Wolfsburg - "Wenn jemand behauptet, dass die Einstellung meiner Spieler nicht stimmt, dann kriegt er es mit mir zu tun", hatte sich Huub Stevens vor der Partie seines VfB Stuttgart beim VfL Wolfsburg demonstrativ vor seine Mannschaft gestellt.

Und die ließ ihren Trainer nicht im Regen stehen und zeigte beim Rückrunden-Tabellenführer kämpferisch und spielerisch, dass sie den Kampf um den Klassenerhalt noch lange nicht aufgegeben hat. "Wir sind in der ersten Hälfte gut aufgetreten, haben gute Aktionen gezeigt, uns gute Torchancen herausgespielt und uns nach dem Rückstand nochmal ins Spiel zurückgekämpft", analysierte der 61-Jährige. "Leider haben wir diese Überlegenheit nicht in Tore umgesetzt."

VfB trauert vergebenen Chancen nach

Besonders der vergebenen Riesenchance von Filip Kostic, der nach Vorlage von Martin Harnik frei vor Diego Benaglio stand, den Ball aber nicht am Wolfsburger Keeper vorbeibrachte, trauerte der Niederländer hinterher.

"Den muss er machen", sagte Stevens. "Das war nach 15 Minuten bereits unserer dritte Chance. Wenn wir da in Führung gehen, sehen wir vielleicht ein ganz anders Spiel. Da können wir kompakt stehen und unsere Konterchance suchen."

"Zweiter Gegentreffer der Knackpunkt"

Ja, wenn... Aber es kommt anders. Vier Minuten vor der Pause bringt Ricardo Rodriguez die Wölfe vom Punkt in Führung. Dass Harnik nur drei Minuten später zum 1:1-Pausenstand trifft, macht noch einmal Hoffnung.

Bis in der 65. Minute wieder Rodriguez zur erneuten Wolfsburger Führung trifft. "Für mich war der zweite Gegentreffer der Knackpunkt des Spiels. Bis dahin haben wir es richtig gut gemacht", sagte Christian Gentner nach dem Duell gegen seinen Ex-Club mit dem er 2009 die Meisterschaft errang.

Seit September 2013 keine zwei Siege in Folge

"Nach dem Rückstand mussten wir dann aufmachen. Und das ist gefährlich gegen eine Mannschaft, die mit Kevin De Bruyne über einen herausragenden Taktgeber verfügt und die entstehenden Räume für ihre Konter konsequent nutzt", so Stevens. "Wolfsburg konnte im zweiten Durchgang eine Schippe drauflegen. Da haben sie gezeigt, was für eine Qualität in der Mannschaft steckt. Die stehen nicht umsonst da oben."

So hieß es, nachdem André Schürrle 14 Minuten vor Abpfiff seinen ersten Treffer für den VfL erzielt hatte, am Ende 3:1 für die Wolfsburger. Ein Sieg, den wohl jeder auch so auf seinem Totoschein hatte. 

"Das Spiel wird uns Auftrieb geben"

Immerhin traf in der Autostadt die stärkste Heimmannschaft der Bundesliga auf den Tabellenletzten, und der VfB, der zuletzt mit dem 3:1 gegen die Frankfurter Eintracht eine Serie von neun sieglosen Spielen beendet hatte, konnte seit September 2013 keine zwei Spiele in Folge gewinnen.

Trotzdem: "Dieses Spiel wird uns Auftrieb geben", ist Stevens sicher. Das sieht auch der Sportdirektor so. "Wir haben gut mitgespielt und klare Torchancen gehabt", hat Robin Dutt beobachtet. "Das müssen wir mitnehmen und nun unsere Heimspiele gewinnen."

Dutt - Wiedersehen mit Ex-Club

Dabei kommt es am kommenden Spieltag für Dutt zum Wiedersehen mit seinem Ex-Club Werder Bremen, den er bis Oktober trainiert hat. "Ich habe noch sehr guten Kontakt zu Werder, aber das wird am Sonntag keine Rolle spielen. Wir müssen gewinnen."

Auf die Kenntnisse des Gegners will sich Stevens aber nicht verlassen. "Ob Herr Dutt den Gegner gut kennt, ist egal. Wir analysieren jetzt den nächsten Gegner und werden die Mannschaft darauf einstellen."

Relegation kein Thema

Über diese Partie denkt der Trainer nicht hinaus. "Wenn man ganz unten drinsteht, sollte man ausschließlich auf sich selber schauen und von Spiel zu Spiel denken", sagte Huub Stevens zu bundesliga.de auf die Frage, ob er angesichts von bereits fünf Punkten Rückstand auf Rang 15 bereits mögliche Relegationsgegner beobachte.

"Für uns geht es darum, mit einem Erfolg im nächsten Heimspiel gegen Bremen den Anschluss an die Teams auf den Nicht-Abstiegsplätzen zu halten", gibt Kapitän Gentner vor. Mit einem Sieg über die Norddeutschen wollen die Schwaben den Grundstein für eine erfolgreiche Aufholjagd legen.

Hoffnung macht: Mit dem SC Freiburg und dem Hamburger SV müssen noch zwei Konkurrenten im Abstiegskampf in die Mercedes-Benz Arena. Und "natürlich möchte ich auch auswärts punkten", will Stevens nicht allein auf Punkte vor eigenem Publikum bauen. Möglich, dass das Vertrauen des Trainers in die Mannschaft bei einem Showdown am letzten Spieltag beim Abstiegskonkurrenten SC Paderborn bestätigt wird.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs