Leverkusen - Mit der vielleicht besten Leistung in dieser Saison hat sich Bayer 04 Leverkusen zurückgemeldet. Gegen den spanischen Meister Atletico Madrid bot die Werkself beim verdienten 1:0-Heimsieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League eine hochkonzentrierte Vorstellung, die Hoffnung auf mehr macht - sowohl in der Champions League als auch in der Bundesliga.

"Wir hatten nach den letzten Spielen etwas gutzumachen. Das hat die Mannschaft überzeugend getan", freute sich Bayer-Geschäftsführer Michael Schade. "Das war der Schub, den die Mannschaft für die nächsten Spiele braucht. Sie hat Selbstvertrauen getankt für die Aufgaben in der Bundesliga und im Pokal."

Bayer 04 lässt die Kritiker verstummen

So richtig damit zu rechnen, war eigentlich nicht. Denn die Rheinländer hatten den Auftakt ins Jahr 2015 alles andere als optimal gestaltet. Eine maue Nullnummer gegen Dortmund, ein müder Sieg in Berlin, Niederlagen in Bremen und gegen Wolfsburg und das Last-Minute-Remis in Augsburg. Neun Gegentore in fünf Spielen, mal durfte Bas Dost vier Treffer erzielen, mal der gegnerische Torwart in Person von Marvin Hitz Geschichte schreiben. Es lief nicht nach Plan.

Und dann das Spiel gegen Atletico Madrid, den Vorjahresfinalisten der Champions League. "Keiner hat uns ein solches Ergebnis im Vorfeld zugetraut", frohlockte Lars Bender über den gelungenen Coup, den Hakan Calhanoglu, bis dahin in der Rückrunde das Sorgenkind der schwächelnden Bayer-Truppe, mit einem fulminanten Kracher unter die Latte perfekt gemacht hatte.

Statt die von vielen erwartete Klatsche zu kassieren, konnte Leverkusen endlich einmal in einem K.o.-Spiel voll und ganz überzeugen. Mehr noch, die Elf von Trainer Roger Schmidt fährt mit einem guten Ergebnis im Gepäck zum Rückspiel. Dem besten zudem, das die acht Gastgeber der Achtelfinal-Hinspiele überhaupt zu Stande gebracht hatten. Und Leverkusen war auch die einzige deutsche Mannschaft, die ihre Partie in der Königsklasse gewinnen konnte.

Aufwärtstrend gegen Freiburg bestätigen

Nach der berechtigten Kritik der letzten Wochen tat dieses Spiel richtig gut. Der zuletzt gescholtene Keeper Bernd Leno etwa erwischte einen Sahnetag und bekam vom Teamkollegen Simon Rolfes eine "Weltklasse-Leistung" bescheinigt. "Wir haben das Spiel sehr gut kontrolliert. Es war wichtig, allerhöchste Priorität auf die Defensive zu legen", beschrieb Simon Rolfes das Erfolgsrezept. "Dass wir mit unseren schnellen Leuten nach vorne etwas machen können, hat man in der zweiten Halbzeit in einigen Kontersituationen gesehen. Vielleicht wäre sogar etwas mehr möglich gewesen. Aber mit dem 1:0 können wir sehr gut leben."

Der Anfang der Woche der Wahrheit mit den drei wichtigen Heimspielen in drei Wettbewerben ist jedenfalls gemacht. Nun folgen die Aufgaben in der Meisterschaft gegen den SC Freiburg am Samstag (ab 15:00 Uhr im Liveticker) und im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern am Mittwoch. Können die Werkskicker in diesen Partien nachlegen, ist mit Leverkusen wieder zu rechnen. Doch einfach werden die Spiele mit Sicherheit nicht.

"Freiburg ist eine sehr gute Mannschaft, das wird ein ganz anderes Spiel", warnt Simon Rolfes. "Wir stehen in der Bundesliga auch unter Druck. Wir müssen das Spiel gewinnen." Nach nur vier Siegen in elf Heimspielen soll gegen die Breisgauer der Knoten platzen. Seit einem Vierteljahr wartet Bayer 04 auf einen Dreier im eigenen Stadion. "Ich hoffe, dass der Sieg gegen Athletico uns enorm viel Auftrieb gibt", sagt Lars Bender. "In der Bundesliga haben wir uns zu selten belohnt. Man hat gegen Madrid gesehen, was man abrufen muss, um wichtige Spiele zu gewinnen. Das müssen wir nun gegen Freiburg am Samstag wiederholen."

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski