Viel hatte er ausprobiert. In den ersten vier Pflichtspielen der Saison setzte Bayerns neuer Trainer Louis van Gaal auf jeweils neue Aufstellungen und Spielsysteme - mit bescheidenem Erfolg.

In der Samstagabendpartie des 4. Spieltags probierte der Niederländer gegen den VfL Wolfsburg erstmals das von ihm bevorzugte 4-3-3 und fuhr beim überzeugenden 3:0 (1:0) über den amtierenden Meister den ersten "Dreier" der Saison ein.

"Mehr Begeisterung, Einsatz und Leidenschaft"

Die Frage nach dem neuen System war für die Akteure des FC Bayern aber zunächst zweitrangig. "Wenn wir immer so spielen, wie gegen Wolfsburg, ist das System egal. Jeder hat Laufbereitschaft und Leidenschaft gezeigt. Nur so können wir guten Fußball spielen, unabhängig vom System", betonte Mario Gomez, Torschütze des Führungstores in der 27. Minute und einzige Spitze zwischen den offensiven Flügelspielern Ivica Olic (links) und Thomas Müller (rechts).

Auch Bastian Schweinsteiger, der linke Part der eher defensiven Mittelfeldkette neben Anatoliy Tymoshchuk in der Zentrale und Hamit Altintop auf rechts, schlug nach dem Schlusspfiff in die gleiche Kerbe: "Wir haben ganz anders gespielt als gegen Mainz, mit mehr Begeisterung, Einsatz und Leidenschaft."

Die Organisation stimmt

Der Wunsch nach Wiedergutmachung nach der Niederlage beim Aufsteiger war den FCB-Spielern von der ersten Minute an anzumerken. Entschlossen, den schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren zu korrigieren, schnürten sie den VfL in der eigenen Hälfte ein.

"In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut und organisiert gespielt", lobte van Gaal. Auch dank des neuen Systems: Neuzugang Tymoshchuk lieferte sein bislang bestes Spiel im Bayern-Trikot ab und zog geschickt die Fäden. Ivica Olic rackerte unermüdlich und holte so zum Beispiel den Eckball heraus, in dessen Folge das 1:0 durch Gomez fiel.

Dreiecke ermöglichen Zirkulation

"Man kann mit dem 4-3-3 am meisten Dreiecke bilden, und das Dreieck ist die Grundlage um den Ball zirkulieren zu lassen", erklärte Hans Meyer die Vorzüge des neuen Bayern-Systems. "Weder Olic noch Müller sind klassische Außen, aber sie haben das sehr gut gemacht", sagte der "Trainerfuchs" in der DSF-Sendung "Doppelpass": "Die Bayern haben den Ball so gut zirkulieren lassen, dass in der ersten Halbzeit gar kein Foulen möglich war."

Die Kreativität, eines der wesentlichsten Elemente im 4-3-3, kam allerdings erst in der zweiten Hälfte dazu. Verantwortlich dafür zeichneten Neuzugang Arjen Robben, der zur Pause Altintop ersetzte und mit Müller die Positionen auf der rechten Außenbahn tauschte, und Franck Ribery, der ab der 63. Minute für Olic auf links wirbelte.

"FC Bayern mit Robben flexibler und gefährlicher"

Die beiden genialen Tempodribbler spielten die nun offensiver agierenden und auf den Ausgleich dringenden "Wölfe" nach Belieben auseinander. Robben machte seinen Einstand mit zwei Toren (68./80.) perfekt, beide Male hervorragend von Ribery in Szene gesetzt.

"Man hat gesehen, was das für ein Klassepaar sein kann. Die letzten Jahre war es ja so, dass 80 Prozent aller Angriffe wegen Ribery über links vorgetragen wurden. Die rechte Seite existierte eigentlich nur auf dem Papier. Aber mit Robben ist der FC Bayern jetzt flexibler und gefährlicher", freute sich Präsident Franz Beckenbauer im "aktuellen Sportstudio" über das neue französisch-niederländische Traumpaar.

Butt fordert entsprechende Defensivarbeit

Auch Meyer ist sich sicher: "Robben und Ribery machen den Unterschied aus." Die neue offensive Flügelzange namens "Robery" wird, sobald Ribery hundertprozentig fit ist und Robben sich eingelebt hat, noch so manche gegnerische Defensivreihe vor große Probleme stellen.

Torhüter Jörg Butt, der Michael Rensing zwischen den Pfosten ablöste, mahnte aber, nicht die eigene Abwehrarbeit zu vernachlässigen. "Franck und Arjen können nur glänzen, wenn unsere Defensive entsprechend steht."

Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber