Nach dem Auftakt-Remis in Freiburg hat sich der Hamburger SV in der Folge im Stil einer Spitzenmannschaft präsentiert. Gegen Dortmund und Köln fuhr er klare Siege ein. Und am 3. Spieltag gelang fast schon ein Meisterstück, als die "Rothosen" bei Titelverteidiger VfL Wolfsburg mit einem 4:2 drei Punkte entführten. Die "Wölfe" waren davor in 16 Spielen vor heimischem Publikum siegreich. Der Lohn für den HSV: Die Hanseaten gehen als Tabellenführer in die Länderspielpause.

"Wir sind alle sehr froh über den bisherigen Saisonverlauf. Wir haben uns von Spiel zu Spiel verbessert. Und wenn man solche Spiele wie in Wolfsburg gewinnt, dann steht man auch zu Recht ganz oben. Und wenn es geht, wollen wir da natürlich auch bleiben", sagte Kapitän David Jarolim im Gespräch mit bundesliga.de.

"Der Fluch der guten Tat"

Die logische Folge dieses Aufschwunges blieb aber nicht aus: In Hamburg herrscht eine riesengroße Euphorie. Das Wort Meisterschaft macht schon die Runde.

Hamburgs neuer Trainer Bruno Labbadia will dem gleich Einhalt gebieten und tritt auf die Bremse. "Es kommt mir vor wie der Fluch der guten Tat. Wir haben durch unsere Auftritte Erwartungen geschürt. Aber es wird nicht immer im Hurra-Stil gehen. Ich hoffe, dafür hat jeder Verständnis", erklärte der 43-jährige.

Guerrero in Form

Dieses Verständnis blieb im Spiel gegen den 1. FC Köln bei manchen Fans aus. Denn selbst beim Stand von 2:0 wurden einige Anhänger ungeduldig. Nach mehreren Fehlpässen gellten Pfiffe durch die HSH Nordbank Arena. "Man hat ab und an gemerkt, dass so ein 3:1 als völlig normal angesehen wird", bemerkte Labbadia.

Am Ende der Partie stand dann aber doch der kollektive Jubel. Und vor allem einen feierten die Fans frenetisch: Jose Paolo Guerrero. Der Peruaner zeigte sich bislang in bestechender Form und führt mit vier Treffern zusammen mit Leverkusens Stefan Kießling die Torjägerliste der Bundesliga an.

Sportchef gesucht

In Hamburg herrscht also kurz vor dem Ende des kalendarischen Sommers eitel Sonnenschein. Nur eine Personalie sorgt im Norden für ein bisschen Aufregung. Die Suche nach einem Nachfolger für Ex-Sportchef Dietmar Beiersdorfer gestaltet sich schwierig und wird wohl auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. "Das kann noch Monate dauern. Wir haben keine Veranlassung, in Hektik zu verfallen", verdeutlichte Aufsichtsratschef Horst Becker.

Momentan scheinen die Hamburger einen Sportchef aber eh nicht zu brauchen. Neuzugänge wie Ze Roberto, Eljero Elia und Marcus Berg haben sich prächtig integriert. Und die Mannschaft spielt erfolgreichen Fußball. Der HSV ist derzeit einfach Spitze.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis