Bayer Leverkusen hat jetzt 14 Siege, elf Unentschieden und zwei Niederlagen auf dem Konto
Bayer Leverkusen hat jetzt 14 Siege, elf Unentschieden und zwei Niederlagen auf dem Konto
Bundesliga

Optimismus ist Trumpf

Chance verpasst, Saisonziel noch im Blick - Bayer Leverkusen versucht es nach der Pleite beim BVB mit Zweckoptimismus. "Wir sind nach dem Rückschlag gegen Nürnberg zurückgekommen", meint Stefan Kießling, "warum nicht auch jetzt?"

Es war die 63. Minute im Signal-Iduna-Park, die Spielern, Fans und Verantwortlichen schmerzhaft in den Ohren geklungen haben dürfte. 0:2 lag die Bayer-Elf zurück, zwei Barrios-Tore hatten den BVB auf die Siegstraße gebracht. Und da war er wieder, jener Schmähgesang aus tausenden Kehlen: "Ihr werdet nie Deutscher Meister!"

Nur ein Sieg aus den letzten fünf Spielen

Leverkusen hat die Steilvorlage nicht nutzen können, die die Bayern nur wenige Stunden zuvor mit ihrer Niederlage geboten hatten. Statt die Tabellenspitze wieder zu übernehmen, leistete sich die Elf von Jupp Heynckes in Dortmund die zweite Saisonniederlage. Für Bayer steht damit nur ein Sieg aus den letzten fünf Spielen zu Buche, der einstige Souverän dieser Saison schwächelt.

Dabei hatte vor dem Spiel beim BVB noch Optimismus geherrscht. "Wir sind eine junge Mannschaft und wir dürfen auch mal Fehler machen. Wichtig ist es, eine neue Serie zu starten", hatte Eren Derdiyok bei bundesliga.de die Richtung vorgegeben.

Bayer fehlt die Kaltschnäuzigkeit

Doch statt dem Erfolg über den HSV einen weiteren Sieg folgen zu lassen, sucht man nun nach Gründen für die neue Niederlage. Die liegen zumindest mit Blick auf die erste Halbzeit in Dortmund auf der Hand. "Da haben wir klar dominiert und unsere Chancen gehabt, sie aber nicht genutzt", ärgerte sich Kießling. Die Kaltblütigkeit vor dem Tor, die Bayer noch eine Woche zuvor gegen Hamburg ausgezeichnet hatte, fehlte diesmal schlicht.

Was geblieben ist, sind die individuellen Fehler im Defensivverhalten. René Adler wirkte diesmal zwar souverän, dafür aber patzten seine Vorderleute und luden den BVB zum Toreschießen ein. "Da müssen wir uns ganz klar an die eigene Nase fassen", schimpfte Manuel Friedrich.

Nach dem Gegentor "komplett den Faden verloren"

Immerhin: Spielerisch gab die Bayer-Elf zumindest phasenweise auch in Dortmund den Ton an. Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Flanken, mehr Ecken, sogar eine bessere Zweikampfbilanz - fast überall hatte Leverkusen statistisch die Nase vorn. Taktisch und technisch war der Auftritt zumindest eine Halbzeit lang einmal mehr ein Musterbeispiel für guten Offensivfußball.

Dass sie nichts Zählbares daraus machten, ist das eine Problem. Dass Bayer nach dem ersten Gegentor aber regelrecht einbrach und nur noch wenig Gegenwehr leistete, ist ein anderes Thema. "Da haben wir komplett den Faden verloren und waren kollektiv schlecht", bekannte Tranquillo Barnetta. In dieser Situation fehlte jemand, der das Spiel in die Hand und die Mitspieler an die Hand nahm. So musste auch Heynckes eingestehen: "Wir hatten nicht mehr die Überzeugung, das Spiel noch zu drehen."

Gipfeltreffen gegen Schalke steht an

Wiederholt sich Geschichte also doch? Wird Bayer einmal mehr seinem Ruf gerecht, erschreckend schön und am Ende doch erschreckend erfolglos zu spielen? Mannschaft und Trainer winken ab. "Wir stürzen jetzt nicht ein", ist sich Kießling sicher, dass die Nerven diesmal halten. Und auch Heynckes empfiehlt, "zur Tagesordnung überzugehen".

Raum für Zweifel wollen sie in Leverkusen erst gar nicht aufkommen lassen, viel mehr Taten sprechen lassen. Am Samstag steht das Gipfeltreffen gegen Schalke an. Mit einem Sieg würde Bayer die "Knappen" überholen und wäre wieder Tabellenzweiter. Mindestens.

Dietmar Nolte