenbar die Warnungen vor der starken Strömung ignoriert.

"Er wurde nach seinem Ertrinken am Mittwoch gefunden", teilte ein Sprecher der malawischen Polizei mit: "Wir untersuchen derzeit die genauen Umstände, die zu seinem Tod geführt haben könnten."

Die niederländischen Fans waren am 3. April mit 22 Autos Richtung Südafrika aufgebrochen. Während des Turniers werden sie in Andenken an den Verstorbenen Trauerflor über dem Oranje-Trikot tragen. ++++

++++ Der japanische Mittelfeldspieler Makoto Hasebe vom VfL Wolfsburg bangt um seinen Einsatz im WM-Gruppenspiel am kommenden Montag gegen Kamerun. Der 26-Jährige brach am Montag wegen Hüftproblemen das Training ab und wurde zu Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. "Die Schmerzen waren einfach zu stark", sagte Verbandssprecherin Kazutake Nishizawa.

Hasebe hatte die Verletzung am Freitag in der Schweiz beim Länderspiel gegen die Elfenbeinküste (0:2) erlitten. Definitiv ausfallen wird Verteidiger Yasuyuki Konno, der an einer Knieverletzung laboriert. In den weiteren Gruppenspielen trifft Japan auf die Niederlande und Dänemark. ++++

++++ Fünf Tage vor dem WM-Auftaktspiel gegen Südkorea diskutiert ganz Griechenland über einen "Hooligan-Priester". Der Geistliche wurde von der Orthodoxen Kirche degradiert, weil er bei Spielen seines Lieblingsvereins PAOK Saloniki in vollem Ornat gegen das gegnerische Team gepöbelt hatte. Videos der Szenen waren im Internet aufgetaucht.

"Papa PAOK", wie der Mann mit dem Namen Christos genannt wird, wurde aufgefordert, sich in Zukunft nicht mehr "öffentlich ungebührlich zu verhalten". PAOK-Fans gründeten aus Protest eine Unterstützergruppe beim Internetportal Facebook, die kurz darauf bereits 7500 Mitglieder zählte. ++++

++++ Deutschlands Auftaktgegner Australien befindet sich nach der Abreise von Ersatztorhüter Brad Jones im Schockzustand. "Fußball ist für jeden von uns plötzlich völlig unwichtig. Das gilt sogar für eine WM", sagte Kapitän Lucas Neill am Montag. Jones war wegen einer Leukämie-Erkrankung seines vierjährigen Sohnes unvermittelt aus dem WM-Quartier in Muldersdrift nach Hause aufgebrochen.

"Wir betrachten uns hier als eine Familie. Diese Nachricht war daher eine Katastrophe. Das hat uns alle hart getroffen", sagte Neill. Der Stürmer erklärte zudem, die Botschaft habe das Team beim Testspiel gegen die USA (1:3) am Samstag massiv abgelenkt.

Die "Socceroos" wollen Jones nun Zeit für eine Entscheidung über seine WM-Teilnahme geben. Am Montag gab die FIFA bereits einem Antrag des Verbandes auf Nachnominierung "wegen der besonderen Umstände" statt. Als erster Kandidat für den Platz im Kader gilt Eugene Galekovic von Adelaide United, der nach seiner Nichtberücksichtigung für das endgültige Aufgebot ohnehin in Südafrika geblieben war. ++++

++++ Die serbische Nationalmannschaft hat vor ihrem Abflug zur WM nach Südafrika himmlischen Beistand gesucht. Die Mannschaft von Trainer Radomir Antic, in der Gruppe D am 18. Juni in Port Elizabeth zweiter Gegner der deutschen Elf, besuchte am Montag in Belgrad den Tempel des Heiligen Sava, die größte aktive orthodoxe Kirche der Welt, und holte sich Unterstützung für ihre WM-Mission.

Entsprechend zuversichtlich stiegen Marko Pantelic und Co. in den Flieger über München nach Johannesburg. "Wenn die WM beginnt, werden wir bereit sein", sagte der ehemalige Herthaner eingedenk der Probleme der "Weißen Adler" in der Vorbereitung. Angreifer Nikola Zigic ergänzte: "Wir sind gut vorbereitet und ich bin sicher, dass wir das im ersten Spiel gegen Ghana am Sonntag zeigen werden. Ich verspreche den Fans, dass wir ihnen keine Schande machen werden." ++++

++++ Der Fußball-Weltverband FIFA lehnt jede Verantwortung für die Massenpanik beim WM-Test zwischen Nigeria und Nordkorea ab. "Die FIFA und das Organisationskomitee wünschen allen Opfern eine schnelle Genesung, weisen aber darauf hin, dass dieses Spiel in keinerlei Verbindung zur Organisation der WM 2010 stand. Für die WM bleiben wir voller Zuversicht", hieß es in einer Pressemitteilung.

Bei der Begegnung im Makhulong-Stadion im Norden von Johannesburg waren am Sonntag mindestens 15 Personen verletzt worden, als Fans versuchten, die vom Sicherheitspersonal bereits geschlossenen Tore zu durchbrechen. Ein Polizist erlitt schwere Verletzungen.

Vorwürfe, die FIFA habe mit der Verteilung von Gratis-Eintrittskarten zu dem Unglück beigetragen, wies der Weltverband zurück: "Die FIFA hatte mit dem Ticketing für dieses Spiel nichts zu tun." ++++

++++ Die ghanaische Nationalmannschaft, dritter und letzter deutscher Gruppengegner bei der WM, ist am Montagmorgen in Südafrika eingetroffen. Anschließend bezogen die "Black Stars" ihr Quartier in Pretoria. Die Mannschaft von Trainer Milovan Rajevac wurde nach ihrem Flug von London über Deutschland nach Johannesburg vor Ort begeistert empfangen.

Rajevac betonte in einer kurzen Stellungnahme, dass er sehr erleichtert über den guten Gesundheitszustand seiner Mannschaft sei, die bei der Endrunde allerdings ohne ihren verletzten Superstar Michael Essien auskommen muss. Auch der wichtige Offensivspieler Sulley Muntari ist angeschlagen, sein Einsatz im WM-Auftaktspiel der Ghanaer gegen Serbien am Sonntag in Pretoria noch ungewiss.

Ghana wohnt während des Turniers im Rhoode Valley Lodge Hotel in Pretoria. Bei ihrer Ankunft auf dem Tambo International Airport in Johannesburg wurden Rajevac und seine 23 Spieler von Kofi Nsiah, Generalsekretär des Ghanaischen Fußballverbandes (GFA), empfangen. ++++

++++ Lothar Matthäus prophezeiht Gastgeber Südafrika bei der WM eine sportliche Pleite. "Südafrika wird die schwächste Mannschaft des Turniers sein", sagte der deutsche Rekordnationalspieler auf der Internetseite des Weltverbandes FIFA. "Sie haben einen guten Trainer, aber den Spielern fehlt die nötige Qualität. Ich wünsche ihnen, dass sie die Vorrunde überstehen, aber das wird ganz schwer."

Abgesehen von "Bafana Bafana" sieht Matthäus aber durchaus Qualität auf dem Schwarzen Kontinent: "Die anderen afrikanischen Mannschaften haben Spieler, die in den wichtigsten Ligen Europas spielen. Ich erwarte, dass ein afrikanisches Team das Halbfinale erreicht."

Die deutsche Nationalmannschaft zählt für den Weltfußballer von 1990 und 1991 nicht zu den WM-Favoriten. "Uns fehlt die individuelle Qualität, die den Unterschied macht. Dennoch flößt Deutschland den Gegnern immer Respekt ein. Das Viertelfinale ist Pflicht. Danach wird man sehen", sagte er. Der Ausfall von Kapitän Michael Ballack kann nach Ansicht von Matthäus "einen positiven Impuls geben, auf der anderen Seite wird die Hierarchie durcheinandergebracht." ++++

++++ Weltmeister Italien hat für den erneuten Titelgewinn hohe Prämien ausgelobt. Jeder Spieler würde 240.000 Euro erhalten, denselben Betrag, der schon 2006 für den Titel in Deutschland gezahlt wurde. Für den zweiten Platz würde das Team von Trainer Marcello Lippi mit 130.000 Euro belohnt, der dritte Platz ist dem nationalen Verband FIGC 30.000 Euro pro Spieler wert.

Doch die hohen Prämien sorgen im Land des Weltmeisters für Empörung. Ein Minister der Regierung Berlusconi, Roberto Calderoli, verlangt vom italienischen Verband FIGC, die Zahlungen drastisch zu kürzen. Die Spieler rief der Spitzenpolitiker der Partei Lega Nord auf, freiwillig auf ihre WM-Prämien zu verzichten.

Angesichts eines 24 Milliarden Euro umfassenden Sparpakets, das die Regierung Italien auferlegt habe, sei dies ungehörig, die "Squadra Azzurra" müsse ein gutes Beispiel abgeben, forderte Calderoli. Der Minister attackierte auch Champions-League-Sieger Inter Mailand. "Es gibt Vereine, die Spieler im Ausland kaufen, keine Talente fördern, Trainern Dutzende Millionen Euro zahlen. Das ist nicht der Moment dafür", sagte Calderoli.

Kapitän Fabio Cannavaro reagierte empört. "Die Wahrheit ist, dass wir ein lächerliches Land sind", sagte der Weltfußballer von 2006. Auch Torhüter Gianluigi Buffon zeigte kein Verständnis für die Aufregung. "Wenn Calderoli mir genau sagt, wo mein Geld landet, könnte ich auch mit der Kürzung einverstanden sein. Ich begreife aber nicht, warum uns Politiker vor der Weltmeisterschaft häufig so angreifen", sagte der viermalige Welttorhüter. ++++