Zusammenfassung

  • Mit Nigel de Jong verstärkt sich Mainz mit einem international erfahrenen Routinier

  • Der Niederländer kam zuletzt bei Galatasaray nicht zum Zug und gilt als Raubein

  • De Jong: "Ich denke, dass ich als Typ und der Verein, so wie er ist, eine gute Mischung darstellen"

Mainz - Es war viel los an diesem Sonntag beim 1. FSV Mainz 05: Das Los für das Pokalviertelfinale bescherte den Nullfünfern das Derby bei Eintracht Frankfurt. Und eine Woche vor dem Rückrundenauftakt verloren die Mainzer das Testspiel am heimischen Bruchweg mit 0:3 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach. Sein Debüt für Nullfünf feierte dabei in der zweiten Halbzeit Neuzugang Nigel de Jong, der vor der Partie der Presse vorgestellt wurde.

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Das Trikot mit der Nummer 5 brachte FSV-Sportvorstand Rouven Schröder mit zur Vorstellung des neuen Spielers. Und Schröder übergab dann auch das rote Hemd mit der Nummer 5 an Nigel de Jong. Der 81-fache Nationalspieler der Niederlande und Vize-Weltmeister 2010, kommt bis Saisonende ablösefrei von Galatasaray Istanbul. Für den mittlerweile 33-Jährigen bedeutet die Unterschrift in Mainz eine Rückkehr in die Bundesliga. Von 2006 bis 2009 stand er beim Hamburger SV in der Bundesliga unter Vertrag, danach war der Amsterdamer für Manchester City, den AC Mailand, Los Angeles Galaxy und eben Galatasaray Istanbul aktiv. "Wir haben Nigel de Jong mit vollster Überzeugung verpflichtet, weil wir glauben, dass er mit seiner Erfahrung und seiner Vita dem Verein und der Mannschaft unheimlich viel geben kann", sagt Schröder. Die abstiegsgefährdeten Mainzer sehen in de Jong einen Hoffnungsträger für die Rückrunde. Neben Anthony Ujah, den die Nullfünfer jüngst aus China verpflichteten, ist de Jong der zweite prominente Profi, den die Mainzer zurück in die Bundesliga holten. Am Sonntag sprach er über seine Erwartungen an die Rückrunde und die Rolle, die er bei Mainz 05 spielen will.

de Jong über seine Motivation nach Mainz zu kommen…

"Ich will erst einmal Danke sagen, dass ich die Chance von Rouven Schröder und Trainer Sandro Schwarz bekommen habe, wieder in der Bundesliga zu spielen. Das ist eine große Chance, meine Leistung auf dem Platz zu zeigen. Ich bin zwar schon 33 Jahre alt, aber noch lange nicht fertig mit dem Fußballspielen. Ich will meine Kraft und Leistung jetzt für die jungen Jungs in der Mannschaft einbringen und fünf Monate lang zeigen, dass wir mit Disziplin und Mentalität in der Bundesliga bleiben können."

© imago / Martin Hoffmann

de Jong über seine Kenntnisse von Mainz 05…

"Mainz war über die letzten zehn Jahre eine Mannschaft, die immer attraktiven Fußball gespielt hat. Jeder kennt die Geschichte mit Jürgen Klopp, aber auch danach war man erfolgreich, etwa mit Thomas Tuchel. Mainz 05 war immer ein Gegner, gegen den es immer schwer war, das ist auch jetzt in der Opel Arena so. Ich habe die Bundesliga immer verfolgt und auch immer Mainz 05. Es ist ein kleiner Verein, die Stimmung bei den Spielen dort war immer gut. Ich habe immer in großen Städten gespielt, jetzt bin ich bewusst nach Mainz gegangen. In der letzten Phase meiner Karriere geht es nur um Fußball und darauf kann ich mich in Mainz konzentrieren. Ich denke, dass ich als Typ und der Verein, so wie er ist, eine gute Mischung darstellen."

"Manchmal ist es besser, wenn man den Mund hält als Fußballer, aber das kann ich nicht immer."

de Jong über seine Zeit zuletzt auf dem Abstellgleis bei Galatasaray Istanbul…

 "Es war schwer, die letzten sechs Monate nicht Fußballspielen zu dürfen. Es gab ein Problem mit dem Trainer. Ich bin ein Typ, der immer offen seine Meinung sagt. Manchmal ist es besser, wenn man den Mund hält als Fußballer, aber das kann ich nicht immer. Aber ich habe mich fit gehalten und hatte auch Testspiele, wo ich gesehen habe, dass ich bei, Spiel 11 gegen 11 mithalten kann. Ich wusste, dass ich wieder eine Chance bekommen werde, und die will ich jetzt in Mainz nutzen."

de Jong über seine kurze Vertragslaufzeit…

"Das ist kein Problem für mich. Ganz ehrlich: Ich wollte keinen langen Vertrag über zwei Jahre unterzeichnen, obwohl ich noch nichts gezeigt habe. Ich wollte nur diese fünf Monate haben. Wenn es gut läuft, kann ich mich immer noch mit Rouven Schröder zusammensetzten und über einen neuen Vertrag reden. Aber das hat alles mit Leistung zu tun. Wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht. Aber ich bin überzeugt, dass es passt."

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de Jong über die Bundesliga …

"Die Bundesliga ist eine der besten Ligen überhaupt. Damals, als ich beim HSV war, war sie schon schön, aber jetzt ist sie noch besser geworden. Ich mag die deutsche Pünktlichkeit, die Organisation ist einfach super. Die Fans können durcheinander laufen, das ist gar kein Problem - ich mag das einfach. Ich war überall und muss sagen: In dieser Beziehung ist die Bundesliga die Nummer 1. Aber auch auf dem Platz ist das Niveau immer sehr hoch und es wird immer hoch bleiben. Ich will das unbedingt wieder fühlen, auch deshalb bin ich wieder in Mainz."

de Jong über die Chancen für den Klassenerhalt…

"Es wird eine schwere Rückrunde, aber wir wollen angreifen und ich will ein Teil von der Truppe  sein. Ich will, dass Mainz auf der richtigen Seite der Tabelle endet, wir wollen den Abstiegskampf gewinnen. Wir wollen zusammen nach vorne gehen. Ich kenne die Oldies wie Rene Adler, aber ich kenne nicht alle, das muss ich sagen. In der kommenden Woche werde ich alle Spieler schnell kennenlernen."

"Ich versuche immer 110 Prozent zu geben, das ist mein Stil"

de Jong über seine Spielweise und seinen Ruf als Raubein …

"Auf diese Frage habe ich gewartet (lacht). Aber es ist schon so, dass man älter und auch etwas schlauer wird. Man weiß, was man kann, und was man nicht kann. Aber dennoch: Ich versuche immer 110 Prozent zu geben, das ist mein Stil. Man lernt schon aus seinen Fehlern, ich bin 33 Jahre alt mittlerweile, da muss man ein bisschen schlauer sein."

de Jong über sein spektakuläres Foul im WM-Finale 2010 gegen Xabi Alonso…

"Es stört mich nicht, wenn ich auf dieses Foul angesprochen werde, das gehört zu meinem Leben. Es hat mich auch nie gestört, was andere Leute über meinen Stil sagen. Ich gehe meinen Weg. Aber auch das ist Vergangenheit und jetzt zählt es, was ich in Mainz leiste."

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de Jong über sein Leben als Autohaus-Inhaber in Hamburg und das Leben nach dem Fußball…

"Ich habe mir während meiner Karriere immer Gedanken über mein Leben nach der aktiven Laufbahn Gedanken gemacht. Man sieht, wie viele Fußballer nach der Karriere Pleite gehen. Man muss sich immer Gedanken machen, über das Leben nach dem Fußball, auch wenn der Sport dein Leben bestimmt. Aber es ist auch gut, wenn man nicht in jeder Sekunde an Fußball denkt, man muss auch locker lassen. Ich kann mir vorstellen, auch nach meiner Karriere in Deutschland zu bleiben."

de Jong über fehlende Spielpraxis und seine Position…

"Es ist wichtig, dass ich Spielpraxis bekomme, um in den Rhythmus zu kommen, nächste Woche geht schon die Rückrunde los. Ich bin fit, aber um ganz ehrlich zu sein: Ich muss sehen, wie fit ich im Spiel bin. Ich würde gerne im Sturm spielen, aber ich glaube, der Trainer sieht das anders (lacht). Nein, ich denke, ich werde auf der Sechserposition bleiben."

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter