Verband: Nigeria Football Federation (NFF)

Gegründet: 1945

FIFA-Mitglied seit: 1960

Bisherige WM-Teilnahmen: 4

WM-Erfolge: Achtelfinale (1994, 1998)

Geschichte des Fußballs in Nigeria:

Wie in anderen Teilen der Welt importierten auch in Afrika die Briten den Fußball. Erst waren es Seeleute und Soldaten, später Kolonialbeamte, Lehrer und Kaufleute, die das Spiel in der schwarzen Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbreiteten. Bereits vor Gründung des Fußballverbandes gab es einige Clubmannschaften und Turniere. Auf sandigen Trainingsplätzen und einfachen Bolzplätzen wird bis heute schon von den Jüngsten mit großer Leidenschaft gespielt, so dass der Fußball im Laufe der Jahre zur populärsten Sportart des Landes aufsteigen konnte. Die nigerianische Auswahl gehört zu den erfolgreichsten des Kontinents, obgleich auch ihr im Zug politischer Unruhen die Konstanz fehlt. Ihren Beinamen "Super Eagles" verdienten sich die Spieler unter anderem mit dem dreimaligen Gewinn des Afrika-Cups 1980, 1994 und ganz aktuell 2013. Zudem war Nigeria das erste afrikanische Team, das mit seiner "goldenen Generation" um Sunday Oliseh, Jay-Jay Okocha und Nwankwo Kanu 1996 bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille erringen konnte. 2008 stand die Mannschaft erneut im Finale und holte Silber. Nigeria war auch eines der ersten Länder Afrikas, das sich konsequent um den Aufbau professioneller Ligastrukturen bemüht hat. 1972 wurde erstmals in einer Premier League der Meister ausgespielt. Nach verschiedenen Änderungen des Modus kämpfen zurzeit 20 Mannschaften um den Titel.

WM-Geschichte:

1998 stand Nigeria mit Okocha im Achtelfinale

Bei der WM in Brasilien möchte Nigeria nur allzu gern an die Erfolge der "goldenen Generation" in den 90er Jahren anschließen. Die Mannschaft um Okocha hatte bei den Turnieren 1994 in den USA und 1998 in Frankreich für Furore gesorgt und sich jeweils für das Achtelfinale qualifiziert. Es waren die ersten beiden Endrunden überhaupt, für die sich die "Super Eagles" seit ihrem ersten Versuch 1962 qualifizieren konnten. In den letzten Jahren war Nigeria noch zwei Mal bei einer WM dabei, allerdings mit überschaubarem Erfolg. 2002 und 2010 war das Turnier für die Afrikaner jeweils schon nach der Vorrunde sieglos beendet; 2006 hatte man sich gar nicht qualifizieren können.

Star und Trainer:

Kreativer Kopf und Leader, Denker und Lenker im Mittelfeld - das ist John Obi Mikel. Der 27-Jährige bringt nicht nur die Erfahrung aus 59 Länderspielen mit, sondern hat sich vor allem in acht Jahren Premier League beim FC Chelsea zum Leistungsträger entwickelt, Gewinn der Champions League inklusive. Der technisch versierte Mikel ist für die Defensive und die Spieleröffnung gleichermaßen wichtig. Auf der Trainerbank ist mit Stephen Keshi seit November 2011 wieder Konstanz eingekehrt, nachdem sich in den sechs Jahren zuvor gleich sieben Trainer versuchen durften. Der 52-Jährige, als Aktiver unter anderem belgischer Meister mit dem RSC Anderlecht und Kapitän Nigerias beim WM-Turnier 1994, gewann als Spieler und Trainer die Afrika-Meisterschaft und hatte 2006 bereits Togo zur WM geführt. Keshi gilt als geradliniger Trainer, der auf große Namen wenig Rücksicht nimmt.

Nigeria und die Bundesliga:

Ikpeba (l.) und Oliseh spielten für den BVB

Die größten Stars des nigerianischen Fußballs suchten den Weg in die Bundesliga - und die Bundesliga wollte die besten Afrikaner. Bei Borussia Dortmund standen mit Sunday Oliseh (2000 bis 2003) und Viktor Ikpeba (1999 bis 2001) gleich zwei Spieler der "goldenen Generation" unter Vertrag. Oliseh, der in der Liga zudem für den 1. FC Köln und den VfL Bochum insgesamt 139 Partien absolvierte, wurde 2002 mit dem BVB Deutscher Meister. Stürmer Ikpeba, immerhin 1997 Afrikas Fußballer des Jahres, konnte die Erwartungen hingegen nicht erfüllen und kam nur auf drei Treffer. Deutlich mehr Eindruck hinterließ Jay-Jay Okocha, der sich in vier Jahren bei Eintracht Frankfurt (1992 bis 1996) als Spielmacher mit Dribblings und schönen Toren in die Herzen der Fans schoss. Einer seiner 18 Treffer wurde 1993 zum Tor des Jahres gewählt. Okocha war auch der erste Nigerianer, der den Sprung in die Bundesliga wagte.

Eine stolze Zahl an Spielen steht auch auf dem Konto von Victor Agali. Zu seiner Bilanz von 143 Spielen und 32 Toren für Hansa Rostock und Schalke 04 gehören allerdings auch 37 Gelbe Karten und vier Platzverweise. Noch mehr Partien und Treffer kann Jonathan Akpoborie aufweisen, dessen Vita auch die längste Bundesligazeit aller nigerianischen Fußballer aufweist. Zwölf Jahre schnürte Akpoborie von 1990 bis 2002 für sechs deutsche Vereine die Schuhe, darunter in der Bundesliga für Hansa Rostock, den VfB Stuttgart und den VfL Wolfsburg. Neben 140 Zweitligapartien absolvierte er 144 Spiele in der Bundesliga, traf 61 Mal und scheiterte mit dem VfB 1998 im Europapokal der Pokalsieger erst im Finale.

Aktuell steht mit dem WM-Teilnehmer von 2010, Chinedu Obasi, beim FC Schalke 04 nur ein Nigerianer in der Bundesliga unter Vertrag. Künftig erhält er Gesellschaft von Anthony Ujah, der mit dem 1. FC Köln aufgestiegen ist. Leon Balogun - aktueller, aber verletzter Nationalspieler Nigerias - spielt in der 2. Liga für Fortuna Düsseldorf.

Aus der Bundesliga nach Nigeria führte der Weg übrigens für deutsche Trainer. Bestes Beispiel ist Berti Vogts, der im Gespann mit Thomas Häßler und Uli Stein 2007/08 für die "Super Eagles" verantwortlich war. Drei weitere Übungsleiter aus Deutschland arbeiteten als Nationaltrainer: Karl-Heinz Marotzke (1970/71 sowie 1974), Gottlieb Göller (1981) und Manfred Hoener (1988/89).