Nach dem 2:0-Sieg im Länderspiel gegen Südafrika stellte sich Michael Ballack den Fragen der Medien.

Dabei äußerte sich der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft vor allem zu Mesut Özil, aber auch zu neuen taktischen Varianten und Miroslav Klose.

Frage: Glückwunsch zum 2:0-Sieg gegen Südafrika. Mehr Laufbereitschaft, bessere Spielkombinationen, eine ganz klare Leistungssteigerung der Mannschaft. Wie fällt Ihr Urteil aus?

Michael Ballack: Das ist richtig. Das war die Steigerung, die wir auch gebraucht haben. Die Mannschaft hat frischer gewirkt, in ihren Aktionen ein bisschen sicherer und gefestigter. Nach vorne hatten wir einige sehr gute Aktionen. Die Tore waren sehr gut herausgespielt. Hin und wieder gab es etwas Leerlauf. Aber das ist in einem Freundschaftsspiel normal. Trotzdem waren die Südafrikaner teilweise auch gefährlich. Da müssen wir uns auch defensiv etwas steigern. Aber im Verbund hat das schon ganz gut ausgesehen. Wir haben auch taktisch ein bisschen anders gespielt, wie wir es schon gegen stärkere Mannschaften praktiziert haben. Mit drei Mann im zentralen Mittelfeld und defensiv ein bisschen kompakter. Es sah ganz gut aus. Trotzdem haben wir noch viel Arbeit vor uns.

Frage: Wie haben Sie Mesut Özil gesehen?

Ballack: Er war beweglich, er ist gut drauf. Das sieht man. Er spielt unbekümmert. Das hat der Mannschaft gut getan. Er war immer anspielbereit und hat ein Tor gemacht. Das war ein guter Auftritt.

Frage: Ihnen liegt das System mit einer Anspielstation direkt hinter den Spitzen?

Ballack: Ja, ich habe das schon immer betont. Schon als ich in Leverkusen gespielt habe, später bei Bayern München. Mir liegt es, wenn vor mir noch eine typische Nummer 10 als Anspieler agiert. Ein kleinerer Spieler, der wendig ist, der die Bälle hält, der sie verteilt, schleppt. Dann kann ich auch nachrücken. Mesut ist so ein Spieler. Auch bei Chelsea spielen wir jetzt ein System weg von den Außenstürmern hin zu einem Vierer-Mittelfeld mit Deco hinter der Spitze.

Frage: Ist Özil für sein Alter schon sehr weit?

Ballack: Das muss man abwarten. Er spielt unbekümmert. Er hat keinen Druck, das genießt er einfach. Ich hoffe, dass er das lange beibehält und er auch stabil bleibt. Er zeigt Riesenansätze und Talent. Aber man sollte vorsichtig mit solchen Jungs umgehen. Wir kennen das aus der Vergangenheit, dass es auch einmal in die falsche Richtung losgehen kann. Aber er ist ein vernünftiger Junge, macht einen ruhigen Eindruck. Fußballerisch wissen wir, was er kann. Das hat er in der Vergangenheit gezeigt. Aber: immer langsam.

Frage: Sprechen Sie mit ihm und bereiten Sie ihn darauf vor, dass jetzt die Zeitungen voll sein werden?

Ballack: Ich denke, er hat genügend Leute in Bremen: erfahrene Spieler, Trainer, Funktionäre, die einen guten Job machen. In der Nationalmannschaft gibt es die sicherlich auch. Das klappt schon.

Frage: Welche Erkenntnisse hat das Spiel gegen Südafrika gebracht?

Ballack: Der Trainer hat sicher neue Erkenntnisse gewonnen, was die Grundorientierung und taktische Ausrichtung angeht. In den Spielen, in denen wir in der Vergangenheit mit drei bzw. fünf Spielern im Mittelfeld gespielt haben, haben wir immer ganz gut ausgesehen. Vor allem defensiv, aber auch in den Aktionen nach vorne in die Spitze. Dafür braucht man Spieler, die diese Positionen ausfüllen können. Das hat ganz gut geklappt. Wir haben dadurch eine Option mehr.

Frage: Nur eine Option mehr oder zukünftig erste Wahl?

Ballack: Das muss der Trainer entscheiden, der ja erfahren genug ist. Er weiß, wo und wann wir unsere guten Spiele gemacht haben. Die Mannschaft war immer gut eingestellt und hat meistens die Ergebnisse erzielt, die wir brauchten.

Frage: Wie haben Sie in diesen Tagen Miroslav Klose erlebt, der in München eine schwere Zeit hat?

Ballack: Miro ist immer sehr selbstkritisch. Trotzdem hat er sich ganz normal und ruhig verhalten, gut trainiert. Er versucht, seine Spritzigkeit, seine Leichtigkeit zurückzugewinnen. Er war wie immer. Das sah im Spiel auch ganz gut aus. Er hat eine Vorlage zum Tor gegeben. Das wird ihm Auftrieb geben.

Frage: Klose saß zunächst auf der Bank, Mario Gomez stand in der Startelf. Ist das schon ein Indiz für die neue Rollenverteilung?

Ballack: Das weiß ich nicht, das müssen Sie den Trainer fragen. Wir haben gute Stürmer. Dass heute nur einer angefangen hat, war ein taktikbedingt. Das sind beides gute Stürmer.

Frage: Punkte gab es gegen Südafrika keine. Es war ein Testspiel. Am Mittwoch kommt das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan.

Ballack: Absolut. Jetzt kommt das wichtigere Spiel gegen Aserbaidschan. Da wollen wir die drei Punkte holen und auch ein gutes Spiel machen.

Frage: Russland hat seine Pflicht mit einem 3:0-Sieg gegen Liechtenstein erfüllt. Es deutet fast alles auf dieses Endspiel in Moskau am 10. Oktober hin.

Ballack: Im Moment ja. Das war uns allen auch klar. Trotzdem wollen wir gegen Aserbaidschan keine Schlappe erlauben, um gut gerüstet dahin zu fahren.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski