Dortmund - BVB-Star Shinji Kagawa hat sich im Halbfinalspiel um den Asien-Cup 2011 gegen Südkorea einen Bruch des fünften Mittelfußknochens im rechten Fuß zugezogen.

Das ergab die eingehende Untersuchung von Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun am Donnerstagabend in der BG Unfallklinik Duisburg. Eine Operation sei erforderlich. Kagawa wird erst zur neuen Saison wieder einsatzfähig sein.

Kagawa "sehr traurig"

Von Doha in Katar über Zürich war Shinji Kagawa am späten Nachmittag am Düsseldorfer Flughafen gelandet und von Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun empfangen worden. "Er ist traurig", übersetzte Dolmetscher Jumpei Yamamori den wartenden Journalisten: "Er sagt, er hat sich mit dieser Situation noch nicht zurechtgefunden."

"Es gibt zwar Abstufungen bei dieser Art von Verletzung", hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstagmittag gesagt, "aber mir ist kein Fall bekannt, wo dies unter drei Monaten abging. Das bedeutet, dass das Saisonende zu schnell kommt, wir aber jetzt auch die Zeit haben, die absolut perfekte Lösung für Shinji zu finden." Die Gesundheit des Spielers steht im Mittelpunkt aller Überlegungen.

Der Meister des Dribblings

Für die "Schwarz-Gelben" stellt das dauerhafte Fehlen Kagawas möglicherweise ein ernsthaftes Problem dar. Zwar kamen die Borussen beim 3:1 in Leverkusen auch ohne den Mittelfeldspieler hervorragend in die Rückrunde, doch schon beim mageren 1:1 gegen den VfB Stuttgart fehlte er an allen Ecken und Enden.

Kein Wunder, schaut man sich die Zahlen des Emporkömmlings einmal genauer an: In der Hinrunde kam Kagawa beim BVB nicht nur in allen 17 Partien zum Einsatz, er stand auch immer in der Startelf. Zusammen mit Lucas Barrios ist er mit acht Ligatreffern torgefährlichster Borusse. Zudem wirbelte Kagawa so effektiv wie kein anderer seiner Teamkameraden: Er ging in der Hinrunde am zweithäufigsten ins Dribbling (44 Mal) und gewann die meisten Dribblings aller Dortmunder (23).

Dass es im BVB-Spiel zuletzt an Effektivität mangelte, beweisen die Zahlen aus dem Stuttgart-Spiel: Dem VfB genügten acht Schüsse für einen Treffer, die Borussia brauchte 18 für die gleiche Ausbeute. Erschwerend kam hinzu, dass Lucas Barrios gegen die Schwaben ebenfalls nicht im Einsatz war.

Viele Chancen, nur ein Treffer

Sein Stellvertreter Robert Lewandowski war zwar - was Torschüsse, Torschussvorlagen und Ballkontakte angeht - gegen den VfB aktiver als Barrios an den ersten 18 Spieltagen, konnte daraus aber keinen Profit schlagen. Vier Mal kam der polnische Stürmer zum Abschluss, vergab dabei aber teilweise klare Einschussmöglichkeiten.

Das Erstaunliche: Abgesehen von Schussgenauigkeit und Chancenverwertung war der BVB in den Schlüsselkategorien gegen den VfB sogar besser als in den 18 vorherigen Spielen. Es wurden überdurchschnittlich viele Schüsse (18) abgegeben und weniger gegnerische Torschüsse (8) zugelassen als zuvor. Außerdem waren im Dortmunder Spiel auch Passgenauigkeit, Flankengenauigkeit, Ballbesitz und Zweikampfquote gegen den VfB jeweils deutlich höher als in den vorherigen 18 Partien.

Götze springt in die Bresche

Fehlen werden dem BVB aber Kagawas Vorlagen: Der kleine Wirbelwind bereitete in der Hinrunde zwar nur einen Treffer direkt vor, allerdings waren 22 Torschussvorlagen der dritthöchste Wert bei den "Schwarz-Gelben". Zu den zweikampfstärksten Borussen gehört Kagawa jedoch nicht - ganz im Gegenteil: Er gewann nur 38,1 Prozent seiner Duelle, was war den schwächsten Wert beim Herbstmeister darstellt.

Und in Punkto Effektivität könnte bereits ein Stellvertreter gefunden worden sein: Youngster Mario Götze füllte die Rolle hinter den Spitzen mehr als ordentlich aus und traf sowohl gegen Leverkusen als auch den BVB. Der Schock nach Kagawas Verletzung wird den Dortmundern noch länger in den Knochen stecken - doch bange sein muss der Mannschaft von Jürgen Klopp nicht.

Johannes Fischer