Acht Jahre nach dem letzten Abstieg aus der Bundesliga schnupperte Aufsteiger FC St. Pauli zwei Monate nach der Rückkehr ins "Oberhaus" und fast genau fünf Wochen vor dem 1. Spieltag schon mal ein wenig Bundesliga-Luft.

Leverkusen gab sich auf der Baustelle Millerntor-Stadion für ein Testspiel die Ehre. Knapp 10.000 Zuschauer feierten ihre Mannschaft nach dem 1:1 gegen den Europa-League-Teilnehmer.

Der neue Fan-Liebling Gerald Asamoah hatte die Hamburger in der 30. Minute in Führung geschossen, Nationalspieler Patrick Helmes traf in der 38. Minute zum Endstand.

"Das war doch schon ganz gut", fand St. Paulis Timo Schultz im Gespräch mit bundesliga.de. Auch wenn man natürlich berücksichtigen müsse, "dass Bayer noch ohne Michael Ballack und die WM-Fahrer gespielt hat".

bundesliga.de: 1:1 gegen Bayer Leverkusen. Im Punkstspiel wären Sie damit wohl zufrieden?

Timo Schultz:(lacht) Da wollen wir gewinnen. Aber im Ernst: Das war doch schon ganz gut, auch wenn man natürlich berücksichtigen muss, dass Bayer noch ohne Michael Ballack und die WM-Fahrer gespielt hat. Dafür haben die sich vor dem Spiel Ruhe gegönnt, und wir haben am Morgen noch trainiert.

bundesliga.de: War es ein psychologischer Vorteil, dass sie wussten, dass sie bei dieser Gluthitze nur eine Halbzeit spielen müssen? (Der FC St. Pauli hat zur Pause die komplette Mannschaft gewechselt, Anm.d.Red.)

Schultz: Im Kopf war das sicherlich irgendwo vorhanden, aber ich habe gespielt, wie ich immer spiele. Wenn ich da nach 45 Minuten schon schlapp wäre, hätte ich in der Vorbereitung was falsch gemacht.

bundesliga.de: Wie weit ist die Mannschaft?

Schultz: Die konditionellen Grundlagen sind gelegt. Jetzt geht es an den Feinschliff. Fünf Neue müssen integriert werden.

bundesliga.de: Wie kommen die Alten und die Neuen miteinander klar?

Schultz:(lacht) Gar nicht. Der Zambrano hat mich zuletzt im Training getunnelt. Der hat die nächsten Wochen nichts zu lachen. Nein, mal ehrlich: Die passen gut rein. Und darauf achtet der Verein ja auch schon bei der Verpflichtung. Wir leben ja schließlich vom Teamgeist. Und charakterlich kann man die Mannschaft gar nicht verderben. Wir sind seit fünf Jahren im Kern zusammen. Am Ende der Saison gehen immer die fünf Spieler, die am wenigsten Einsätze hatten und es kommen fünf neue. Und die werden voll integriert.

bundesliga.de: Der Kader ist mit 27 Mann relativ groß. Die Neuen drängen ins Team, die Aufsteiger wollen natürlich beweisen, dass sie es auch in der Bundesliga können - genug Potenzial für Unruhe...

Schultz: Nein, ein großer Kader wird uns sehr helfen. Sperren, Verletzungen - es ist immer gut, wenn man einen Stammspieler Eins zu Eins ersetzen kann. Aber ich möchte nicht in der Haut des Trainers stecken. Denn jeder will natürlich spielen.

bundesliga.de: Mit den beiden Nationalspielern Asamoah und Carlos Zambrano sowie Moritz Volz aus der Premier League sind Spieler gekommen, die sich sicher nicht auf der Bank sehen...

Schultz: Wer sieht sich da schon gern? Auch wir anderen können Fußball spielen. Aber mit Asamoah haben wir uns natürlich gut verstärkt. Er ist eine Leitfigur, ein Vorbild für alle.

bundesliga.de: Wo steht der FC St. Pauli am Ende der Saison?

Schultz: Natürlich werden wir nicht so viele Siege feiern, wie in der vergangenen Saison und daher nicht Zweiter. Aber ich bin sicher, dass wir die Klasse halten. Aber wie gesagt: Nur als Mannschaft haben wir eine Chance.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs