München - In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika standen sich Deutschland und Aserbaidschan erst 2009 gegenüber. 0:2 verlor der Außenseiter vor heimischer Kulisse in Baku knapp, in Hannover setzte es ein 0:4.

Eine klare Sache, eigentlich. Doch Aserbaidschan hat ansonsten in der Gruppe sehr gut mitgehalten. In den anderen acht Partien kassierte das Team von Berti Vogts nur acht Gegentore. Fünf Punkte standen am Ende auf der Habenseite - gegen Russland gelang zum Abschluss mit einem 1:1 ein dickes Ausrufezeichen.

Dennoch bleiben die Spieler von Aserbaidschan für die deutschen Fußball-Fans weiter ein fast unbeschriebenes Blatt. Nur zwei Akteure verdienen ihr Geld im Ausland, der Rest tummelt sich in der ersten Liga Aserbaidschans. bundesliga.de stellt die Mannschaftsteile vor.

Torhüter

Wenn sich Aserbaidschan auf einer Position keine Sorgen machen muss, dann sicherlich bei den Torhütern. In der WM-Qualifikation hieß das Ergebnis oft 0:1, oder 1:2 - es ging immer knapp zu. Kein Wunder, dass das Urteil von Uli Stein gegenüber bundesliga.de voll des Lobes ist: "Kamran Agayev kann international bestehen. Er ist ein klasse Torhüter und könnte sicherlich auch in der Bundesliga mithalten. Dahinter kommt Salahat Agayev. Der ist erst 19 Jahre alt und ein wirklich großes Talent. Auch Kamran ist mit 24 noch jung, so dass ich da noch einiges bewegen kann."

Abwehr

Auch in der Defensive ist es um das Team von Aserbaidschan eigentlich gut bestellt. Nur gerade im schwierigsten Auswärtsspiel muss Berti Vogts auf Ruslan Abischow und Wolodomir Lewin verzichten. Aber: "Der Leader ist natürlich unser Kapitän Rashad Sadigov. Er wird wohl zusammen mit Sasha Yunisoglu in der Zentrale agieren. Elnur Allahverdiyev hat zuletzt auf links gespielt, und auf der rechten Seite haben wir mit Maksim Medvedev ein 20-jähriges Talent, das sicherlich zu höheren Aufgaben berufen ist", erklärt Stein.

Mittelfeld

Je mehr es in Richtung Angriff geht, desto größer ist das Manko bei Aserbaidschan zu erkennen. Viele Spieler haben teilweise erst mit 12, 13 Jahren begonnen, Fußball zu spielen. Technische Grundfertigkeiten wurden spät erlernt. "Im Mittelfeld haben wir sicherlich keinen wirklichen Spielgestalter. Da werden wir die Last wohl auf mehreren Schultern verteilen", so Stein. Einen "kleinen" Star hat Aserbaidschan dennoch: "Mit Mahir Shukurov haben wir einen riesen Fußballer in unseren Reihen. Er verdient in Russland in der ersten Liga sein Geld."

Angriff

Im Sturm krankt es bei Aserbaidschan ganz besonders. "Mit dem Torschießen ist es so eine Sache: Wunderstürmer kann man sich ja nicht schnitzen. Aber auch da geht es bei uns weiter voran", sagt Stein. Immerhin: Mit Vagif Javadov, der bei Twente Enschede spielt, ist ein Stürmer der zweite Legionär neben Shukurov. Da die Wahl in Angriff begrenzt ist, geht es nicht darum, wer spielt, sondern mit wie vielen Spitzen begonnen wird. "Wir sind uns noch nicht sicher, ob wir mit einem oder mit zwei Stürmern spielen", berichtet Stein.


Michael Reis


Aserbaidschans Torwarttrainer Uli Sein im Interview