München - Es ist gerade mal eine Woche her, da verzückte der FC Bayern München ganz Fußball-Deutschland mit seinem Glanzauftritt beim 1:0-Sieg in der Champions League gegen Inter Mailand. Doch innerhalb von fünf Tagen wurde der Rekordmeister knallhart zurück auf den Boden geholt.

Erst am vergangenen Samstag das 1:3 gegen den Tabellenführer der Bundesliga, Borussia Dortmund, und am Mittwoch das Aus im DFB-Pokal-Halbfinale durch das 0:1 gegen den FC Schalke 04. Der FC Bayern droht in einer der wichtigsten Phasen in dieser Saison den Fokus zu verlieren.

Unkonzentriertheiten machen den Unterschied

"Wenn Bayern nicht Meister oder Pokalsieger wird, dann ist das keine gute Saison", brachte es Kapitän Philipp Lahm aus Sicht der Münchener auf den Punkt, und der Nationalspieler wusste, was gegen Schalke den Unterschied ausgemacht hat: "Das muss Unkonzentriertheit sein. Das zieht sich durch die ganze Saison."

So war es auch eine Standardaktion, die Schalkes Raul bereits in der 15. Minute nutzte, um den Siegtreffer für "Königsblau" zu erzielen. Eine Ecke von Jefferson Farfan durfte Benedikt Höwedes völlig frei im Sechzehner auf den zweiten Pfosten verlängern, wo der Spanier nur noch einnetzen musste.

Abschlussschwäche beim FCB

Man kann den Bayern nicht vorwerfen, sie hätten sich nicht gegen die drohende Niederlage gestemmt, insbesondere in der zweiten Halbzeit erarbeiteten sich die Gastgeber eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Doch am Ende fehlte dem Rekordmeister die Konsequenz im Abschluss. Ob Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger oder Mario Gomez - alle hatten die Chance zum Ausgleich, doch der Ball landete nicht in den Maschen. Und das lag nur teilweise an Schalke-Keeper Manuel Neuer, der souverän hielt. Die Bayern zielten schlicht nicht genau genug.

Keine Konstanz im Auftritt

Die Saison der Bayern bleibt ein Auf und Ab. Dem schwachen Saisonstart ließen die Münchener einen eindrucksvollen Hinrundenendspurt folgen, in dem vor allem Gomez mit seinen Treffern für Furore sorgte. Nach dem souveränen Pokal-Viertelfinale bei Alemannia Aachen (4:0) und der Aufholjagd in Bremen, wo man 0:1 zurücklag und am Ende 3:1 gewann, gab der FCB nur eine Woche später eine 2:0-Halbzeitführung beim 1. FC Köln noch aus der Hand - Endstand 2:3.

Und nun verliert die immer noch beste Heimmannschaft der Bundesliga gleich zwei Mal in Folge vor eigenem Publikum. Anstatt der gewünschten Erfolgsserie stellt sich Ernüchterung beim Rekordmeister ein, der trotz der Idealkonstellation mit Ribery und Arjen Robben auf den Flügeln sowie Gomez und Thomas Müller in der Mitte in den letzten beiden Spielen kein Offensiv-Feuerwerk entfachen konnte.

"Nur noch Finalspiele"

Zudem werden die Aufgaben nicht leichter, denn bereits am Samstag geht es bei Hannover 96 gegen einen direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze. "Wir haben nur noch Finalspiele bis zum Ende der Saison, nun Hannover, das Heimspiel gegen Hamburg und dann Inter Mailand", warnt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor den nächsten Gegnern. "Das werden allesamt schwere Spiele, und wir tun gut daran, jetzt von Spiel zu Spiel zu denken."

Denn auch wenn mit dem DFB-Pokal bereits ein Wettbewerb abgeschrieben werden muss, der FC Bayern hat immer noch große Ziele. "Wir müssen in der Bundesliga auf jeden Fall Zweiter werden", erklärt Lahm. "Aber die Saison ist schwer zu retten." Zumindest eine Tatsache dürfte die Bayern-Fans optimistisch stimmen: Der Hinrundenpleite gegen Dortmund folgte eine Serie von neun Pflichtspielen ohne Niederlage - angefangen mit einem 3:0-Sieg gegen Hannover 96.

Aus der Allianz Arena berichtet Jessica Pulter