Hamburg - Nach den Siegen in Nürnberg und Frankfurt war Borussia Mönchengladbach trotz der 2:3-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart nach einer 2:0-Führung durchaus optimistisch nach Hamburg gereist.

Das "Endspiel im Abstiegskampf" beim FC St. Pauli sollte für die "Fohlen" der Aufgalopp zu einer Aufholjagd in der Bundesliga werden. Doch daraus wurde nichts.

Frontzeck muss gehen

Gladbach verlor erneut trotz 1:0-Führung noch mit 1:3 und zog die Konsequenz nach den Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten St. Pauli und Stuttgart - Trainer Michael Frontzeck musste am Sonntag seinen Stuhl räumen.

"Wir halten die Klasse", hatte Neuzugang Mike Hanke noch vor der Partie beim FC St. Pauli versprochen, doch nach der 14. Saisonniederlage schlichen die Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine. Nach Reden war niemandem zu Mute. Die Angst vor dem Abstieg geht um.

Viele Gründe für das schlechte Abschneiden

Was aber sind die Gründe für den Niedergang des fünfmaligen deutschen Meisters, der in 22 Partien gerade einmal 16 Punkte einsammeln konnte?

"Wir müssen natürlich auch mal ein Heimspiel gewinnen", sah Frontzeck nach der Partie in der Heimschwäche der Mannschaft, die vor eigenem Publikum in dieser Saison noch keinen Sieg landen konnte und lediglich drei Remis schaffte, einen Grund für den schlechten Tabellenplatz.

Außerdem verzweifelte der 46-Jährige an der mangelnden Konzentration über 90 Minuten: "Wir hatten zwei Mal das Spiel vor der Brust", sprach er die Führungen gegen die Abstiegskonkurrenten Stuttgart und St. Pauli an: "Und beide Male geben wir die Punkte leichtfertig ab." Diese Unkonzentriertheiten spiegelt auch das Torverhältnis wieder. Mit 56 Gegentreffern sind die Borussen die Schießbude der Liga.

Siebter Feldverweis der Saison

Neben mangelnder Konzentration lässt auch die Disziplin zu wünschen übrig. Der Feldverweis des Torschützen Igor de Camargo hatte zur Folge, dass die Borussia bereits zum siebten Mal in der Saison ein Spiel in Unterzahl zu Ende spielen mussten.

"Ich bin der Meinung, dass keine Berührung vorlag und daher die Rote Karte nicht berechtigt war, aber Fakt ist: Igor hatte da nichts zu suchen. Da muss man weggehen und eventuell das zweite Tor machen. So stelle ich mir das vor", warf der Frontzeck dem Angreifer "eine total falsche und überflüssige Reaktion" vor.

Eberl vermisst "Jetzt-Erst-Recht-Gefühl"

Die Feldverweise ließ Sportdirektor Max Eberl nicht als Entschuldigung gelten: "Wir sind schon mal abgestiegen, da hatten wir die ganze Saison über keine Rote Karte. Da hat man uns für Weicheier gehalten."

"Die Mannschaft hat ihr möglichstes getan. Wir haben den Kampf angenommen", wollte Eberl nicht auf die Spieler einhauen. Auch wenn dem Sportdirektor "das Jetzt-Erst-Recht-Gefühl fehlt".

Angst ums Selbstvertrauen

Und der 37-Jährige befürchtete, dass die Pleite auf St. Pauli nicht spurlos an der Mannschaft vorübergehen wird: "Wir sind mit sechs Punkten und einer unglücklichen Niederlage gegen Leverkusen in die Rückrunde gestartet. Gegen die Abstiegsrivalen Stuttgart und St. Pauli konnten wir nicht nachlegen. Da geht natürlich ein Stück weit das Selbstvertrauen verloren."

Eine Trainer-Diskussion wollte Eberl direkt nach dem Spiel noch nicht führen. Stattdessen fiel die Entscheidung, Frontzeck zu entlassen, am Sonntag.

Nachfolge noch offen

Den Abstiegskampf müssen die "Fohlen" nun ohne ihren Trainer bestreiten. "Wir hätten uns alle sehr gewünscht, die gesteckten Ziele gemeinsam mit Michael Frontzeck zu erreichen. Nach den jüngsten Ergebnissen haben wir uns aber entschieden, den Trainer zu wechseln", erklärte Bonhof.

Wer die Gladbacher nun doch noch zum Klassenerhalt führen soll, steht noch nicht fest. Bei sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz wird dies aber wahrlich keine leichte Aufgabe.

Jürgen Blöhs