Vicente Sanchez spielt seit 1,5 Jahren bei Schalke 04. Im Interview zieht der kleine Stürmer eine kleine Zwischenbilanz und erklärt, warum die Umstellung so lange dauerte.

Frage: Vicente Sanchez, warum hat es nach Ihrem Wechsel so lange gedauert, bis Sie sich auf Schalke durchsetzen konnten?

Vicente Sanchez: Mein erstes Jahr hier war ziemlich schwer. Ich kam aus Mexiko in eine ambitionierte Mannschaft, der ich sofort helfen sollte. Zu Beginn war ich dann aber zumeist Einwechselspieler und konnte mich nie über 90 Minuten beweisen. Dann wurde der Trainer gewechselt, Mirko Slomka ging und nach der Übergangsphase mit Mike Büskens und Youri Mulder kam Fred Rutten. Der kannte mich als Spielertyp zu Beginn nicht so gut und so dauerte es wieder eine Weile, bis ich meine Chance bekam.

Frage: In Mexiko wurden Sie 2007 zum besten Offensivmann und wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Auf Schalke ging es wieder bei Null los. Gab es jemals einen Moment, in dem Sie ans Aufgeben gedacht haben?

Sanchez: Nein, zu keinem Zeitpunkt. Ich habe in den ersten Monaten sehr häufig mit meiner Familie und Freunden in Südamerika telefoniert, die sagten: Komm doch zurück nach Uruguay. Aber das hätte nicht meinem Naturell entsprochen. Enttäuscht, dass ich nicht so oft gespielt habe, war ich aber schon. Als Fußballer will man schließlich spielen. Aber ich wusste, dass meine Chance kommen würde. Also habe ich ständig an mir gearbeitet, um bereit zu sein, wenn der Verein mich braucht.

Frage: Bei Deportivo Toluca schossen Sie Tore wie am Fließband. War es in Mexiko einfacher für Sie?

Sanchez: Dort habe ich ständig gespielt, zumeist als Mittelstürmer. In Mexiko ist das Spiel insgesamt stärker auf Angriff ausgerichtet, während in der Bundesliga eher Defensive vorherrscht. Da ist es für einen Angreifer grundsätzlich erst einmal schwieriger, Treffer zu erzielen. Dass ich erst ein Bundesligator auf meinem Konto habe, wurmt mich aber schon. Für das Selbstvertrauen eines Stürmers ist es enorm wichtig, Tore zu schießen. Aber noch wichtiger ist mir natürlich der Erfolg der Mannschaft.

Frage: Sie sind ehrgeizig, trickreich und mannschaftsdienlich auf dem Platz. Was machen Sie abseits des Rasens, wenn ein trainingsfreier Tag ansteht?

Sanchez:
Ich unternehme gerne etwas mit meinen Freunden, genieße es, shoppen zu gehen oder im Eiscafé zu entspannen. Und dann gibt es da ja noch meine ersten musikalischen Gehversuche...

Frage: Wie darf man sich die vorstellen?

Sanchez: Ich versuche mich ab und zu an meiner Gitarre. Dann spiele ich Hits von den Gipsy Kings oder Ähnliches. Aber zu einer zweiten Karriere reicht es derzeit wohl nicht (lacht).