München - Ein gelungener Trainerwechsel, eine geglückte Transferpolitik - und eine Macht im eigenen Stadion: Schlusslicht Borussia Mönchengladbach blickt vor dem rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) neidisch auf den Erzrivalen und bekommt dabei die eigenen Fehler vor Augen geführt.

Nach dem triumphalen 4:0-Hinspielerfolg am 13. November glaubte der fünfmalige Deutsche Meister einen Weg aus der Krise gefunden zu haben, vor dem Duell am Sonntag ist der dritte Abstieg aus der Bundesliga aber nur noch schwer zu vermeiden.

Gladbach glaubt an den Klassenerhalt

Die Borussia hat sechs Spieltage vor dem Saisonende fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz - dennoch glaubt man am Niederrhein noch an die Chance: "Wir wollen noch vier Spiele gewinnen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Natütlich ist Gladbach gegen Köln kein normales Spiel. Mit einem Sieg können wir richtig Schub mitnehmen", sagte Innenverteidiger Martin Stranzl. Der zur Rückserie von Spartak Moskau verpflichtete Österreicher hat der Abwehr (62 Gegentreffer) Stabilität verliehen, mit Havard Nordtveit brachte auch ein weiterer der fünf Wintertransfers die Borussia weiter.

Da bewiesen die Verantwortlichen des 1. FC Köln ein noch besseres Händchen. Torhüter Michael Rensing hat sich zu einem starken Rückhalt entwickelt, Christian Eichner und Slawomir Peszko sind ein Gewinn auf den zuvor schwach besetzten Außenpositionen. Sieben Heimsiege in Folge bedeuteten nicht nur die beste Serie seit der ersten Ära Daum, sondern auch einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt.

"Die Kölner erleben ein Stück weit das, was wir in der vergangenen Saison erlebt haben. Zuhause spielen sie sehr erfolgreich, und in der Fremde haben sie ihre Schwierigkeiten. Aber auch auswärts machen sie es nicht schlecht, sie sind ja selten klar unterlegen, ihnen fehlt dort häufig nur das nötige Quäntchen Glück", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl vor dem Duell der schwächsten Heimmannschaft der Liga mit dem schlechtesten Auswärtsteam.

Podolski will Revanche

Auch Eberl wird mit Wehmut an den verregneten Novembertag zurückdenken, als man den großen Rivalen in dessen Stadion demütigte. Raul Bobadilla (2), Michael Bradley und Igor de Camargo erzielten damals die Tore der Borussia. Bobadilla (Aris Saloniki) und Bradley (Aston Villa) sind inzwischen ausgeliehen, de Camargo wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und kann wohl auch am Sonntag nicht mitspielen.

"Jetzt haben wir die Möglichkeit, in Gladbach unsere Heimniederlage, die böse war, wieder gut zu machen", sagt FC-Kapitän Lukas Podolski. Keeper Michael Rensing will dabei das Drumherum möglichst ausblenden: "Das Spiel ist ein brisantes Derby. Trotzdem geht es für uns primär darum, weitere Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln."

So könnte ausgerechnet der FC die Gladbacher weit in Richtung 2. Bundesliga schießen. Unterdessen appelliert Eberl an die Vernunft der Fans: "Die Rivalität gehört dazu und macht das Derby auch so interessant. Aber der Kampf soll allein auf den Platz stattfinden, außerhalb appelliere ich an alle Fußballfans, dass sie sich friedlich verhalten."