Die Euphorie muss riesig gewesen sein nach Deutschlands sensationellem Fußball-Weltmeisterschafts-Triumph im Sommer 1954.

Denn im Oktober des selbigen Jahres gingen für das Länderspiel Deutschland – Frankreich im Niedersachsenstadion zu Hannover unglaubliche 500.000 Ticket-Anfragen ein. Immerhin fanden knapp 90.000 Zuschauer in der Sportstätte Platz, die am 26. September 1954 offiziell eröffnet wurde.

Trümmerschutt als Baumaterial

Bei der Errichtung des Niedersachsenstadions - der heutigen AWD-Arena - zwischen 1952 und 54, wurde aus Trümmern des zerbombten Hannovers ein riesiger Wall errichtet, an dem bis heute fast unverändert die markante ausladende Westtribüne steht.

Ab 1958 begann Hannover 96 einige Topspiele im Stadion am Maschsee zu bestreiten, bis die "Roten" nach ihrem Bundesliga-Aufstieg 1964 ihren kompletten Spielbetrieb ins Niedersachsenstadion verlegten. Ein Jahr später wurden vier große Flutlichtmasten um das Spielfeld herum installiert, die später aufgrund ihres Aussehens vom Volksmund liebevoll "Zahnbürsten" getauft wurden.

Vorbereitung für WM 1974

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wurde - nach langer Diskussion - eine Modernisierung der Arena beschlossen. Man überdachte den Oberrang der Westtribüne und stattete ihn mit Sitzplätzen aus.

Dieses 26-Millionen-Mark Projekt verringerte die Kapazität des Stadions auf 60.400 Zuschauer. Weitere Umbaumaßnahmen 1988 und 1998, bei denen die Tribünen saniert und die alten Holzbänke durch Einzelsitze abgelöst wurden, ließen das Fassungsvermögen auf letztlich 50.000 Plätze schrumpfen.

Regionalliga vor 55.000

Während dieser Umbaumaßnahmen gab es 1997 für Hannover 96, mittlerweile in der Regionalliga spielend, endlich wieder einmal ein Highlight, als man in der Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga vor 55 000 Fans im heimischen Stadion gegen Energie Cottbus antrat. Zwar scheiterte man, jedoch hatten sich die Hannoveraner Fans und Bürger schon längst an einem anderen Leckerbissen erfreuen können und konnten die fußballerische Tristesse besser verkraften.

Denn mit ihrem großen Open-Air-Auftritt 1982 machten die Rolling Stones das Niedersachsenstadion zu einem beliebten Austragungsort für Rock- und Popkonzerte. Ihnen sollten Tina Turner, Pink Floyd, Marius Müller-Westernhagen oder auch Madonna folgen. Phil Collins füllte das Stadion 1994 an vier Tagen hintereinander und begeisterte insgesamt 240.000 Fans.

Die weit ausladende Westtribüne, an deren Rückseite mittlerweile ein großer Wald entstanden ist, macht die Spielstätte von 96 zu der Topadresse für Open-Air-Konzerte in Norddeutschland.

Reines Fußballstadion

Die heutige AWD-Arena erhielt ihren Namen 2003, und an ihrem Aussehen wurde bis zum Jahr 2005 gearbeitet. 70 Prozent des Stadions, auch die Teile, welche 1998 noch saniert wurden, wurde abgerissen und für insgesamt 65 Millionen Euro neu errichtet. Nur die Westtribüne blieb erhalten und wurde lediglich modernisiert. Die Leichtathletik-Anlagen wurden ebenso entfernt wie die alten "Zahnbürsten".

Entstanden ist eine reine Fußballarena mit moderner Überdachung, zwei Videoleinwänden und 160 Einzelscheinwerfen, die für optimale Beleuchtung sorgen. Im normalen Spielbetrieb finden 49.000 Zuschauer Platz, international 45.000. Ein Markenzeichen ist die, bei anderen modernen Fußballstadien nicht vorhandene, Asymmetrie der Sportstätte. So steht die steile neue Osttribüne im krassen Gegensatz zur alten Westtribüne, deren Steigungswinkel eher niedrig ist.

Neben fünf Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fanden in Hannover auch regelmäßig Partien der DFB-Auswahl statt, insgesamt 30. Zuletzt in der EM-Qualifikation 2007 gegen Zypern (4:0) und demnächst in der WM-Qualifikation gegen den Aserbaidschan (09.09.2009).