Halbzeit im vierteiligen norddeutschen Dauerderby. Nach Werder Bremens Sieg im DFB-Pokalhalbfinale und Hamburgs 1:0-Hinspiel-Erfolg im Halbfinale des Uefa-Pokals geht es im selben Wettbewerb Donnerstag in Hamburg weiter. Wie gewohnt mit der großen Unterstützung der Werder- und HSV-Fans, für die diese Derbys keine gewöhnlichen Spiele sind.

"Die Rivalität zwischen den Städten Bremen und Hamburg ist viel älter als die Fußball-Geschichte. Früher ging es darum, wer der bessere Hanseat ist: Beides sind alte Hansestädte und haben noch heute ähnliche wirtschaftliche Interessen. In Bremen gibt es die Redensart, dass Hamburg zwar das Tor zur Welt ist. Aber wir Bremer haben den Schlüssel zum Tor", erklärt Thomas Hafke, Mitarbeiter des Bremer Fanprojekts, die historischen Wurzeln.

Die Emotionen der Fans beider Lager schlagen rund um die Derbys schon mal höher und so haben beide Vereine und ihre Anhänger einiges getan, um für ein friedliches Miteinander zu sorgen.

"Faire Spiele und begeisterte, respektvolle Fans"

So wurde vor dem ersten der vier Nordderbys eine gemeinsame Plakataktion gestartet. Neben den beiden Vereinen beteiligen sich auch die Tageszeitungen "Hamburger Abendblatt" und der "Bremer Weserkurier".

Unter dem Titel: "Respekt. Soweit muss man erst mal kommen. Der Norden gewinnt. 4 Nordderbys in 19 Tagen. Wir freuen uns auf gesunde Rivalität, faire Spiele und begeisterte, respektvolle Fans" erschien in beiden Zeitungen eine großformatige Anzeige.

Lieber international gespielt

"In Hamburg haben unsere Fanbeauftragten viele Gespräche mit verschiedenen Fan-Gruppen geführt. Es findet ohnehin ein regelmäßiger Austausch statt, denn unsere Fanbeauftragten kommen aus der Fan-Szene, das Vertrauen untereinander ist sehr groß", sagt Ralf Bednarek, der Abteilungsleiter des HSV Supporters Clubs. Die Hamburger Fanbeauftragten hätten sogar die HSV-Spieler angesprochen, auf mögliche provozierende Aktionen zu verzichten.

Einig sind sich Hafke und Bednarek, dass beide Clubs im Halbfinale des Uefa-Pokals lieber gegen einen internationalen Gegner gespielt hätten. "Ich kennen keinen Hamburger, der hocherfreut war, auf Bremen zu treffen. Wir wären lieber nach Kiew oder Donezk gefahren", sagt Bednarek.

Freundschaftsspiel der Fanprojekte

"Wir hätten lieber gegen Manchester City gespielt, den Viertelfinalgegner von Hamburg. Dann hätte es in Bremen wieder ein Fan-Fest gegeben, wie wir es in dieser Saison im Uefa-Pokal schon öfter ausgerichtet haben", bedauert Hafke.

Mag das Verhältnis der beiden Fan-Gruppen nicht immer spannungsfrei sein, so gibt es doch ein regelmäßiges Miteinander. Vor dem letzten der vier Derbys am 10. Mai in Bremen treffen sich die U18-Teilnehmer des Hamburger Fanprojekts mit den gleichaltrigen Bremern zum gemeinsamen Fan-Freundschaftsspiel.

Stefan Kusche