München - Der 2:1-Sieg für den VfB Stuttgart im Derby gegen 1899 Hoffenheim ist sehr wichtig gewesen, denn die Schwaben haben einen großen Schritt aus dem Tabellenkeller gemacht und der Klassenerhalt ist fast in trockenen Tüchern.

Leichte Beute war der "Dreier" gegen den Nachbarn aus dem Kraichgau allerdings nicht, denn die Hoffenheimer lagen nach 14 Minuten mit 1:0 in Führung. Aber der VfB zeigte Moral und drehte nach der Halbzeitpause die Partie.

bundesliga.de wirft einen Blick in die Datenbank und zeigt, welche Mannschaft in der Bundesliga-Historie die besten Comeback-Qualitäten besaß.

Acht Partien gedreht

Der VfB Stuttgart hat in der aktuellen Spielzeit noch zwölf Punkte nach einem Rückstand eingefahren, neben dem Erfolg gegen 1899 gab es zwei weitere Siege und drei Remis. Doch mit dieser Ausbeute stehen die Schwaben deutlich hinter der besten Mannschaft im Aufholjagd-Tableau.

In der Saison 1999/2000 gelang es Bayer 04 Leverkusen, in acht Partien einen Rückstand aufzuholen. Die "Werkself" drehte acht Mal eine Partie, holte 29 ihrer 73 Punkte in jener Saison auf diese Weise und wurde nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz nicht Deutscher Meister. Denn ausgerechnet am letzten Spieltag verpassten es die Leverkusener, gegen die SpVgg Unterhaching ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis zu stellen. Sie verloren damals 0:2.

"Werkself" einsam an der Spitze

Mit den 29 Zählern steht Bayer allein an der Spitze der Liste, dahinter folgen vier Clubs, die nur jeweils drei Punkte weniger einfuhren. Diese moralische Meisterleistung gelang diesen Teams sogar noch zu Zeiten, in denen ein Sieg nur zwei statt drei Punkte wert war.

Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel schafften der 1. FC Kaiserslautern (1981/82), der Hamburger SV (ebenfalls 1981/82) und Borussia Dortmund (1969/70) aus den Partien, in denen sie bereits zurück lagen, noch sieben Siege und insgesamt 26 Punkte zu sammeln. Borussia Mönchengladbach kam 1973/74 auf acht Siege plus zwei Remis. Die acht Siege der Borussen und der Leverkusener stellen bis heute einen Bundesliga-Rekord dar.

Nur eine Mannschaft schafft die Meisterschaft

Der HSV erreichte aufgrund seiner Comeback-Qualitäten in der Spielzeit 1981/82 sogar die Deutsche Meisterschaft, der FCK kam in der gleichen Saison auf Platz 4 ins Ziel. Ähnlich wie die Leverkusener 2000 landeten auch die Gladbacher trotz ihrer Rekordsaison 1974 hinter dem FC Bayern nur auf Rang 2. Die Dortmunder wurden 1970 lediglich Fünfter.

Das negative Beispiel stellte der 1. FC Saarbrücken auf. 1963/64 verloren die Saarländer nach Führung noch neun Spiele und verloren in der kompletten Saison somit noch 35 Punkte, wenn sie vorne lagen - beide Werte stellen den Höchstwert in der Bundesliga-Historie dar.

Freiburg setzt den Bestwert

In der aktuellen Saison schaffte es der VfB mit dem Comeback-Sieg in Hoffenheim auf die Top-Fünf-Liste, aber vier Mannschaften waren bislang in dieser Spielzeit noch erfolgreicher trotz eines Rückstands.

Ganz vorne liegt der SC Freiburg, der aus sieben Partien doch noch Punkte mitnahm. Obwohl der Gegner zwischenzeitlich in Führung ging, holten die Breisgauer noch fünf Siege und zwei Remis. Mit 17 Punkten sind sie die besten Comebacker der Saison, aber die Ligarekorde von Bayer und Gladbach mit 29 Zählern oder acht Siegen nach Rückstand sind nicht mehr drin. Ohnehin möchte der SCF an den letzten beiden Spieltagen sicherlich darauf verzichten, gegen Gladbach und Leverkusen eine Aufholjagd starten zu müssen.

Lautern und Stuttgart mit Moral im Tabellenkeller

Leverkusen (16) und Mainz (14) sind den Freiburgern im Tableau dicht auf den Fersen, aus der Abstiegsregion zeigten sich neben den Stuttgartern die Lauterer (13) mit der besten Moral, indem sie noch drei Siege und vier Remis holten. Beide Teams haben aufgrund dieser Qualitäten den Klassenerhalt auch fast sicher.

"Ich bin sehr, sehr froh, dass wir hier so raus gekommen sind. Ein Kompliment an die Mannschaft", meinte VfB-Trainer Bruno Labbadia nach dem Sieg bei Hoffenheim. "Es verdient Respekt, wie sie sich aus dem Druck befreit hat. Sie hat eine sehr gute Reaktion gezeigt. In dieser Saison ist das jetzt aber noch immer nicht die gefühlte Rettung." Der VfB will nun gegen Hannover 96 am 33. Spieltag den Sack endgültig zumachen. Die Moral dafür hat die Mannschaft.

Jessica Pulter