Stuttgart - Einen schwachen VfB Stuttgart bezwungen, drei Siege in Folge, dem Patienten Borussia Dortmund geht es immer besser. Dennoch warnen Verantwortliche und Spieler, denn auch beim VfB wurden noch leichte Fehler gemacht. Die will man nun abstellen - zumal jetzt zwei ganz schwere Aufgaben warten.

Meine Güte, was hätte dem so kriselnden VfB Stuttgart an diesem Freitagabend alles widerfahren können. Immer wieder liefen die Dortmunder in der zweiten Halbzeit bei eigener 2:1-Führung gefährliche Konter, nur: Der Abschluss gelang nicht, entweder liefen sie ins Abseits oder spielten den entscheidenden Pass einfach einen Tick zu ungenau. Auch deshalb trat Mittelfeld-Chef Ilkay Gündogan am späten Freitagabend in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena auf die Euphoriebremse.

Nachlässigkeiten trotz enormem Potenzial

"In den entscheidenden Situation haben wir sowohl defensiv als auch offensiv nicht immer die notwendige Konsequenz gezeigt. Deswegen wurde es am Schluss auch noch einmal spannend. Das war aus unserer Sicht völlig unnötig", sagte Gündogan im Analysegespräch. In der Tat war bei den Dortmundern, die den dritten Bundesliga-Sieg in Serie feierten, noch nicht alles Gold, was da so glänzte. Allerdings: Klar wäre ein Kantersieg bei den biederen Schwaben möglich gewesen, aber auch so ähneln die Dortmunder ganz allmählich wieder der Mannschaft der vergangenen Jahre.

Immer wieder blitzte in Stuttgart das enorme Potenzial auf, dass die Borussia zweifelsohne in sich trägt. Schnell, mit direktem Passspiel und herausragenden Individualisten hatte die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp die Partie über 90 Minuten unter Kontrolle. Allerdings leisteten sie sich sowohl defensiv als auch offensiv einige Nachlässigkeiten, über die Trainer Klopp in seinem internen Nachklapp sicher reden wird.

So hatten die Dortmunder vor allem bei Standards Defizite in der Konzentration. Und beim zwischenzeitlichen Elfmeterausgleich hatte Nuri Sahin Glück, dass ihm nach seinem Foul an Georg Niedermeier Schiedsrichter Deniz Aytekin nicht die Rote Karte unter die Nase hielt. Ansonsten aber: Alles fest im Griff, der Patient Borussia Dortmund ist auf dem besten Weg der Gesundung.

Aubameyang passender Stoßstürmer

Das weiß auch Trainer Klopp, der in Stuttgart sowohl während der Partie als auch danach für seine Verhältnisse aufgeräumt wirkte. "Wir haben in vielen Momenten gut Fußball gespielt. Wenn eine Mannschaft nicht vor Selbstvertrauen strotzt, dann muss man sie unter Druck setzen, das haben wir ganz gut gemacht", so Klopp vor dem Abflug nach Paderborn. Es herrschte Nachtflugverbot in Dortmund.

Klopps wichtigstes Ergebnis seiner Arbeit der letzten Wochen ist es wohl, endlich die derzeit passende Formation gefunden zu haben. Mit Pierre-Emerick Aubameyang hat er den passenden Stoßstürmer gefunden, der Mann aus Gabun zeigte auch in Stuttgart seine immense Gefährlichkeit und erzielte den wichtigen ersten Treffer. Die beiden Neuverpflichtungen Ciro Immobile (in Stuttgart auf der Bank) und Adrián Ramos (nicht im Kader) spielen derzeit nur eine untergeordnete Rolle.   

In der Champions League wartet Juventus Turin

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Nun aber warten in der kommenden Woche größere Kaliber auf die Borussia. Am Dienstag geht die Reise in der Champions League zu Juventus Turin, dem aktuellen Tabellenführer der italienischen Serie A. "Dort müssen wir defensiv besser stehen und vorne müssen wir versuchen, ein Tor zu erzielen", wusste auch Gündogan. Turin und Stuttgart - das ist derzeit wie Himmel und Hölle. Da wundert es nicht, dass die Spieler am Freitagabend auch immer wieder die eigenen Fehler ansprachen. "Wir haben noch viel Potenzial nach oben", erklärte der Japaner Shinji Kagawa, der in den vergangenen Spielen ebenfalls aufsteigende Form bewies.

So war es also nur ein kleiner Schritt für die Dortmunder in Stuttgart. Den großen aber können sie dann in den nächsten acht Tagen vollführen. Schließlich wartet auf die Schwarz-Gelben am nächsten Spieltag eines der ganz großen Highlights der Saison: das Derby gegen Schalke. Drei Punkte dort - und alles wäre fast wieder in Butter.

Jens Fischer