Seinen stärksten Auftritt hatte Didier Drogba nach dem Abpfiff. Unmittelbar nach dem torlosen Kurz-Duell der verhinderten Torjäger gegen Cristiano Ronaldo rief der Kapitän die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste zu einem Kreis zusammen und schwor seine Mitspieler gleich auf das nächste WM-Spiel ein.

Nach dem 0:0 gegen Portugal stehen die Ivorer, bei denen Drogba nach seinem Ellbogenbruch immerhin zu einem Kurzeinsatz von 24 Minuten plus Nachspielzeit in der Lage war, gegen Brasilien bereits unter Zugzwang.

"Das Ergebnis ist ganz okay"

"Das Ergebnis ist ganz okay. Als wir hierher kamen, hätte uns keiner eine Chance gegeben. Wir haben beständig gespielt, nur kein Tor geschossen", sagte Drogba, über den Trainer Sven-Göran Eriksson nach dem Kurzeinsatz respektvoll sagte: "Er wollte spielen. Er war hungrig auf das Spiel, das freut mich ganz besonders. Er wird das nächste Mal in der Startaufstellung stehen können." Das ist auch dringend erforderlich: ohne Drogba strahlten die Ivorer praktisch keine Torgefahr aus.

Während sich Drogba nur kurz vor dem Schlusspfif einmal in Szene setzen konnte, hatte Cristiano Ronaldo seinen großen Auftritt schon in der 11. Minute. Mit einem Schuss aus 25 Metern traf er aber nur den Pfosten. Danach tauchte der Mannschaftskapitän der Portugiesen, die nun am zweiten Spieltag der Hochkaräter-Gruppe G auf Nordkorea treffen, zunehmend unter. Seit 16 Monaten hat er für die Seleccion seines Landes kein Tor mehr erzielt - kurioserweise wurde er nach dem Spiel dennoch zum "Man of the Match" gekürt.

"Diese Auszeichnung würde ich gern gegen drei Punkte eintauschen. Aber noch ist nichts verloren. England und andere hochkarätige Mannschaften sind nach einem Unentschieden zum Auftakt in einer ähnlichen Situation. Jetzt müssen wir gegen Nordkorea unbedingt gewinnen", sagte Ronaldo.

Drogba mit Manschette

Mit dem Unentschieden konnte auch die Elfenbeinküste, beim WM-Debüt 2006 in Deutschland trotz bemerkenswerter Leistungen schon in der Vorrunde gescheitert, den Fehlstart der sechs afrikanischen Mannschaften bei der ersten WM auf dem Schwarzen Kontinent nicht verhindern. Nur Ghana kam in den Auftaktspielen zu einem Sieg, auch Gastgeber Südafrika holte wenigstens einen Punkt. Algerien, Nigeria und Kamerun gingen in ihren ersten Gruppenspielen jeweils als Verlierer vom Platz.

Das Rätselraten um Drogba hatte kurz vor dem Beginn des Spiels ein Ende gefunden: Der Angreifer, der sich am 4. Juni bei einem WM-Test in Bern gegen WM-Teilnehmer Japan (2:0) einen Knochenbruch nahe des Ellenbogens zugezogen hatte, nahm beim Anpfiff zunächst auf der Bank Platz. Wenige Stunden zuvor hatte der Weltverband FIFA nach einer Begutachtung den Einsatz einer Manschette an Drogbas operiertem rechten Unterarm gestattet. Gleich nach der Pause fing der 32 Jahre alte Torjäger dann an, sich warmzulaufen.

Jubel bei Drogba-Einwechslung

"Wir haben auch ohne ihn Charakter gezeigt", versicherte Guy Demel vom Hamburger SV, doch auch gab indirekt zu, dass ihm und seinen Mannschaftskollegen ohne den Kapitän auch die Inspiration und der Glaube fehlte. "Ein Spieler wie Drogba würde jeder Mannschaft fehlen", betonte Demel, "und wir freuen uns, dass er wenigstens ein paar Minuten gespielt hat." Über seinen Einsatz hatte der 32 Jahre alte Drogba mehr oder weniger im Alleingang entschieden, keiner habe ihn unter Druck setzen wollten, sagte Trainer Eriksson.

"Der Ellbogen fühlt sich gut an, sonst wäre ich nicht aufgelaufen", sagte Drogba und betonte: "Mit einem gebrochenen Arm nur zuschauen, das wäre schon hart gewesen." Als Drogba in der 66. Minute aufs Feld lief, flippten die ivorischen Anhänger beinahe aus vor Glück. Doch ihr 32 Jahre alter Volksheld blieb danach vor 31.034 Besuchern bis auf eine Situation kurz vor Schluss ebenso unauffällig wie Ronaldo.

Dessen Pfostenschuss brachte Zuschauer Drogba noch dazu, sich zu bekreuzigen, doch viele aufregende Szenen musste er danach nicht mehr überstehen.

"Es war ein sehr enges Match, es gab kaum Torchancen. Es waren zwei Mannschaften, die nicht verlieren wollten", fasste Eriksson das Spiel knapp, aber treffend zusammen. Seine Ivorer waren in der hart umkämpften und verbissen geführten Begegnung nur nach der Pause ein bisschen bisser als die nicht minder hartnäckigen Portugiesen. Zu richtig guten Gelegenheiten aber kamen sie nicht. Auf der Gegenseite köpfte Liedson nach einer Flanke von Deco den Ball lediglich in die Arme von Torhüter Boubacar Barry (58.).


Schema:

Elfenbeinküste: Berry - Demel, K. Toure, Zokora, Tiene - Eboue (89. Romaric), Y. Toure, Tiote - Gervinho (82. Keita), Dindane, Kalou (66. Drogba)
Portugal: Eduardo - Ferreira, Carvalho, Alves, Coentrao - Deco (62. Tiago), Mendes, Meireles (85. Amorim) - Ronaldo, Liedson, Danny (55. Simao)

Schiedsrichter: Jorge Larrionda (Uruguay)

Zuschauer in Port Elizabeth: 31.034