Paderborn - Geduldig hatte Alban Meha in den Katakomben des Paderborner Stadions gewartet, dann erschien Roger Schmidt. Der Trainer von Bayer 04 Leverkusen sah Meha, schritt sofort auf den Mittelfeldspieler des SC Paderborn zu, begrüßte ihn herzlich und ... irgendwie auch erleichtert. "Als ich dich zum Freistoß anlaufen sah, da habe ich gedacht: Scheiße, den haut er jetzt rein", sagte Schmidt lachend zu Meha.

Leverkusens Torhüter Bernd Leno verhinderte in jener 42. Spielminute mit einer Glanzparade das 1:0 für den SCP und damit auch eine Geschichte, wie sie der Fußball ja so gerne schreibt.

"So einen Trainer hätte ich früher gebraucht"

Als Schmidt in der Saison 2011/12 Trainer in Paderborn war, da hatte er Meha unter anderem wegen seiner genialen Freistöße von Eintracht Trier zum SCP gelotst. "Roger hat damals gesagt, dass er viel von mir hält. Ich müsse zwar in einigen Bereichen noch an mir arbeiten, aber ich könne den Sprung in die Bundesliga packen. Seinerzeit war ich ja schon 24, doch Roger hat mir richtig viel Vertrauen geschenkt. So einen Trainer hätte ich vielleicht etwas früher gebraucht", sagte Meha.

Der Albaner war für Schmidt nicht das einzige vertraute Gesicht bei seiner Rückkehr an die Stätte, wo er 2012 nur um zwei Punkte die Bundesliga-Relegationsspiele gegen Hertha BSC verpasst hatte. Auch Torhüter Lukas Kruse, Thomas Bertels, Jens Wemmer, Daniel Brückner, Lukas Rupp und Christian Strohdiek gehörten schon damals dem Kader der Blau-Schwarzen an. "Wir haben unter Roger Schmidt eine riesige Saison gespielt. Mit dem Offensiv-Stil, der ihn jetzt auch bei Bayer Leverkusen auszeichnet. In seinem Jahr hier waren wir die Mannschaft, die in den ersten 15 Minuten die meisten Tore erzielt hat", sagte Strohdiek.

Paderborn vor dem Tor zu harmlos

Da erscheint es auf den ersten Blick nur folgerichtig, dass der SC Paderborn am Sonntag gegen die "Werkself" mit 0:3 verlor. Doch so klar wie es das Ergebnis suggeriert, war die Angelegenheit mitnichten. Über weite Strecken zeigte sich der Aufsteiger als das bessere Team. Doch was nützt der ganze Mist, wenn vor dem Tor du harmlos bist, ließe sich da salopp reimen. "Im Strafraum fehlt uns aktuell das Selbstvertrauen", sagte Trainer André Breitenreiter.

Der bislang letzte Heimtreffer datiert inzwischen vom 17. Dezember und war obendrein ein Schalker Eigentor. Seitdem setzt die CD mit dem beliebten Tor-Lied "Hermann Löns, die Heide brennt" Staub an. "Wir würden den Song gerne mal wieder hören. Aber nicht nur wegen der Musik, sondern vor allem für einen Sieg, Punkte sowie die Tabelle", sagte Alban Meha und Christian Strohdiek ergänzte: "Wir brauchen jetzt mal ein dreckiges 1:0."

Leverkusen auf einem guten Weg

Selbstverständlich wünschte Roger Schmidt seinem Ex-Club dafür alles Gute. Doch noch wichtiger ist dem Sauerländer aus Kierspe natürlich die eigene Mannschaft. "Wir haben heute sicher lange kein Mittel gefunden und daher nicht unser bestes Spiel abgeliefert. Aber wir sind geduldig geblieben und das zeichnet uns inzwischen eben auch aus", sagte Schmidt. Der 47-Jährige sieht sein Team auf einem guten Weg. Zumal in Paderborn nun schon das vierte Spiel in Folge ohne Gegentreffer gelang. "Die Mannschaft entwickelt sich stetig weiter. Sie hat es wegen der hohen Ansprüche von außen dabei nicht ganz einfach, aber sie zeigt deutliche Fortschritte", sagte Schmidt.

Schließlich tanzt die "Werkself" immer noch recht aussichtsreich auf drei Hochzeiten und so löste auch die Auslosung zum DFB-Pokal-Viertelfinale keine Ohnmachtsanfälle aus. "Wer den Pokal gewinnen will, der muss die Bayern schlagen und das geht am einfachsten in unserer Arena", sagte Schmidt. Am Freitag geht es aber erstmal gegen den VfB Stuttgart und da soll ein weiterer Sieg her, um mit breiter Brust zum Champions-League-Spiel bei Atletico Madrid zu reisen. "Mit einem Erfolgserlebnis im Rücken lässt sich eben deutlich angenehmer an eine Aufgabe herangehen", sagte Schmidt. Was sich bei diesem Satz wohl Alban Meha gedacht haben mag ...

Thomas Schulz