Stuttgart - Zweiter Sieg in Folge, Borussia Mönchengladbach ist wieder in der Erfolgsspur. Das liegt auch an André Schubert. Der neue Trainer macht vieles richtig und kommt gut an bei der Mannschaft. Das Selbstvertrauen scheint zurück.

Am Ende hatte Neu-Trainer André Schubert doch noch etwas auszusetzen. "Ich glaube, wir müssen mit Yann Sommer einfach noch mehr Elfmeter üben", sagte er lächelnd auf die Frage nach der wohl fast einzigen schlechten Statistik seiner nun einwöchigen Amtszeit als Gladbach-Trainer. Gleich drei Elfmeter hatte die Fohlentruppe in den zwei Schubert-Partien kassiert, wohl der einzige Wehrmutstropfen in der kurzen Periode des ehemaligen U-21–Trainers der Borussen. Ansonsten hat der Bundeliga-Novize in den letzten Tagen scheinbar alles richtig gemacht und es geschafft, die so bitter zu Ende gegangene einst glorreiche Ära des Lucien Favre beinahe vergessen zu machen.

Schubert stärkt Spieler ganz gezielt

Zugegeben: Es war auch ein glücklicher Erfolg der Gladbacher in Stuttgart, am Ende aber vor allem auch wegen der geschlossenen Mannschaftsleistung ein verdienter. Die Borussen zeigten von Beginn an, dass sie wieder eine Einheit sind und den "Favre-Schock" verdaut haben. "Wir haben den Kampf angenommen und dagegen gehalten", analysierte Schubert nach dem Spiel. Er sei "sehr stolz" auf seine Mannschaft.

Schubert hat es geschafft, eine emotionale Bindung zu seiner Mannschaft herzustellen und bestimmte Spieler ganz gezielt zu stärken. So zum Beispiel Granit Xhaka. Der Schweizer ist der Anführer in einer Mannschaft, die sich wiedergefunden hat und wie verwandelt wirkt. Xhaka ist der verlängerte Arm Schuberts auf dem Platz und glänzt zudem als Torschütze. Gleich zwei Mal traf er in den letzten beiden Partien nach genau demselben Muster. Freistoß Raffael, Kopf, Tor - das klappte gegen Augsburg und nun auch in Stuttgart. Das habe sich die Mannschaft selbst überlegt, sagt Schubert dazu, sinnbildlich für seinen antiautoritären Führungsstil, der bei den Spielern bestens anzukommen scheint.

"Schubert ist einfach ein sehr positiver Typ und wirkt enorm positiv auf die Mannschaft ein", sagte Borussen-Manager Max Eberl nach dem Spiel beim VfB im Gespräch mit bundesliga.de. Das glaubt man ihm, wenn man beobachtet, wie sich Schubert in seinem neuen beruflichen Umfeld bewegt. Gut gelaunt, unverkrampft und dennoch erfolgsorientiert. So hat er es geschafft, seine kriselnde Mannschaft wieder zu den Fohlen der vergangenen Saison zu machen.

"Sehr gutes Gefühl für die kommenden Wochen"

"Wir spielen wieder den Fußball, der uns in der vergangenen Saison stark gemacht hat", sagte Xhaka am Samstagabend. "Wir gehen mutig zur Werke, vorne drauf und tun bei Ballverlust alles, um wieder in Ballbesitz zu kommen" – genau die Taktik also, die Borussia in der letzten Spielzeit bis in die Champions League geführt hat. Dort wartet am kommenden Mittwoch mit Manchester City ein echter Hammer, aber auch ein echtes Highlight.

"Sicherlich hat diese Partie unglaublich viel Kraft gekostet, weil es ein sehr umkämpftes Spiel war, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als jetzt gut zu regenerieren, denn am Mittwoch wartet bereits die nächste schwierige Aufgabe in der Champions League auf uns", meinte Patrick Herrmann, der auch ein personifiziertes Beispiel dafür ist, dass in Gladbach das Selbstvertrauen zurückgekehrt ist. In Stuttgart jedenfalls agierte der Nationalspieler deutlich auffälliger als in den letzten Wochen.

So blieb es in Stuttgart dann auch nicht aus, dass Sportdirektor Eberl auch die Frage nach der Zukunft seines neuen Trainers beantworten musste. Wie lange bleibt er noch, was macht die Suche nach einem neuen starken Mann? Eberl aber hatte nach dem erneuten Sieg allen Grund gelassen zu bleiben. "André Schubert hat der Mannschaft wieder die richtigen Impulse mit auf den Weg gegeben. Die Mannschaft hat das auf dem Platz konsequent umgesetzt und sich diesen Sieg erkämpft", so Eberl. "Das gibt uns ein sehr gutes Gefühl für die kommenden Wochen."

Bei diesen Worten lächelte er. Kein Wunder - schließlich läuft es wieder rund in Gladbach.

Jens Fischer