Wer auf die Tabelle der Bundesliga blickt, könnte meinen, Eintracht Frankfurt sei schlecht in die Saison gestartet. Bei zwei Punkten aus drei Spielen liegt diese Vermutung nahe.

Saisonübergreifend gewannen die Hessen nur eine ihrer vergangenen elf Bundesligapartien und mussten in diesem Zeitraum sieben Niederlagen einstecken. Hinzu kommt, dass sie in diesen elf Spielen nie ohne Gegentreffer blieben und damit ligaweit am längsten auf ein "Zu-Null-Spiel" warten.

Wer jedoch die absolvierten Partien der Hessen in der neuen Spielzeit genau betrachtet, der muss den Saisonstart differenzierter bewerten. Nach dem zugegebenermaßen dürftigen Auftritt am 1. Spieltag gegen Hertha BSC (0:2) holte die Elf von Trainer Friedhelm Funkel in den folgenden beiden schweren Auswärtsspielen die ersten Punkte.

Die harte Vorbereitung macht sich bezahlt

Bei den vor der Saison mit reichlich namhaften Akteuren ausgestatteten Clubs aus Köln (1:1) und Wolfsburg (2:2) nahmen die Frankfurter trotz Rückstands jeweils noch etwas Zählbares mit. Dabei können sie getrost als Mannschaft der 2. Halbzeit bezeichnet werden.

In beiden Partien netzte die Funkel-Elf jeweils in der Schlussviertelstunde ein und holte damit noch zwei Punkte. Darüber hinaus ist es bisher keinem Team gelungen, Eintracht-Keeper Oka Nikolov in der letzten halben Stunde zu überwinden. Die harte Vorbereitung von Funkel macht sich anscheinend bezahlt. "Wir müssen uns als Team steigern, daran arbeiten wir und ich bin sicher, dass sich alsbald auch überraschende Punktgewinne einstellen werden", gab Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen im Interview mit bundesliga.de die Marschroute vor.

Nimmermüde Hessen

Ein weiterer Faktor, der für die Stärke der Hessen spricht, ist ihre Zweikampfstärke. Stolze 54 Prozent ihrer Duelle konnten die Kicker vom Main für sich entscheiden. Das ist der beste Wert aller Bundesligisten zu diesem Zeitpunkt. Wenn die Profis des Karlsruher SC am Freitag in der Commerzbank-Arena gastieren, sollten sie gewarnt sein.

Interessant wird folglich das Aufeinandertreffern mit dem KSC, für den Abwehrspieler Tim Sebastian - mit ausgewiesenen 83 Prozent gewonnener Duelle am Ball der ligaweit beste Zweikämpfer - seinen Dienst verrichtet. Verzichten müssen die Fans allerdings auf das Duell des Manndeckers gegen den Kapitän und Sturmführer der Eintracht, Ioannis Amanatidis.

Schwerwiegender Ausfall

Der griechische Nationalstürmer fällt nach seinem im Spiel gegen Wolfsburg erlittenen Muskelbündelriss noch einige Wochen aus. Bitter für die Hessen. Ist der Angreifer doch in den vergangenen sieben Partien vier Mal erfolgreich gewesen und stand dazu in den 32 Spielen zuletzt immer auf dem Platz.

Neben Amanatidis hat die Eintracht weitere Ausfälle in der Offensive zu beklagen. Der in dieser Woche zum Fußballer des Jahres in Österreich gekürte Ümit Korkmaz fällt nach seinem Mittelfußbruch noch längere Zeit aus.

Offensivproblem

Nachdem Stürmer Marcel Heller kürzlich zum Zweitligisten MSV Duisburg ausgeliehen wurde, stehen Trainer Funkel im Angriff nur noch Nikos Liberopoulos und Martin Fenin sowie der gerade genesene Benjamin Köhler zur Verfügung.

"In der Tat haben wir zurzeit ausgesprochen großes Verletzungspech. Doch im Oktober, glaube ich, werden wir wieder eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Feld haben. Insgesamt ist unser Kader so ausgeglichen, dass wir auch eine große Zahl von Verletzten kompensieren können", sieht Bruchhagen im Interview mit bundesliga.de die Situation entspannt. Vielleicht kehrt diese Schlagkraft schon gegen den KSC zurück. Betrachtet man die vergangenen Heimauftritte, wäre es auf jeden Fall an der Zeit.

Nur ein Sieg aus sechs Heimspielen

Mit nur einem Sieg aus den vergangenen sechs Heimspielen steht die Eintracht gegen die Badener daher unter Zugzwang. Der KSC wiederum kommt mit der "Empfehlung" von 2:12 Toren aus den vergangen drei Auswärtsspielen, die allesamt verloren gingen.

Der gemeine Beobachter darf also gespannt sein, wie sich die Tabelle nach dem Spiel lesen lässt.

Florian Bruchhäuser